Die Straße von Hormus bleibt ein Risikofaktor, Öl und Gas sind teuer. Bei ihrem Treffen in Luxemburg blieben die Energieminister ohne konkrete Entscheidungen.
Die Gasspeicher in der EU waren am 20. Oktober zu 74 Prozent gefüllt. Das ist der niedrigste Stand seit 2011. Die Europäische Kommission sieht derzeit kein akutes Versorgungsrisiko, räumt aber ein, dass die Preiskrise in eine Versorgungskrise umschlagen könnte.
Die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasaufkommens läuft, ist seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran Ende Februar stark beeinträchtigt. Der Brent-Preis stieg zeitweise auf mehr als 110 Dollar je Barrel. Die Gaspreise haben sich seit Kriegsbeginn um etwa 140 Prozent erhöht und liegen erstmals seit 2022 wieder über 100 Euro pro Megawattstunde.
Bei ihrem Treffen in Luxemburg am 29. Oktober diskutierten die EU-Energieminister vier Maßnahmenpakete: freiwillige Verbrauchsreduzierungen, ein niedrigeres Speicherziel von 80 statt 90 Prozent, mehr Flüssigerdgas und gemeinsame Beschaffung sowie Schritte zur Senkung der Rechnungen. Dazu gehört unter anderem der Einbau intelligenter Zähler in der Hälfte aller Haushalte bis 2030.
Das Treffen blieb jedoch eine Debatte. Entscheidungen fielen keine, konkrete Sparziele wurden nicht festgelegt.
Die Hauptstädte sind bei einer gemeinsamen Gasbeschaffung und bei Energiesteuern gespalten. Eine Einigung über die Netzentgelte wird frühestens im Dezember erwartet.
Nach Einschätzung der Kommission ist die EU widerstandsfähiger als vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Dennoch ist sie nicht auf der sicheren Seite: Die Speicher liegen deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt, und ein längerer Kälteeinbruch oder Lieferausfälle könnten den Druck erhöhen.
Europa könnte nach aktuellen Einschätzungen dennoch genug Gas haben, um durch den Winter zu kommen. Offen bleibt, wer die Rechnung für die hohen Preise und zusätzlichen Importe zahlt.