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Schutz für Kampfjets: Neue Täuschkörper sollen NATO-Luftraum sichern

Leonardo präsentiert modernes modulares System für elektrooptische Überwachung, Zielerfassung und Aufklärung.
Modulares Spitzensystem von Leonardo für elektrooptische Überwachung (EO), Zielerfassung (STA) und Aufklärung -  Copyright  © Leonardo S.p.A. and subsidiaries.
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Von Stefania De Michele
Zuerst veröffentlicht am
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Feindliche Radarsysteme sollen getäuscht, Boden-Luft-Raketen umgangen, eigene Kampfjets geschützt werden. Italien will den Ausbau der Luftverteidigung beschleunigen und die Waffenproduktion hochfahren.

Um eigene Kampfjets besser vor moderner Luftabwehr zu schützen, plant der US-Rüstungskonzern Raytheon den Neustart seines MALD-Programms. Bei diesen Systemen handelt es sich um fliegende Täuschkörper, die feindliche Radaranlagen ablenken, indem sie echte Militärflugzeuge imitieren. Mit der Produktion dieser Technologie will das Unternehmen die stark steigende Nachfrage der USA und der NATO-Partner bedienen.

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Raytheon, ein US-Unternehmen aus der RTX-Gruppe mit Schwerpunkt auf Militärtechnologie und Raketensystemen, plant daher den Neustart des sogenannten MALD-Programms (Miniature Air-Launched Decoy).

Dabei handelt es sich um aus der Luft abgesetzte Täuschkörper, die feindliche Radare verwirren und das Risiko für alliierte Flugzeuge senken sollen. Raytheon will damit die Nachfrage der USA und der NATO-Partner decken. Erste Lieferungen könnten nach Vergabe eines Vertrags innerhalb von etwa zwei Jahren beginnen.

Luftverteidigung: Fähigkeit zum Eindringen in gegnerischen Luftraum

Der sogenannte MALD ist kein Abfangsystem. Er schießt weder Raketen noch Drohnen ab. Seine Rolle ist ergänzend. Er soll gegnerische Radarsysteme täuschen und die Arbeit feindlicher Flugabwehrbatterien erschweren.

Das System imitiert die Radarsignatur eines US- oder eines anderen alliierten Militärflugzeugs. So lenkt es den Gegner auf ein Scheinziel. Es kann dadurch Feuer der Luftabwehr auf sich ziehen und das Risiko für Kampfjets, unbemannte Flugzeuge und Präzisionsmunition verringern, die auf geschützte Ziele zulaufen.

Eine Variante, der MALD-J, verfügt zusätzlich über elektronische Störfunktionen, die feindliche Radare beeinträchtigen. Solche Technologien kommen in Operationen zum Einsatz, die integrierte Luftverteidigung ausschalten oder schwächen sollen. Für den Gegner wird es dadurch deutlich schwerer, echte Ziele zu finden und anzugreifen.

Nach Angaben von Raytheon erreicht der MALD eine Reichweite von rund 500 Seemeilen, also 926 Kilometern, und wiegt weniger als 136 Kilogramm. Er ist dafür ausgelegt, in unmittelbarer Nähe zu Bedrohungen zu operieren. So schafft er Handlungsspielräume für andere militärische Plattformen, ohne sie dem gleichen Risiko auszusetzen.

Industriepriorität: mehr und schneller produzieren

Der Neustart des Programms steht im Zusammenhang mit einer größeren Frage: Sind genügend Waffen in passenden Stückzahlen verfügbar? Hochmoderne Systeme allein reichen nicht aus, wenn die Bestände für längere Einsätze zu klein sind. Täuschkörper, die man bewusst opfert, können gegnerische Luftverteidigung unter Druck setzen. Sie zwingen den Feind, Sensoren und Munition auf Ziele zu verschwenden, die keine echten Flugzeuge sind.

Raytheon betont, die Produktion rasch wieder hochfahren zu können. Die wichtigsten Anlagen für Montage und Tests stehen noch zur Verfügung, und das Programm läuft weiter, um die bereits im Dienst befindlichen Systeme zu unterstützen. Zudem verfügt der Konzern über Ingenieure und Techniker, die seit mehr als 20 Jahren am MALD arbeiten.

