Im Zentrum von Rio verlangen Studenten und Schüler, Fördermittel für staatliche Bildung nicht zu kürzen. Sie warfen Flávio Bolsonaro Unterordnung unter die USA vor.
Tausende Studenten von Universitäten und weiterführenden Schulen haben am Mittwoch im Zentrum von Rio de Janeiro demonstriert. Sie versammelten sich auf zwei zentralen Plätzen der Stadt, um Lula da Silva zu unterstützen und gegen Flávio Bolsonaro zu protestieren – gut zwei Wochen vor der Stichwahl um die brasilianische Präsidentschaft.
Die Nationale Studentenunion hatte zu der Demonstration aufgerufen und über die sozialen Netzwerke dafür mobilisiert. Der Marsch begann an der Candelária-Kirche und endete an der Cinelândia vor dem Rathaus. Der Platz ist häufig Schauplatz von Kundgebungen der Linken. Die Demonstranten forderten mehr Geld für Bildung und einen kostenlosen Zugang zu Schulen und Universitäten. Besonders setzten sie sich für den Erhalt des von der Regierung Lula eingeführten Programms Pé-de-Meia ein. Es sieht monatliche Zahlungen an Schüler vor, um sie beim Abschluss der öffentlichen Sekundarschule zu unterstützen.
Die Menge bestand vor allem aus jungen Menschen, darunter waren aber auch ältere Demonstranten. Viele erinnerten an die Kürzungen, die Jair Bolsonaro, Flávios Vater, während seiner Amtszeit bei den Budgets der Bundesuniversitäten, den Forschungsstipendien und dem Programm "Farmácia Popular" vorgenommen hatte.
Flávio Bolsonaro kündigt in seinem Wahlprogramm deutliche Kürzungen bei den Staatsausgaben an. Der Senator der Liberalen Partei (PL) verweist dabei positiv auf die wirtschaftlichen Reformen des argentinischen Präsidenten Javier Milei. Brasilien kämpft mit einer steigenden Staatsverschuldung, die durch die hohen Zinsen zusätzlich belastet wird.
Protest gegen extreme Rechte und US-Ausrichtung
Auf den Plakaten forderten die Demonstranten den Schutz der brasilianischen Souveränität und der Demokratie. Auf einem Transparent stand in großen Buchstaben: "Nie wieder Diktatur".
Die Studenten äußerten ihre Sorge über den Aufstieg der extremen Rechten und die Nähe der Familie Bolsonaro zur Regierung von Donald Trump. Auf weiteren Plakaten waren Slogans wie "Brasilien ist nicht der Hinterhof der USA" und "Ich wähle niemanden, der Brasilien verkauft" zu lesen.
Die brasilianische Linke befürchtet, dass Flávio Bolsonaro wegen seiner ideologischen Nähe zu Trump einen deutlichen Kurswechsel hin zu Washington vollziehen könnte. Im vergangenen Jahr verhängte der US-Präsident einen Zoll von 50 Prozent auf brasilianische Produkte und sanktionierte ein Mitglied des Obersten Gerichtshofs. Als Begründung verwies er auf das Verfahren gegen Jair Bolsonaro, das Trump als "Hexenjagd" bezeichnete.
Viele Demonstranten kritisierten außerdem die Corona-Politik von Jair Bolsonaro, dem sie vorwerfen, die Pandemie verharmlost und geleugnet zu haben. Schätzungen zufolge starben in Brasilien rund 700.000 Menschen an Covid-19.
Am 25. Oktober treten Lula da Silva, der amtierende Präsident, der eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit anstrebt, und der Sohn des Ex-Präsidenten erneut gegeneinander an.
Flávio Bolsonaro hatte den ersten Wahlgang mit einem Vorsprung von weniger als zwei Prozent gewonnen und gilt derzeit als Favorit im Rennen um das Präsidentenamt.
Neben Straßenprotesten sind auch Diskussionsrunden zu Themen wie öffentlicher Bildung, Wissenschaft, Bürgerrechten und der Rolle der Studierenden vorgesehen. Die Organisatoren wollen sich nicht auf Rio de Janeiro beschränken. Weitere Mobilisierungen sind in Teresina, Curitiba, São Paulo, Belo Horizonte, Maceió, Recife und Vitória geplant.