Teurer Treibstoff legt Wohnschiff Odyssey in Kambodscha still: 203 Passagiere an Bord müssen ihre Kabinen räumen, die eigentlich eine dreijährige Reise gebucht hatten.
Eine nie endende Kreuzfahrt um die Welt mit Zwischenstopps in mehr als 400 Häfen und einer Weltumrundung alle dreieinhalb Jahre angepriesen. So stand es im Katalog.
Und die Preise ließen Luxus pur vermuten. So kostete eine Dauerkabine auf dem Schiff „Odyssey“ zwischen rund 100.000 und rund 400.00 Euro. Für die 203 Passagiere des Schiffes ist die Weltreise aber nun plötzlich beendet. Das Resie-Unternehmen hat die Fahrt in Kambodscha wegen explodierender Treibstoffkosten gestoppt und die Bewohner aufgefordert, das Schiff zu verlassen.
Die Odyssey, betrieben von der US‑Firma Villa Vie Residences, liegt jetzt im Hafen von Sihanoukville im Süden Kambodschas. Sie ist dort am 23. Oktober zu einem planmäßigen Stopp von fünf Tagen eingelaufen. Eigentlich sollte das Schiff weiter nach Vietnam fahren, doch am Mittwoch lag es noch immer im Hafen. Für die Passagiere, überwiegend US‑Bürger, bedeutet das, ihr schwimmendes Zuhause aufzugeben, ohne zu wissen, wann und wie die Reise weitergeht.
Treibstoffkosten: bis zu 8.000 Dollar pro Kabine und Monat
Das Problem ist vor allem finanzieller Natur. Nach Angaben vom Betreiber ist die monatliche Treibstoffrechnung pro Kabine von einer historischen Durchschnittssumme von rund 1.800 Dollar auf zwischen 6.000 und 8.000 Dollar in einigen Regionen Asiens gestiegen. Das Unternehmen führt den Sprung auf die stark gestiegenen Energiepreise im Zuge des Krieges im Iran zurück.
Die Reederei versuchte, die Kosten zu senken, indem sie die Geschwindigkeit des Schiffes reduzierte und die Liegezeiten in den Häfen verlängerte, um den Verbrauch zu begrenzen. Diese Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um die Preissprünge auszugleichen.
„Wir konnten die daraus entstandenen operativen Verluste nicht länger tragen“, erklärte das Unternehmen. Es betonte, eine vollständige Weitergabe der Mehrkosten an die Bewohner sei keine realistische Lösung. Die Firma prüft nun eine finanzielle Restrukturierung und mögliche neue Kapitalquellen, doch eine konkrete Vereinbarung gibt es noch nicht.
Schwimmendes Zuhause für 203 Menschen
Die Odyssey ist kein klassisches Kreuzfahrtschiff. Das Konzept von Villa Vie Residences sollte ein dauerhaftes Leben auf See ermöglichen und Wohnen an Bord mit einer internationalen Route verbinden. Das Schiff startete im Herbst 2024 und sollte alle sieben Kontinente anlaufen, die Reise war bis November 2027 geplant.
An Bord befanden sich 203 Passagiere aus 15 Ländern, überwiegend US‑Amerikaner, sowie 156 Crewmitglieder. Das Schiff bietet Platz für bis zu 650 Bewohner. Für jene, die ihre Kabine in eine feste Wohnung verwandelt hatten, bedeutet der Stopp in Kambodscha deshalb weit mehr als eine unterbrochene Urlaubsreise.
Das Unternehmen kündigte an, die Bewohner beim Ausstieg zu unterstützen und ihnen bei der Suche nach Übergangsunterkünften zu helfen. Es räumt ein, dass die Unterbrechung große Probleme verursacht. Wie es mit der Weltreise weitergeht, ist offen, und es ist keineswegs sicher, dass die Reederei die Mittel für einen Neustart findet.
Villa Vie Residences hatte außerdem angekündigt, Anfang 2029 ein zweites Wohnschiff in Dienst zu stellen. In der Mitteilung zur Aussetzung der Odyssey bleibt jedoch unklar, wie es mit diesem Vorhaben weitergeht.