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Tarnnetz-Knüpfen im Einkaufszentrum: Wie kreative Litauer der Ukraine helfen

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Freiwillige knüpfen Tarnnetze für die Ukraine in dem CUP-Einkaufszentrum in Vilnius
Freiwillige knüpfen Tarnnetze für die Ukraine in dem CUP-Einkaufszentrum in Vilnius -  Copyright  Johanna Urbancik
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Während in Litauen Bürger Tarnnetze knüpfen und Drohnen für die Ukraine finanzieren, sieht die Unterstützung in Deutschland mittlerweile anders aus. Ein Blick auf zwei Gesellschaften, die der Ukraine helfen.

Wer in ein Einkaufszentrum geht, will normalerweise shoppen: Kleidung, Drogerieartikel oder vielleicht ein Paar neue Schuhe. Im CUP-Einkaufszentrum in der litauischen Hauptstadt Vilnius gibt es allerdings noch eine andere Möglichkeit, seine Zeit zu verbringen und dabei die Ukraine zu unterstützen.

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Bei den "Vilniaus vorai", übersetzt die "Spinnen von Vilnius", kann man Tarnnetze für die Ukraine knüpfen. Fast jeden Tag sieht man im vierten Stock des Einkaufszentrums Freiwillige, die frisch geknüpfte Tarnnetze zusammenrollen. Oft werden die Netze direkt nach ihrer Fertigstellung in die Ukraine geschickt.

Im Frühling, Sommer und Herbst knüpfen die Freiwilligen grüne und braune Netze, im Winter werden sie an die Wetterbedingungen in der Ukraine angepasst und sind schneeweiß.

Eine Frau knüpft Tarnnetze für die Ukraine in Vilnius
Eine Frau knüpft Tarnnetze für die Ukraine in Vilnius Johanna Urbancik

Das Projekt wurde am 13. April 2022 von der Litauischen Schützenunion, einer paramilitärischen Organisation, kurz nach Beginn der Vollinvasion ins Leben gerufen. Die Freiwilligen knüpfen seitdem Tarnnetze, die dabei helfen, das Leben ukrainischer Soldaten zu schützen, da sie militärische Ausrüstung und andere Objekte abdecken.

Eigenen Angaben zufolge kommen Menschen aus ganz Litauen, Angehörige der Schützenunion, Ukrainer sowie Belarussen, die in Litauen Zuflucht gefunden haben, um sich an dem Projekt zu beteiligen.

Ein Ende des Projektes steht derzeit nicht in Sicht, da es so lange bestehen soll, wie die Ukraine die Hilfe benötige.

Menschen knüpfen Tarnnetze für die Ukraine in Vilnius
Menschen knüpfen Tarnnetze für die Ukraine in Vilnius Johanna Urbancik

Berichten zufolge hatten sich bis Ende Dezember 2022 in Litauen bereits fast 47.000 Menschen freiwillig gemeldet, um der Ukraine zu helfen. Spätere Angaben der litauischen Regierung bezifferten die Zahl der Menschen, die sich an Freiwilligeninitiativen im Zusammenhang mit der Ukraine beteiligten, auf mehr als 150.000.

Bis heute ist der russische Angriffskrieg in Litauen allgegenwärtig: Ukraine-Flaggen hängen nicht nur an Regierungsgebäuden, sondern auch an zahlreichen Balkonen und Fenstern. Auf den Anzeigen der Busse flackert neben der Endstation "Vilnius ♡ Ukraine" auf, und Menschen, Cafés und Restaurants zeigen mit Stickern ihre Solidarität.

Ein Sticker auf einem Fenster in Užupis, einem Stadtteil von Vilnius. "Unterstützer der russischen Aggression in der Ukraine sind nicht wilkommen", heißt es dort.
Ein Sticker auf einem Fenster in Užupis, einem Stadtteil von Vilnius. "Unterstützer der russischen Aggression in der Ukraine sind nicht wilkommen", heißt es dort. Johanna Urbancik

Das litauische Verteidigungsministerium hat Ende 2025 angekündigt, die Ukraine auch 2026 weiterhin "konsequent und entschlossen militärisch und finanziell" zu unterstützen. Dafür sind 0,25 Prozent des litauischen Bruttoinlandsprodukts vorgesehen. Im Februar 2026 hatte Vilnius 223 Millionen Euro zusätzlicher Militärhilfe für die Ukraine angekündigt.

Deutschland und Litauen: Wie viel Unterstützung für die Ukraine leisten sie?

Nach Angaben des deutschen Bundeskanzlers, Friedrich Merz (CDU), ist Deutschland aktuell jedoch der größte Unterstützer der Ukraine. Berlin unterstützt die Ukraine zwar mit deutlich größeren Summen, ist allerdings auch fast 29-mal größer als Litauen und hat über 80 Millionen mehr Einwohner als das baltische Land.

Seit Beginn der russischen Vollinvasion hat die Bundesregierung demnach rund 57,6 Milliarden Euro an militärischer Unterstützung bereitgestellt beziehungsweise für die kommenden Jahre vorgesehen. Dazu kommen laut Daten des Bundesministeriums für Finanzen mehr als 43,3 Milliarden Euro zivile bilaterale Unterstützung. Erst am vergangenen Wochenende hatte Merz bei einem Überraschungsbesuch in Kyjiw der Ukraine eine Milliarde Euro an Militärhilfen und weitere 350 Millionen für den Energiesektor zugesagt.