Die erste Produktionsphase ist in Tucson im US-Bundesstaat Arizona geplant. Das Unternehmen prüft außerdem eine zweite Fertigungslinie in Europa. Sie hängt von den erforderlichen Genehmigungen ab und soll langfristig die Nachfrage decken und europäische Zulieferer einbinden.

Zu den Ansätzen, mit denen Raytheon die Produktion beschleunigen will, gehört der Einsatz additiver Fertigung. Dabei entstehen Bauteile in industriellen Verfahren, die der 3D-Drucktechnik ähneln. Außerdem plant das Unternehmen, anfangs bereits erprobte Antriebe zu nutzen, um die Wiederaufnahme der Fertigung zeitlich zu verkürzen.

Die Aussicht auf eine europäische Fertigungslinie bedeutet jedoch weder, dass bereits in Italien investiert wird, noch dass es schon einen konkreten Auftrag gibt. Noch ist offen, welche Staaten und Unternehmen Teil der Lieferkette werden und welche Verträge am Ende tatsächlich zustande kommen.

Italienische Technologien

Italien verfügt bereits über umfangreiche Fähigkeiten in der elektronischen Kriegsführung. Der Technologiekonzern Leonardo entwickelt Systeme, die Radare täuschen und die Gefährdung von Flugzeugen verringern sollen. Dazu zählt BriteCloud, eine vom Flugzeug abgeworfene elektronische Gegenmaßnahme, die die Radarsuchköpfe heranfliegender Raketen irritiert. BriteStorm wiederum ist dafür ausgelegt, gegnerische Radare von Plattformen wie Drohnen aus zu stören.

Diese Systeme erfüllen andere Aufgaben als der US-amerikanische MALD, der primär die Präsenz von Flugzeugen simuliert und gegnerische Luftabwehr auf sich ziehen soll. Es handelt sich um komplementäre Technologien. Sie machen deutlich, dass der Schutz des Luftraums nicht nur von der Abfangfähigkeit gegen Raketen und Drohnen abhängt, sondern auch davon, feindliche Systeme zu täuschen und zu verwirren.

Luftverteidigung und Rüstungsindustrie

Der Ausbau der Luftverteidigung gilt in Rom bereits als erklärtes Schwerpunktziel. Im März 2026 forderte Verteidigungsminister Guido Crosetto die nationale Industrie auf, die militärische Produktion zu beschleunigen. Zu den dringendsten Bedürfnissen zählte er ausdrücklich die Verbesserung der Luftverteidigungsfähigkeiten.

Parallel dazu beteiligt sich Italien an NATO-Missionen zur Überwachung und Sicherung des alliierten Luftraums. Das Land stellt Kampfjets und Personal in mehreren Staaten. Der Schutz des europäischen Himmels verlangt ein abgestimmtes Zusammenspiel aus Jagdflugzeugen, boden- und seegestützter Luftabwehr, Fähigkeiten zur Abwehr von Drohnen sowie Mitteln der elektronischen Kriegsführung.

In diesem Kontext könnte ein System wie der MALD für Alliierte besonders interessant werden. Er ersetzt keine Abfangsysteme, die Bedrohungen direkt ausschalten, sondern verringert die Wirksamkeit gegnerischer Luftverteidigung und schützt die teuersten und strategisch wichtigsten Einsatzmittel.

Nach dem bisherigen Raytheon-Bericht hat Italien den MALD noch nicht bestellt. Eine mögliche Beschaffung und die Integration in nationale Flugzeuge würden gesonderte politische Entscheidungen und technische Prüfungen erfordern.

Raytheon beschreibt dieses Konzept als affordable mass: relativ günstige, verzichtbare Systeme, die sich in großen Stückzahlen herstellen lassen. Sie sollen hochentwickelte Plattformen ergänzen, ohne ausschließlich teure Ressourcen zu verbrauchen.

Das Prinzip adressiert ein strategisches Problem für die USA und ihre europäischen Verbündeten. Sie müssen handlungsfähig bleiben, auch wenn der Gegner über dichte Luftverteidigung und große Bestände an Abfangraketen verfügt.

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