Der Protest der Lkw-Fahrer im Süden Italiens weitet sich aus. Sie blockieren den Verkehr und demonstrieren für bessere Bedingungen. Es drohen Lieferengpässe, die Regierung beruft einen Krisenstab ein.
Im Süden Italiens reißt die Mobilisierung von LKW-Fahrern und Landwirten gegen die hohen Kraftstoffpreise nicht ab. Seit Tagen bremsen oder stoppen LKWs und Traktoren den Verkehr. Die ersten Blockaden begannen Anfang Oktober in Apulien und Kalabrien. Inzwischen haben sie sich auf Kampanien, Sizilien, Basilikata und Molise ausgeweitet.
Am Montag nahmen die Proteste in Kampanien weiter Fahrt auf. Schwere Blockaden sorgten auf der A1 zwischen Neapel und Caserta und auf der A30 zwischen Caserta und Salerno für lange Staus. Auch andere wichtige Verkehrsknoten litten darunter. In Neapel blockierten LKWs den Zugang zum Bausan-Tor des Hafens und legten den Betrieb weitgehend lahm. Im Raum Caserta kamen Be- und Entladung von Lebensmitteln in den Lagern großer Supermarktketten zum Stillstand.
An der Mobilisierung beteiligen sich mehrere Berufsgruppen. LKW-Unternehmen, Landwirte und Händler erhalten oft Unterstützung von Bürgern und Studierenden. Sie bringen Transport und Auslieferung von Waren durcheinander, um gegen steigende Kraftstoffpreise und nicht mehr tragbare Kosten zu protestieren, und fordern ein Eingreifen der Regierung.
Der Minister für Infrastruktur und Verkehr Matteo Salvini hat das Treffen mit den Vertretungen der Transportunternehmen auf den 20. Oktober vorgezogen und auch die unabhängigen Verbände aus Kalabrien, Sizilien und Apulien eingeladen. Die Demonstrierenden setzen ihren Streik dennoch fort und zeigen Transparente mit Slogans wie "Auch der Süden ist Italien", "Die Arbeit, die Italien bewegt" und "Landwirtschaft ist Leben".
Süditalienische Supermärkte: Regale werden leer
Der Stillstand im Warenverkehr trifft viele Bereiche der Wirtschaft, zuerst den Handel. In zahlreichen Supermärkten im Süden Italiens bleiben die Regale leer, Produkte werden knapp und die Vorräte in den Lagern reichen nicht aus. Besonders betroffen sind Frischwaren: Gemüse, Obst, Fleisch und Milch drohen zu verderben, bevor sie die Verbraucherinnen und Verbraucher erreichen.
"Eine Lage, die bei längerer Dauer die normale Versorgung mit Produkten gefährden könnte. Die Unternehmen erleiden wirtschaftliche Schäden, die Kundschaft weitere Unannehmlichkeiten", warnte der Vizepräsident des Handelsverbands Confcommercio und Präsident von Conftrasporto, Pasquale Russo.
Viele Geschäfte blieben geschlossen – aus Solidarität mit der Mobilisierung oder wegen fehlender Lieferungen. Zahlreiche Unternehmen müssen mit deutlich geringeren Beständen arbeiten.
Einige Tankstellen haben keinen Treibstoff mehr, auch die Baubranche spürt die Folgen des Stillstands, weil dringend benötigte Rohstoffe ausbleiben.
Autofahrerinnen und Autofahrer versuchen vorzubeugen und füllen ihre Tanks rechtzeitig, bevor die Vorräte ganz aufgebraucht sind. Viele Menschen sorgen sich um mögliche Engpässe bei Lebensmitteln und Medikamenten, obwohl Letztere bislang von den Lieferstopps ausgenommen sind.
Regierung beruft technischen Runden Tisch ein
Die Blockade soll weitergehen, trotz des angekündigten technischen Runden Tisches mit der Regierung. Die Initiativen enden erst, wenn eine Einigung zustande kommt, die die Forderungen der Beteiligten aufgreift.
"Bei den Lkw-Fahrern bin ich sicher, dass wir seit Langem blockierte Gelder freigeben und die Forderungen anhören können. So eröffnen wir einen konstruktiven Dialog und nehmen den Druck von Bundesstraßen und Autobahnen", erklärte Minister Salvini.