Selenskyj und Merz am 4. Oktober 2026 vor dem Denkmal für gefallene ukrainische Soldaten in Kyjiw
Selenskyj und Merz am 4. Oktober 2026 vor dem Denkmal für gefallene ukrainische Soldaten in Kyjiw Press Service of The President of Ukraine via AP

Gemessen an der Größe des Landes fällt Litauens Unterstützung jedoch stärker ins Gewicht: Das Land hat für 2026 angekündigt, 0,25 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die Unterstützung der ukrainischen Verteidigungs- und Sicherheitsbranche bereitzustellen. Das sind umgerechnet circa 224 Millionen Euro.

Deutschland hat im Bundeshaushalt 2026 dagegen 12 Milliarden Euro für die Ertüchtigung von Partnerstaaten und von völkerrechtswidrig angegriffenen Staaten vorgesehen. Diese Summe ist allerdings nicht ausschließlich für die Ukraine bestimmt und daher nicht direkt mit den litauischen 0,25 Prozent vergleichbar.

Auch bei der Aufnahme von Menschen aus der Ukraine zeigt sich ein ähnliches Bild: Deutschland hat mit rund 83,4 Millionen Einwohnern etwa 29-mal so viele Einwohner wie Litauen mit rund 2,9 Millionen. Trotzdem leben in beiden Ländern gemessen an der Bevölkerung ähnlich viele Menschen aus der Ukraine. Ende Juli 2026 standen in Deutschland rund 1,29 Millionen Menschen aus der Ukraine unter vorübergehendem Schutz, in Litauen waren es knapp 50.000. Das entspricht laut aktuellen Zahlen von Eurostat in Litauen etwa 17 Menschen pro 1.000 Einwohner, in Deutschland etwa 15.

Wie sich die Unterstützung der Zivilbevölkerung von der in Deutschland unterscheidet

In Deutschland und Litauen gibt es Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die die Ukraine unterstützen. In Litauen ist die wohl bekannteste Organisation, die Ausrüstung, Drohnen, Optik und medizinische Versorgungsgüter direkt an die Front in der Ukraine liefern, Blue Yellow. 2014 von dem Schweden Jonas Oehman hat die Organisation seitdem über 121,4 Millionen Euro für die Ukraine gesammelt.

Bei einem von der Friedrich-Naumann-Stiftung organisierten Treffen in Vilnius beschreibt Oehman die Unterstützung für die Ukraine als Teil einer tief verwurzelten Tradition des zivilen Widerstands in Litauen. Diese gehe unter anderem auf die Erfahrungen des Landes mit dem Partisanenkampf nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Dabei gehe es nicht nur darum, dass die Streitkräfte Widerstand leisten. Auch normale Bürger sollen sich beteiligen können, selbst wenn sie nicht beim Militär sind.

Seit Beginn der russischen Vollinvasion 2022 habe sich auch die Art der Unterstützung verändert. Während anfangs vor allem Schutzausrüstung, Gewehrausrüstung, Optik und andere defensive Ausrüstung gesammelt wurden, machen Drohnen und Drohnenausrüstung nach Angaben von Blue Yellow inzwischen rund 80 Prozent der Lieferungen aus. Für die Organisation zeigt das, wie stark sich auch die Kriegsführung verändert hat.

Blue Yellow-Chef Jonas Oehman in Vilnius, 30/09/2026
Blue Yellow-Chef Jonas Oehman in Vilnius, 30/09/2026 Johanna Urbancik

Auch Deutschland spielt für Blue Yellow eine wichtige Rolle. Die Organisation sieht dort viele Menschen, die die Ukraine unterstützen wollen, aber nach konkreten Möglichkeiten suchen, etwas für die Verteidigung des Landes zu tun. In Deutschland müsse man an das Thema allerdings anders herangehen als in Litauen. Dabei spielt auch die deutsche Geschichte eine Rolle.

Auch in Deutschland gibt es inzwischen zivile Initiativen, die ganz konkret militärische Ausrüstung für die Ukraine finanzieren. Die Ukrainehilfe Oranienburg sammelt etwa für Aufklärungsdrohnen für eine ukrainische Einheit. Das CHUMAK Volunteer Team aus Essen beschafft nach eigenen Angaben unter anderem Fahrzeuge und Drohnen für ukrainische Verteidigungskräfte.

Das Prinzip, dass Bürger selbst Ausrüstung für die ukrainische Verteidigung finanzieren, gibt es also auch in Deutschland. Blue Yellow geht dabei einen Schritt weiter: Die Organisation ist vollständig auf die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte ausgerichtet und liefert neben Drohnen auch andere militärische Ausrüstung. Nach eigenen Angaben trainiert sie zudem ukrainische Soldaten im Drohnenkrieg. Für den deutschen Markt arbeitet die Organisation deshalb nach eigenen Angaben an einem eigenen Ansatz.

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