Brent-Öl fällt am Mittwoch erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar unter 74 Dollar je Barrel, weil Anleger den geopolitischen Risikoaufschlag abbauen.
Die Ölpreise geben weiter nach. Die internationale Referenzsorte Brent fiel am Mittwochnachmittag zeitweise unter 74 Dollar je Barrel. Seit Mittag notiert sie erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar unter 75 Dollar.
Mehr Tankerverkehr durch die Straße von Hormus und Fortschritte in den US-iranischen Friedensgesprächen stärken das Vertrauen der Anleger. Doch Streit über Atominspektionen und Sanktionen ist weiter ungelöst, was Zweifel an der Dauerhaftigkeit einer Vereinbarung nährt.
Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erholt sich nach monatelangen Störungen schrittweise. Er liegt aber weiterhin unter dem Vorkriegsniveau, wie Analysten berichten.
Vor Ausbruch des Konflikts passierten täglich rund 125 bis 140 Schiffe die Meerenge, darunter Tanker mit etwa 20 Millionen Barrel Öl und Ölprodukten. Das entsprach ungefähr einem Viertel des weltweiten Seehandels mit Öl.
Als Zeichen der Erholung der Energieexporte aus dem Golf meldete die Internationale Energieagentur, dass die Ölausfuhren der Vereinigten Arabischen Emirate Anfang Juni wieder fast 85 % des Vorkriegsniveaus erreichten. Sie lagen bei rund 4,3 Millionen Barrel pro Tag, nach 1,9 Millionen Barrel im März.
Nach Angaben von Reuters kalkulieren Händler zudem zunehmend damit, dass iranische Rohölausfuhren dank einer befristeten Aussetzung der Sanktionen und Fortschritten im Friedensprozess stärker auf den Markt zurückkehren. Analysten sehen darin einen zusätzlichen Druckfaktor für die Ölpreise, über den Effekt des gestiegenen Tankerverkehrs hinaus.
Die Ölpreise liegen inzwischen fast 40 % unter ihren Kriegshöchstständen. Brent hatte in der Spitze rund 118 Dollar je Barrel erreicht.
Brent-Terminkontrakte zur Lieferung im Folgemonat wurden in den vergangenen Tagen unter 80 Dollar je Barrel gehandelt, liegen aber weiterhin über dem Niveau von 72,48 Dollar, das am Tag vor Kriegsbeginn verzeichnet wurde.
Die US-Referenzsorte WTI fiel am Mittwochnachmittag auf 70,36 Dollar je Barrel. Vor Beginn des Kriegs lag sie bei rund 67 Dollar.
Trump nimmt US-Spritpreise ins Visier
US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwochmorgen an, das Justizministerium solle Ölkonzerne wegen Wucherpreisen untersuchen.
Auf sozialen Medien erklärte Trump, die Benzinpreise spiegelten den Rückgang der Ölpreise nicht wider, und er habe das Justizministerium angewiesen, „sofort Ermittlungen aufzunehmen“.
Nach dem vorläufigen Abkommen mit Iran sind die US-Ölpreise zurückgegangen. Laut dem Automobilverband AAA kostet eine Gallone Benzin im Schnitt 3,93 Dollar. Die Preise an der Zapfsäule sind im vergangenen Monat gefallen, jedoch nicht so deutlich, wie Trump es fordert.
„Mit anderen Worten: Die Kunden werden abgezockt“, schrieb Trump. „Ich habe das Justizministerium angewiesen, sich das sofort anzusehen. Die Benzinpreise müssen deutlich schneller sinken, als ich es derzeit beobachte!“
Goldpreis fällt unter 4.000 Dollar: Märkte blicken auf Inflation und Zinsen
Der Goldpreis rutschte am Mittwoch erstmals seit November 2025 unter die wichtige Marke von 4.000 Dollar je Feinunze. Ein stärkerer US-Dollar und die Erwartung steigender Zinsen dämpften die Nachfrage nach dem Edelmetall.
Der Dollar legte zu und verteuerte Gold für Käufer aus anderen Währungsräumen. Zugleich erhöhten Anleger ihre Wetten auf weitere US-Zinsschritte, nachdem die US-Notenbank bei ihrer jüngsten Sitzung einen strafferen Kurs signalisierte.
Die Federal Reserve hat angedeutet, dass sie den Leitzins bis Jahresende mindestens ein weiteres Mal anheben könnte. An der Wall Street sehen Händler nach Daten des CME-Group-Terminmarkts derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 85 %, dass die Zentralbank in diesem Jahr ihren Referenzzinssatz erhöht. Eine Woche zuvor lag die Quote noch bei 60 %.
Anleger warten außerdem auf die Veröffentlichung des Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) am Donnerstag, dem bevorzugten Inflationsmaß der Fed. Sie hoffen auf neue Hinweise zum weiteren Kurs der Geldpolitik.
Die Renditen am Anleihemarkt blieben erhöht, da Investoren die möglichen Inflationsfolgen höherer Energiepreise abschätzen. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe lag am Mittwochmorgen bei 4,48 %.
In Europa zeigten sich die Börsen am Nachmittag uneinheitlich. Der britische Leitindex FTSE 100 bewegte sich kaum. Der deutsche DAX gab 1,1 % nach, während der französische CAC 40 um 0,4 % zulegte.