Auf dem "Invest in Germany"-Gipfel in Berlin ist es der Bundesregierung trotz anfänglicher Negativ-Schlagzeilen gelungen, eine Kooperation mit dem KI-Unternehmen Nvidia abzuschließen und Investitionen von Amazon zu erreichen.
Kurz vor dem Investitionsgipfel in Berlin hat Nvidia-Boss Jensen Huang Deutschland eine Ohrfeige verpasst. Es schmerze ihn sehr zu sehen, wie weit das wirtschaftlich fortschrittliche Land zurückgefallen sei. Und der 63-jährige CEO des wertvollsten Unternehmens der Welt gab dem seiner Ansicht nach abgehängten Deutschland den Tipp: "Just get to work!" ("Macht Euch einfach an die Arbeit!")
Doch offenbar glaubt Jensen Huang weiter an Deutschland, denn bei einem Kamingespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz wurde laut Medienberichten ein entscheidender KI-Deal vereinbart. Wie zuerst das Handelsblatt meldete, will die Bundesregierung einen dreistelligen Millionenbetrag zu der Kooperation beisteuern.
Dabei solle die Kombination aus deutscher Ingenieurskunst und modernster KI-Technologie den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärken, wie Merz und Huang betonten.
Insgesamt habe es laut dem Kanzler beim Investitionsgipfel in Berlin Zusagen in Höhe von insgesamt 800 Milliarden Euro gegeben - bis 2028. Bei dem Treffen hatten sich etwa 200 Firmenchefs versammelt.
Amazon investiert 16 Milliarden Euro in Deutschland
Ein weiterer US-Konzern, nämlich der Internet-Riese Amazon, will 2027 rund 16 Milliarden Euro in Deutschland investieren, wie ebenfalls auf dem Investitionsgipfel in Berlin verkündet wurde. Ein Drittel des Geldes soll in den Ausbau von Rechenzentren für Amazons Cloudanbieter AWS gesteckt werden.
In Deutschland arbeiten laut Amazon bereits jetzt rund 3.000 Beschäftigte für die Cloudservice-Tochter AWS. Die geplanten 4,8 Milliarden Euro für AWS in Deutschland werden vor allem im Raum Frankfurt am Main investiert.
Unternehmen sollen ihre Daten der KI zur Verfügung stellen
Nvidia hat nach eigenen Angaben 2025 fast eine Milliarde Dollar in Deutschland investiert. Der US-Konzern mit Hauptsitz in Kalifornien ist an zahlreichen deutschen Start-Ups und Unternehmen beteiligt. Huang betont immer wieder, Daten müssten als nationale Ressource gesehen werden, die nicht exportiert werden dürften, sondern der Entwicklung einer "nationalen Intelligenz" dienen sollten.
An dem von der Bundesregierung geförderten Projekt mit Nvidia soll sich etwa ein Dutzend deutscher Unternehmen beteiligen - darunter Siemens, Audi und die KI-Start-Up Black Forest Labs aus Freiburg im Breisgau. Mit Siemens arbeitet Nvidia bereits in Erlangen bei der Geräteproduktion zusammen.
Kanzler Merz forderte die Unternehmen in Deutschland dazu auf, ihre Industriedaten für die künstliche Intelligenz offenzulegen, um die Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Branchen wie der Autoindustrie zu erhalten. Der Erhalt der industriellen Basis in Deutschland sei ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Volkswirtschaften - so der CDU-Chef.
Ob Friedrich Merz den Lederjacken-Fan Jensen Huang auch mit seinen Bekundungen zu den echten deutschen Tugenden überzeugt hat?
In Berlin sagte der Kanzler tatsächlich: "Deutsche gelten als fleißig, gehen früh schlafen und stehen noch vor Sonnenaufgang auf. (...) Im Urlaub sind wir die Ersten am Strand und legen schon vor dem Frühstück unsere Handtücher aus. Und wenn wir Liefertermine vereinbaren, dann halten wir diese auch ein."
Zuletzt hatten sich die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft ein wenig aufgehellt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in Deutschland 2026 inzwischen ein Wachstum von 1,3 Prozent, nachdem zuvor nur mit 0,7 Prozent Wachstum gerechnet wurden. Ob der weitere Aufschwung dank der Investitionen der US-Tech-Giganten gelingt, bleibt abzuwarten.