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Gaspreis in Europa steigt erstmals seit 2022 über 100 €: EU warnt vor neuer Krise

Archivbild: Beschäftigte im Enagas-Regasifizierungsterminal, Europas größtem LNG-Werk, in Barcelona, Spanien, am 29. März 2022
Archiv: Mitarbeiter arbeiten im Enagás-Regasifizierungswerk, Europas größter LNG-Anlage, in Barcelona, Spanien, 29. März 2022. -  Copyright  AP Photo/Emilio Morenatti
Copyright AP Photo/Emilio Morenatti
Von Quirino Mealha
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Der europäische Referenzpreis für Gas hat am Mittwoch erstmals seit der Energiekrise 2022 die Marke von 100 Euro je Megawattstunde überschritten. Zuvor hatte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen vor „einer weiteren Energiekrise“ und einem schwierigen Winter gewarnt.

Der Preis des europäischen Referenzvertrags für Erdgas ist am Mittwochnachmittag über 100 Euro pro Megawattstunde gestiegen. Ein solches Niveau hatte er zuletzt im Dezember 2022 erreicht, auf dem Höhepunkt der Energiekrise nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine.

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Der Sprung kam nur wenige Stunden, nachdem EU-Energiekommissar Dan Jørgensen gewarnt hatte, die Union stehe vor einer neuen Energiekrise und einem harten Winter.

Der Frontmonat-Kontrakt am niederländischen TTF, der als Referenz für die Gaspreise in Europa gilt, notierte um 16.00 Uhr MEZ bei 100,37 Euro pro Megawattstunde. Das sind mehr als vier Prozent Plus gegenüber dem Vortag. Vor Beginn des Irankriegs Ende Februar lag der Preis noch bei rund 32 Euro, bleibt damit aber deutlich unter dem Rekord von etwa 340 Euro im August 2022.

„Erneut steht Europa wegen geopolitischer Turbulenzen vor einer Energiekrise“, sagte Jørgensen am Mittwochmorgen vor Journalistinnen und Journalisten in Brüssel nach einem Treffen mit europäischen Ölraffinerien.

„Wir wissen, dass dieser Winter für die Bürgerinnen und Bürger in Europa und für unsere Wirtschaft insgesamt schwierig wird“, so Jørgensen. In der EU würden die Energierechnungen „explodieren“.

Nach Einschätzung der EU-Kommission bleibt der globale Dieselmarkt noch bis weit in das Jahr 2027 hinein angespannt, was die Energiepreise hoch hält. Brüssel drängt deshalb darauf, die Produktion in europäischen Raffinerien zu erhöhen; rund ein Viertel von ihnen ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten vom Netz gegangen.

Gasspeicher hinken hinterher: Winter rückt näher

Die Gasversorgung in Europa ist derzeit angespannt.

Störungen bei den Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) durch den Irankrieg haben Zufuhren aus mehreren Regionen, vor allem aus Katar, weitgehend abgeschnitten. Zugleich ist Europa mit deutlich geringeren Füllständen als üblich in den Sommer gegangen.

Nach Angaben der EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) waren die Gasspeicher der EU am 21. Oktober zu 75 Prozent gefüllt. Üblicherweise peilt die Union bis zum ersten November 90 Prozent an; die Mitgliedstaaten konnten dieses Ziel allerdings flexibler handhaben.

Am Ende des vergangenen Winters waren die Speicher nur zu 28 Prozent gefüllt, im Neunjahresdurchschnitt sind es etwa 40 Prozent. Das Wiederauffüllen verläuft langsam und ist teuer. ACER schätzt, dass der Krieg Europas Rechnung für Gasimporte um 18 bis 33 Milliarden Euro erhöht hat.

Im Sommer gelangte nahezu kein LNG aus Katar in die EU. Die Union stützt sich deshalb immer stärker auf die USA, die mittlerweile rund 30 Prozent ihres Gases liefern, so ACER.

Im Winter konkurriert Europa zudem mit Asien um verfügbare LNG-Ladungen und ist damit weiteren Preisschwankungen ausgesetzt, warnt die Agentur. Der Gasverbrauch liegt allerdings rund 20 Prozent unter dem Niveau vor der Krise von 2022, was die vorhandenen Vorräte länger reichen lässt.

Die EU sucht fieberhaft nach Ausweichlösungen.

Die Union und Kanada loten nach Angaben eines von Euronews eingesehenen Entwurfs für die Abschlusserklärung ihres Gipfels in Montréal am Donnerstag und Freitag ein langfristiges LNG-Abkommen aus.

Auch die EU-Energieminister kommen am Donnerstag zu Beratungen zusammen.

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