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Todesfalle Zugspitze - Er (21) steigt ab und überlässt seine Freundin (17) der Kälte

Der Gipfel der Zugspitze - Archivbild
Der Gipfel der Zugspitze - Archivbild -  Copyright  AP Photo
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Von Kirsten Ripper & Euronews mit STANDARD, BR, SPIEGEL
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Die beiden jungen deutschen Bergsteiger waren nachts um 01:30 Uhr aufgebrochen. Als die 17-Jährige in Schnee und Kälte nicht mehr weiterkam, ließ ihr Freund (21) sie allein auf 2.500 Metern im Stich.

Die Polizei Tirol ermittelt gegen einen 21-jährigen aus Bayern, der seine 17-jährige Freundin mitten in der Nacht bei Eis und Schnee an der Zugspitze zurückgelassen hat.

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Offenbar um den Sonnenaufgang in den Bergen zu genießen, war das Bergsteiger-Paar am 1. November um 1 Uhr 30 von Ehrwald in Österreich aufgebrochen. Wie der STANDARD berichtet, wollten sie über den Stopselzieher-Klettersteig - der mit Kategorie A/B als "leicht" eingestuft wird - auf den Gipfel von Deutschlands höchstem Berg.

Diese Kletterroute über den Stopselzieher führt von der - seit Anfang Oktober geschlossenen - Wiener Neustädter Hütte, die auf 2.200 Metern Höhe liegt, steil nach oben. Was bei schönem Wetter im Sommer für durchtrainierte junge Alpinisten leicht machbar erscheint, sieht bei starkem Schneefall ganz anders aus.

Ab etwa 2.500 Metern Höhe lag der Schnee etwa kniehoch. Die beiden kamen bei minus 12 Grad nicht mehr weiter.

Was dann geschah, erinnert an den Fall am Großglockner, der im Februar 2026 Schlagzeilen machte und für Diskussionen sorgte. Dabei war eine 33-Jährige erfroren, nachdem ihr Freund sie am Berg zurückgelassen hatte.

Warum ließ der 21-Jährige die Freundin zurück?

Eigentlich gilt unter Bergsteigern die Regel, sich bei einem Notfall am Berg gegenseitig zu helfen und auf jeden Fall zusammenzubleiben, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Doch die 17-jährige aus Baden-Württemberg blieb allein unterhalb des Zugspitz-Gipfels zurück, weil ihr Begleiter allein ins Tal abstieg. Sie setzte einen Notruf ab.

Sieben Bergretter aus Ehrwald machten sich laut STANDARD auf den Weg von der Bergstation der Zugspitzbahn talwärts. Denn zunächst erschien der Einsatz eines Rettungshubschraubers wegen des schlechten Wetters unmöglich. Dann konnte die Jugendliche aber doch noch mit dem Polizeihelikopter geborgen und ins Klinikum Garmisch gebracht werden.

Zum Glück blieb die 17-Jährige unverletzt und konnte das Krankenhaus nach einer Untersuchung gleich wieder verlassen.

Ein weiterer Fall von "Alpine Divorce"?

Bergretter in den Alpen müssen immer wieder ausrücken und oft sogar ihr eigenes Leben in Gefahr bringen, weil Touristen, Ausflügler und auch erfahrene Alpinisten Risiken unterschätzen. So war es auch bei dem jungen Deutschen, den seine beiden Kameraden am Wochende zuvor am Königsjodler auf 2.600 Metern im Schneetreiben zurückgelassen hatten.

Doch wie beim Tod der 33-jährigen Kerstin G. am Großglockner hat an der Zugspitze wieder einmal ein Mann eine Frau am Berg im Stich gelassen. Dieses Phänomen wird auch als "Alpine Divorce" ("Scheidung in den Alpen") bezeichnet.

Nach dem Urteil zum Fall am Großglockner erzählten viele Frauen auf Social Media, dass sie von ihren Partnern auf Wanderungen zurückgelassen wurden.

In der Kurzgeschichte "An Alpine Divorce" von Robert Barr aus dem Jahr 1893 geht es um einen Mann, der seine Frau ermorden will. Doch wie Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) dem Bayerischen Rundfunk (BR24) erklärt, geht es heute meist um Leistungsunterschiede zwischen Frauen und Männern. Er sagt: "Da mangelt es dann nicht selten der stärkeren Person an Empathie für die schwächere Person. Denn man selbst hat ja kein Problem, ist fit. Freut sich zum Beispiel schon auf den Gipfel."

Und die Soziologin Gitta Axmann untersucht, inwieweit Bergsteigen männlich geprägt ist. "Wie wird man sozialisiert als Mann oder als Frau, wer ist risikobereiter, wer ist eher umsichtiger oder vorsichtiger in den Entscheidungen? Daraus resultiert dann auch, wer führt und wer nicht", so Axmann.

Wie die Landespolizeidirektion Tirol dem SPIEGEL bestätigt hat, wird "wegen des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit" jetzt gegen den jungen Mann aus Bayern ermittelt.

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