Deutschland entwickelt, Polen produziert, Südkorea liefert das Fahrgestell: Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris haben die Flensburger FFG und Hyundai Rotem einen Vertrag über die Entwicklung neuer Bergepanzer für die polnischen Streitkräfte geschlossen.
Vor dem Hintergrund einer angespannten geopolitischen Lage rücken Südkorea, Deutschland und Polen rüstungspolitisch enger zusammen. Am Rande der internationalen Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris (15. bis 19. Juni) haben der südkoreanische Panzerhersteller Hyundai Rotem und die deutsche FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Gemeinsam sollen sie Bergepanzer für die polnischen Streitkräfte entwickeln und produzieren.
Flensburger Know-how auf koreanischem Fahrgestell
Wie das polnische Fachportal Portal Obronny berichtet, basiert der neue Bergepanzer auf dem Fahrgestell des K2 Black Panther – jenem südkoreanischen Kampfpanzer, den Polen seit 2022 in großer Stückzahl beschafft. Das neue Fahrzeug trägt die Bezeichnung K2PL ARV (Armored Recovery Vehicle).
Die Entscheidung, FFG als deutschen Partner einzubinden, begründet sich laut Portal Obronny mit der langjährigen Erfahrung des Flensburger Unternehmens im Bau schwerer Kettenfahrzeuge. Viele Komponenten stammen aus dem bewährten WiSENT 2 – dem auf dem Leopard-2-Fahrgestell basierenden Bergepanzer, den unter anderem Deutschland und Kanada einsetzen. Das Flensburger Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitarbeitende.
Klare Aufgabenteilung: Entwicklung in Deutschland, Fertigung in Polen
FFG übernimmt im Rahmen der Kooperation die Projektentwicklung sowie die Lieferung von 31 Bergepanzern, wie das Rüstungsmagazin Hartpunkt berichtet. Zum Technologiepaket gehören demnach eine Hauptwinde mit 40 Tonnen Zugkraft im Einfachzug, eine Hilfswinde, ein Hydraulikkran mit einer maximalen Tragkraft von 32 Tonnen, ein Räumschild sowie ein spezialisiertes Gefechtsfeldbergesystem.
Der südkoreanische Panzerbauer Hyundai Rotem bleibt dabei Hauptauftragnehmer des Gesamtprogramms. FFG integriert die Ausrüstung in das Fahrgestell und bereitet einen Prototypen vor, wie Portal Obronny unter Berufung auf einen anonymen Vertreter des koreanischen Unternehmens berichtet. Die Serienproduktion soll anschließend in Polen stattfinden. Hauptverantwortlich ist laut Focus das Werk Bumar-Łabędy im schlesischen Gleiwitz (poln. Gliwice), das auch für die technische Unterstützung zuständig sein wird.
Ursprünglich sollte die Entwicklung des Bergepanzers von einem polnischen Unternehmen übernommen werden. Laut Medienberichten scheiterte das jedoch an Zeitproblemen: Die vom polnischen Auftragnehmer vorgeschlagenen Fertigstellungstermine hätten eine rechtzeitige Lieferung an die polnischen Streitkräfte nicht gewährleistet.
Technische Daten des Bergepanzers
Das K2PL ARV (Armored Recovery Vehicle) wird laut den von Portal Obronny veröffentlichten technischen Angaben 9 Meter lang, 3,6 Meter breit und 3,4 Meter hoch sein.
Das Kampfgewicht beträgt 61,5 Tonnen, die Besatzung umfasst drei Soldaten. Zur Selbstverteidigung ist ein ferngesteuertes Waffenmodul sowie je zwei Sätze Rauchgranatenwerfer vorgesehen.
81 Unterstützungspanzer bis 2031
Das Gesamtprogramm umfasst laut Fachmagazin Hartpunkt insgesamt 81 Unterstützungsfahrzeuge auf K2PL-Basis: 31 Bergepanzer (K2PL ARV), 25 Pionierpanzer sowie 25 Brückenlegepanzer. Die Auslieferungen sind für den Zeitraum 2029 bis 2031 vorgesehen und sollen zeitlich mit den Lieferungen der K2PL-Kampfpanzer koordiniert werden.
Polen baut seine Panzertruppe massiv aus
Der Vertrag fügt sich in Polens schrittweise aufgebaute Rüstungskooperation mit Südkorea ein. Den Ausgangspunkt bildete 2022 ein Rahmenvertrag über die Lieferung von 180 K2-Kampfpanzern direkt aus südkoreanischer Produktion – die ersten zehn Exemplare wurden noch im selben Jahr übergeben, wie mehrere Portaleberichten.
2023 folgte eine Kooperationsvereinbarung zwischen Hyundai Rotem und dem polnischen Verteidigungsministerium über die Lizenzfertigung von bis zu 820 Panzern des Typs K2PL in Polen. Bestandteil dieser Vereinbarung war auch die Produktion von Unterstützungsfahrzeugen – zu denen nun der K2PL ARV zählt. Insgesamt plant Polen die Beschaffung von bis zu 1.000 Kampfpanzern des Typs K2.
Den politischen Rahmen dieser Zusammenarbeit bekräftigten Polens Ministerpräsident Donald Tusk und Südkoreas Präsident Lee Jae-myung im April 2026 beim ersten Besuch eines polnischen Regierungschefs in Seoul seit 27 Jahren. Tusk bezeichnete Südkorea dabei als Polens "wichtigsten Verbündeten nach den Vereinigten Staaten, insbesondere im Bereich der Verteidigungsindustrie", wie Euronews berichtete. Das bilaterale Rüstungsabkommen, das der Zusammenarbeit zugrunde liegt, hat ein Volumen von 44,2 Milliarden Dollar (entspricht rund 38 Milliarden Euro).
Die Dimension von Polens militärischem Aufbau verdeutlicht eine Zahl: Bis 2030 wird Polen mehr Kampfpanzer besitzen als Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien zusammen. Warschau gab 2025 nach NATO-Schätzungen 4,48 Prozent seines BIP für Verteidigung aus – mehr als doppelt so viel wie die frühere Zielmarke und der höchste Wert im Bündnis, noch vor den Vereinigten Staaten mit 3,22 Prozent.