Loader
Finden Sie uns
Werbung

MI5: Russland bleibt größte Bedrohung für Großbritannien

Der Generaldirektor des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, Ken McCallum, spricht in Thames House, dem Sitz des Sicherheitsdienstes in London, am Dienstag, 13. Oktober 2026.
Generaldirektor des MI5 Ken McCallum spricht im Thames House, dem Hauptsitz des britischen Sicherheitsdienstes in London, Dienstag, 13. Oktober 2026. -  Copyright  PA Wire/PA Images
Copyright PA Wire/PA Images
Von Nathan Rennolds
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

MI5-Chef Ken McCallum warnt vor zunehmenden hybriden Angriffen Russlands und Irans. Moskau setze verstärkt Kriminelle für Sabotageaktionen in Europa ein, während Teheran seine Aktivitäten gegen Ziele in Großbritannien ausweiten.

Der Generaldirektor des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 hat am Dienstag gewarnt, dass Russland trotz der zunehmenden Bedrohung durch andere Staaten weiterhin der "Aggressor Nummer eins" bleibe. In seiner jährlichen Rede im MI5-Hauptquartier Thames House in London sagte Ken McCallum, dass der Geheimdienst inzwischen mehr Ressourcen für die Abwehr staatlicher Bedrohungen einsetze als während des Kalten Krieges.

WERBUNG
WERBUNG

"Die russischen Streitkräfte und Geheimdienste verstärken erneut ihre Versuche, hybride Kriegsführung zu betreiben. Dabei achten sie genau darauf, unterhalb der Schwelle von Artikel 5 des NATO-Vertrags zu bleiben. Dessen Überschreiten wäre für sie töricht", sagte McCallum. In den vergangenen Monaten haben mehrere Staaten Russland vorgeworfen, hybride Angriffe auf europäischem Boden verübt zu haben.

Dazu gehören Deutschland und Estland. Berlin machte Moskau für einen Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle im August verantwortlich. Tallinn erklärte, russische Geheimdienste hätten im selben Monat einen Brandanschlag auf den Rüstungskonzern Milrem Robotics in Auftrag gegeben. McCallum zufolge sind solche Vorfälle Teil eines russischen Plans, europäische Länder zu verunsichern. Gleichzeitig setzt Russland seinen umfassenden Krieg gegen die Ukraine fort, der im Februar 2022 mit der groß angelegten Invasion des Landes begann.

Der jüngste Anstieg mutmaßlicher russischer Hybridaktivitäten falle in eine Phase, in der Russlands militärische Fortschritte in der Ukraine "minimal und schrecklich teuer" seien, sagte McCallum.

Deshalb greife Moskau verstärkt auf Stellvertreter zurück, die Angriffe für Russland ausführen sollen. Das verdeckte russische Netzwerk sei durch fast 1.000 Ausweisungen seit Beginn der Invasion weitgehend zerschlagen worden, erklärte McCallum. "Damit ist das Instrumentarium des Kremls auf der Weltbühne geschwächt. Deshalb sehen wir, wie Russland in aller Eile Kriminelle dafür bezahlt, seine Aufträge zu übernehmen", sagte er.

Der britische Premierminister Andy Burnham betonte, dass das Vereinigte Königreich die Ukraine trotz russischer Warnungen vor "Konsequenzen" "zu 100 Prozent" unterstützen werde. In der vergangenen Woche bekräftigte Burnham erneut seine "vollständige Solidarität" mit Kyjiw und kündigte an, die Sanktionen gegen Russland weiter zu verschärfen.

Burnham wird vor ihrem Treffen in Kyjiw am Montag, dem 24. August 2026, von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen.
Burnham wird vor ihrem Treffen in Kyjiw am Montag, dem 24. August 2026, von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen. Copyright 2026. The Associated Press. All rights reserved

Bedrohung durch Iran

McCallum sprach in seiner Rede auch über den Iran. Er bezeichnete das Land als einen weiteren Staat, der für Gewalttaten im Vereinigten Königreich gerne Dritte einsetze. Zudem warnte er, dass Teheran seine Aktivitäten im Bereich der hybriden Kriegsführung ausweiten wolle. "Wir sehen weiterhin die bekannte Absicht Irans, kriminelle Helfer einzusetzen, um Oppositionelle, iranische Medienorganisationen und israelische Ziele einzuschüchtern", sagte er.

Operationen mit Verbindungen zum Iran hätten im vergangenen Jahr zu mehr als 50 Festnahmen geführt, erklärte McCallum. Viele dieser Angriffe richteten sich seinen Angaben zufolge gegen jüdische Gemeinden in Großbritannien. Iran nehme jedoch auch "schwerer zu treffende Ziele wie Militärstandorte" ins Visier. McCallums Aussagen folgten auf eine Erklärung des britischen Premierministers Andy Burnham im Parlament am Montag. Burnham hatte dort gesagt, ein Vorfall auf einem britischen Luftwaffenstützpunkt, auf dem auch Teile der US-Luftwaffe stationiert sind, sei "so gut wie sicher" von den Revolutionsgarden der Islamischen Republik Iran (IRGC) gesteuert worden.

Am 27. September nahm die Polizei fünf Männer in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts RAF Fairford in Gloucestershire im Südwesten Englands fest. Zunächst standen sie im Verdacht, Sprengstoffdelikte begangen zu haben. Später wurde ihnen auch vorgeworfen, eine terroristische Straftat vorbereitet zu haben. Alle fünf kamen gegen Kaution frei. Später nahmen die Behörden in London einen weiteren Mann fest, einen 25-jährigen Doppelstaatsbürger des Vereinigten Königreichs und Irans.

Ihm wird vorgeworfen, im Zusammenhang mit dem Vorfall terroristische Handlungen vorbereitet zu haben. Am 6. Oktober wurde ebenfalls in London ein 22-jähriger britischer Staatsbürger wegen des Verdachts festgenommen, einen Terrorakt vorbereitet zu haben. Auch diese beiden Männer wurden gegen Kaution freigelassen. Nach Angaben der britischen Anti-Terror-Polizei befinden sich alle sieben Männer weiterhin auf freiem Fuß, müssen sich jedoch an bestimmte Auflagen halten. Spezialisierte Ermittler würden "alle Spuren weiterverfolgen".

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Ukraine stärkt Minderheitenrechte: Weg frei für EU-Beitrittsverhandlungen

Russland greift Charkiw und Region Lwiw mit Raketen und Drohnen an, tötet drei Zivilisten

Energie-Waffenruhe: Kyjiw verwirrt - Moskau schweigt