Der Großteil der Deutschen kann sich wegen hoher Energiepreise weniger leisten. Doch mit einfachen Maßnahmen beim Heizen, Autofahren und Stromverbrauch lassen sich jährlich mehrere Hundert Euro sparen.
Der finanzielle Druck auf die Deutschen ist groß: 66 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich wegen der gestiegenen Energiepreise im vergangenen Jahr deutlich weniger leisten können. Das zeigt die aktuelle Klimabefragung der Europäischen Investitionsbank (EIB). Damit liegt Deutschland über dem EU-weiten Durchschnitt von 60 Prozent.
Das zeigt sich insbesondere im Alltag: 42 Prozent der Deutschen haben wegen der gestiegenen Energiepreise die Heizung heruntergedreht, 40 Prozent sparen bei Ausgaben für Lebensmittel oder Gesundheit.
Beim Autofahren sind die Einschnitte erheblich: 44 Prozent haben notwendige Fahrten eingeschränkt, etwa zum Einkaufen, zu Arztterminen oder zu Behörden. Im EU-Durchschnitt liegt dieser Anteil bei 31 Prozent. Weitere 28 Prozent fahren inzwischen langsamer, um Kraftstoff zu sparen.
EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer warnt vor den Folgen: "Hohe Energiepreise sind für Millionen Menschen eine enorme Belastung. Sie schmälern die Kaufkraft und zwingen Haushalte, selbst bei alltäglichen Ausgaben zu sparen", so die Bild-Zeitung.
Europa müsse seine Energieversorgung deshalb "unabhängiger, sicherer und bezahlbarer machen", fordert Beer demnach. Dafür seien Investitionen in europäische Energiequellen, leistungsfähige Netze und moderne Technologien notwendig.
Doch auch im Kleinen lässt sich Geld sparen. Wie viel bringen ein geringeres Autobahntempo, kürzere Duschzeiten oder eine niedrigere Raumtemperatur tatsächlich?
Heizung: Jedes Grad weniger senkt den Verbrauch
Auch in den eigenen vier Wänden gibt es Einsparpotenzial. Die Verbraucherzentrale empfiehlt verschiedene Maßnahmen, mit denen Haushalte ihre Heizkosten senken können.
Bereits eine kleine Veränderung der Raumtemperatur macht sich bemerkbar: Jedes Grad weniger senkt den Heizenergieverbrauch um etwa sechs Prozent. Besonders in wenig genutzten Räumen lässt sich so Energie sparen. Allerdings sollte die Temperatur dort nicht dauerhaft unter 16 Grad fallen, um Feuchtigkeit und Schimmelbildung zu vermeiden.
Zudem hilft richtiges Lüften: Statt Fenster über längere Zeit gekippt zu lassen, empfiehlt sich regelmäßiges kurzes Stoß- oder Querlüften. Dadurch wird feuchte Raumluft ausgetauscht, ohne dass unnötig viel Wärme verloren geht.
Ein weiterer Ansatzpunkt ist der Warmwasserverbrauch. Ein Sparduschkopf reduziert den Wasser- und Energiebedarf. Laut Umweltbundesamt können dadurch zwischen 100 und 200 Euro Warmwasserkosten pro Person und Jahr eingespart werden.
Wichtig ist außerdem, die Heizung im Winter nicht vollständig auszuschalten. Ausreichendes Heizen und regelmäßiges Lüften helfen, Schimmelbildung zu verhindern. Bei Frost sollten zudem die Heizungsrohre vor dem Einfrieren geschützt werden.
Autofahren: Langsamer fahren spart mehrere Hundert Euro
Wer auf der Autobahn langsamer fährt, kann seinen Kraftstoffverbrauch deutlich reduzieren. Nach Angaben des deutschen Umweltbundesamtes spart ein Auto bei Tempo 100 statt 120 km/h auf derselben Strecke rund 15 Prozent Kraftstoff.
Ein Rechenbeispiel: Verbraucht ein Benziner bei Tempo 120 rund 8 Liter auf 100 Kilometer, sind es bei Tempo 100 rechnerisch nur noch 6,8 Liter. Bei einem angenommenen Benzinpreis von 2,11 Euro pro Liter entspricht das einer Ersparnis von rund 2,53 Euro auf 100 Kilometer.
Wer jährlich 5.000 Autobahnkilometer mit Tempo 100 statt 120 zurücklegt, könnte in dieser Modellrechnung rund 127 Euro sparen.
Wie hoch die tatsächliche Ersparnis ausfällt, hängt unter anderem vom Fahrzeug, der Fahrweise und den Verkehrsbedingungen ab.
Strom sparen: Diese Geräte treiben die Rechnung nach oben
Nicht nur Heizung und Auto belasten das Budget. Auch der Stromverbrauch im Haushalt bietet Einsparmöglichkeiten.
Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass sich mit einfachen Verhaltensänderungen bereits viel Strom sparen lässt. Besonders ins Gewicht fallen Geräte für Kommunikation und Unterhaltung. Fernseher, Computer und Spielekonsolen machen durchschnittlich fast ein Drittel des Stromverbrauchs eines Haushalts aus.
Ein häufiger Fehler: Elektrogeräte verbrauchen teilweise selbst dann Strom, wenn sie vermeintlich ausgeschaltet sind. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, Stand-by-Funktionen möglichst zu vermeiden und ungenutzte Geräte vollständig vom Stromnetz zu trennen. Eine schaltbare Steckdosenleiste kann dabei helfen.
Weitere Einsparungen sind bei der Beleuchtung möglich: LED-Lampen verbrauchen laut Verbraucherzentrale bis zu 90 Prozent weniger Strom als herkömmliche Glüh- und Halogenlampen.