Wie Anti-Doping-Tools, Hackerangriffe und heikle persönliche Infos Athleten gefährden, das zeigen die Erkenntnisse vom „Santorini-Gipfel“.
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Kampf gegen Doping war eines der zentralen Themen des dritten Anti-Doping-Gipfels der Länder Mittel- und Osteuropas, der auf der griechischen Ferieninsel Santorini stattfand. An der Tagung nahmen Vertreter der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sowie Delegationen aus 26 Staaten teil.
Neue Technologien gelten als Werkzeuge, die Datenanalysen unterstützen, Kontrollprogramme verbessern und Ermittlungen erleichtern können. Sie verarbeiten große Informationsmengen und eröffnen so zusätzliche Möglichkeiten – aber nicht nur den Organisationen, die gegen Doping kämpfen.
„KI im Anti-Doping – und als Hilfe für Betrüger“
„Künstliche Intelligenz ist natürlich ein neues Werkzeug, das wir alle gerade erst kennenlernen – in allen Lebensbereichen und überall auf der Welt“, sagt gegenüber Euronews Sébastien Gillot, Leiter des Europabüros der WADA. Er ergänzt: „Sie hat enorme Schlagkraft. Sie hilft uns, Trends zu erkennen und Muster, die Regelbrecher nutzen könnten. Sie unterstützt uns bei der Datenanalyse, damit wir unsere Arbeit verbessern, vor allem bei Kontrollen. Wenn diese Instrumente für uns nützlich sind, können sie aber genauso gut von denen genutzt werden, die betrügen. Deshalb müssen wir sehr genau verstehen, wie wir sie einsetzen und sicherstellen, dass sie uns gemeinsam stärker machen“.
Aus Sicht von Dóra Hegyi aus Ungarn, einer Gymnastik-Sportlerin und jetzt stellvertretende Vorsitzende im WADA-Athletenrat, war das Thema besonders spannend: „Die Diskussion über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz war sehr interessant – wie sie Athleten bei ihrer Vorbereitung unterstützen kann und wie sie nationalen Anti-Doping-Organisationen hilft, effizienter und mit weniger Aufwand zu arbeiten, um Doping zu bekämpfen“. Und weiter: „Wir haben ausführlich über die rechtlichen Fragen gesprochen, darüber, wie nationale Anti-Doping-Organisationen KI bereits einsetzen und was Athleten wirklich darüber denken“.
„KI-Suchanfragen von Athleten können gegen sie wirken“
Zur rechtlichen Dimension erklärt die AnwältinPenny Konitsioti, zugleich stellvertretende Vorsitzende des Disziplinarausschusses der griechischen Nationalen Anti-Doping-Organisation: „Wenn ein Athlet eine Plattform nutzt und dort nach Informationen zu seiner Gesundheit oder zu Doping fragt, muss ihm das von Anfang an bewusst sein. Auf der Plattform und in den Nutzungsbedingungen sollte klar und knapp – nicht im ‚Kleingedruckten‘ – erklärt werden, dass diese Informationen später in einem Gerichtsverfahren gegen ihn verwendet werden können“.
Penny Konitsioti betont außerdem, dass Künstliche Intelligenz als Unterstützung für die zuständigen Stellen gedacht ist – etwa bei der Sammlung von Beweismitteln in einem Verfahren oder als Hilfsmittel für Sportgerichte. Sie dürfe aber keinesfalls die vorgeschriebenen Abläufe oder die menschliche Beurteilung ersetzen.
Schutz persönlicher Daten bleibt zentral
Alle Beteiligten waren sich einig, dass technologische Entwicklungen klare Garantien brauchen. Deshalb fordern sie, dass in Disziplinarverfahren stets eine menschliche Aufsicht bleibt, dass der Einsatz neuer Werkzeuge transparent erfolgt.
„Wenn Vertrauen ‚aufgebaut wird‘ und KI-Systeme gemeinsam mit den Athleten entwickelt werden – und nicht nur für sie –, können diese Systeme funktionieren. Dann tragen sie in künftigen Programmen zur wirksamen Bekämpfung von Doping bei“, sagt Dóra Hegyi.
Der Einsatz moderner digitaler Systeme im Anti-Doping-Bereich eröffnet neue Möglichkeiten, erhöht aber auch die Ansprüche an den Umgang mit sensiblen Informationen. Auf dem Gipfel hieß es, technologische Anwendungen müssten in einem klaren Rahmen zum Schutz personenbezogener Daten arbeiten.
Transparenz, Datensicherheit und menschliche Kontrolle
Wie bereits betont, gelten Transparenz, Datensicherheit und menschliche Kontrolle als Voraussetzung dafür, dass das Kontrollsystem Vertrauen genießt. Zugleich ging es um Änderungen bei den Ausnahmegenehmigungen für therapeutische Zwecke (TUE) und bei den Verfahren zur Ergebnisbearbeitung.
Ziel der weltweiten Anti-Doping-Gemeinschaft, so der Tenor des Treffens auf Santorini, ist die Anwendung verlässlicher und einheitlicher Verfahren – im Einklang mit internationalen Regeln und unter Wahrung der Rechte der Athleten.