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Von „sleepmaxxing“ bis Hitze: erholsamer Schlaf wird immer seltener

Neue Trends wie „sleepmaxxing“ und das Leben in der Stadt sorgen dafür, dass viele Menschen nicht mehr zur nötigen Erholung kommen.
Neue Trends wie „Sleepmaxxing“ und das Leben in der Stadt verändern die Gesellschaft und erschweren vielen Menschen erholsamen Schlaf. -  Copyright  Canva
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Von Giedre Peseckyte
Zuerst veröffentlicht am
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Klimawandel, ungleicher Zugang zur Gesundheitsversorgung und eine Dauererreichbarkeitskultur rauben Europa den Schlaf – mit Folgen für die Gesundheit.

Schlaf gibt unserem Körper die Zeit, Gewebe zu reparieren, Abfall im Gehirn abzubauen und Erinnerungen zu festigen. Das ist entscheidend für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit.

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Doch steigende Temperaturen, digitale Technik und Arbeit rund um die Uhr bringen den Schlaf immer stärker durcheinander.

Die Forscher betonen in einem im „Journal of Sleep Research“ veröffentlichten Fachartikel (Quelle auf Englisch), dass Einzelne das Problem nicht allein lösen können. Sie fordern europäische Regierungen auf, die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, damit Menschen genügend erholsamen Schlaf finden.

„Wir erleben einen perfekten Sturm an Herausforderungen für die Schlafgesundheit in Europa“, sagte die Co-Autorin Fran Pilkington-Cheney, Dozentin für Psychologie und Schlaf an der Nottingham Trent University (NTU), in einer Pressemitteilung.

„Den meisten ist klar, dass Schlaf wichtig ist. Aber nur wenige sehen, wie Faktoren wie Klimawandel, Technologie, Schichtarbeit, das Leben in Städten und Falschinformationen zusammenwirken und unsere Schlafqualität verschlechtern.“

Die Autorinnen und Autoren plädieren deshalb dafür, weg von rein individuellen Strategien zu kommen. Stattdessen brauche es abgestimmtes Handeln auf Systemebene in Politik, Gesundheitswesen, Bildung, Wirtschaft und Umweltplanung, um die größten Hürden für einen guten Schlaf anzugehen.

Zu diesen Herausforderungen zählen laut Studie der Klimawandel und urbane Lebensräume, ungleicher Zugang zu Schlafmedizin, die rasante Verbreitung digitaler Gesundheitstechnologien, Desinformation im Netz sowie eine Kultur ständiger Erreichbarkeit, die echte Ruhezeiten verdrängt.

Klima und Ungleichheit

Unter den vielen Umwelt-, Technik- und Gesellschaftsfaktoren, die Schlaf erschweren, rücken vor allem steigende Temperaturen in den Fokus.

Europa ist der sich weltweit am schnellsten erwärmende Kontinent. Immer heißere Nächte hindern den Körper daran, ausreichend abzukühlen, verzögern das Einschlafen und führen zu häufigeren nächtlichen Wachphasen.

Luftverschmutzung in Städten, Verkehrslärm und künstliches Licht in der Nacht verschärfen das Problem. Klimasorgen und extreme Wetterereignisse belasten zusätzlich die Psyche – und damit auch den Schlaf.

Die Folgen treffen Menschen jedoch nicht gleichermaßen. Wer in schlecht isolierten Wohnungen lebt, sich keine Kühlung leisten kann oder in überfüllten Unterkünften wohnt, hat besonders große Schwierigkeiten, ein angenehmes Schlafklima zu schaffen. Geflüchtete und Vertriebene sind häufig zusätzlicher Hitze, Lärm, künstlichem Licht und fehlender Privatsphäre ausgesetzt.

Auch Technologie stellt eine wachsende Herausforderung dar. Tragbare Geräte und Apps zur Schlafaufzeichnung können zwar helfen, Probleme zu erkennen und erlauben Ärztinnen und Ärzten, Patientinnen und Patienten aus der Ferne zu überwachen – gerade in ländlichen Regionen mit wenig Fachpersonal.

Doch viele dieser Geräte sind nicht präzise genug, um Schlafstörungen sicher zu diagnostizieren. Ihre Daten können sogar unnötige Ängste schüren.

Die Studie beschreibt zudem das Phänomen der „Orthosomnie“ – eine übersteigerte Fixierung darauf, vermeintlich perfekte Schlafwerte zu erreichen.

Die Forschenden warnen außerdem, dass Trends in sozialen Medien wie „Sleepmaxxing“ starre Routinen, nicht belegte Mittel und übermäßige Selbstkontrolle fördern können.

Zugleich verbreiten Online-Influencerinnen und -Influencer sowie KI-Werkzeuge oft irreführende Gesundheitstipps. Für viele wird es dadurch immer schwieriger, wissenschaftliche Fakten von kommerzieller Werbung zu unterscheiden.

Arbeit verstärkt Schlafprobleme

Auch Europas 24-Stunden-Wirtschaft setzt den Schlaf unter Druck.

Schichtarbeitende, Beschäftigte im Gesundheitswesen, im Transportsektor und in unsicheren Jobs haben oft kaum Einfluss auf ihre Arbeitszeiten. Homeoffice und Nachrichten nach Feierabend verwischen zusätzlich die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben.

Der Bericht verweist auf Schätzungen, wonach 21% der Erwerbstätigen in Europa in Schichten arbeiten. Nachtschichten stellen dabei eine besondere Belastung für den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers dar.

Die Forschenden fordern besseren Schutz für Beschäftigte, planbarere Dienstpläne, wirkungsvolle Systeme zum Müdigkeitsmanagement und betriebliche Regeln, die Zeit für Erholung sichern.

„Ohne breit angelegte, koordinierte Maßnahmen werden diese Belastungen in den kommenden Jahren voraussichtlich noch zunehmen“, sagte Pilkington-Cheney.

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