Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Europa: rote Hitzewarnungen, Rekordhitze in Frankreich, 40 Tote durch Ertrinken

In Paris kühlen sich Menschen im Canal Saint-Martin ab. Der Wetterdienst Météo-France verhängt für 54 Départements die rote Hitzewarnstufe am 23. Juni 2026.
In Paris kühlen sich Menschen im Canal Saint-Martin ab; Meteo France setzt 54 Départements auf rote Hitzewarnstufe, 23. Juni 2026. Copyright  AP Photo/Christophe Ena
Copyright AP Photo/Christophe Ena
Von Angela Symons mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Durch den beschleunigten Klimawandel häufen sich extreme Wetterereignisse weltweit und richten immer größere Schäden an, von Hitze bis zu Fluten.

Die frühe Hitzewelle in Europa richtet weiter schwere Schäden an. Die Temperaturen klettern auf neue Höchstwerte, rote Warnstufen breiten sich über den Kontinent aus.

WERBUNG
WERBUNG

Gestern erlebte Frankreich den heißesten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Folge waren Stromausfälle und tragische Todesfälle.

In Großbritannien bleiben Hunderte Schulen geschlossen, aus Sorge, dass Schülerinnen und Schüler in überhitzten Gebäuden nicht sicher sind.

Italien hat für 16 Städte Hitzewarnungen der höchsten Stufe ausgerufen. In Spanien gibt es dagegen vorsichtige Entwarnung, die Hitzewelle lässt langsam nach.

Extremwetter verschärft sich mit fortschreitender Erderwärmung

Die extremen Temperaturen hängen mit einer sogenannten „Hitzekuppel“ zusammen, die heiße Luft über großen Teilen Europas festhält.

Der menschengemachte Klimawandel verstärkt die aktuelle Hitzewelle um bis zu vier Grad Celsius, so eine Analyse von Climameter (Quelle auf Englisch). Paris ist derzeit rund 2,4 Grad wärmer, Mailand 3,8 Grad und Saragossa vier Grad.

Europa erwärmt sich weltweit am schnellsten. Seit den 1980er-Jahren steigen hier die Temperaturen doppelt so stark wie im globalen Mittel, berichtet der Copernicus-Klimawandeldienst der EU.

„Der vom Menschen verursachte Klimawandel macht diese Hitzewelle außergewöhnlich“, sagt Emma Holmberg von der Universität Bern in der Schweiz, die an dem Bericht mitgearbeitet hat. „Schon im Juni sehen wir gefährliche Hitzeniveaus. Das setzt die Infrastruktur und die Menschen massiv unter Stress.“

In den vergangenen vier Jahren sind in Europa mehr als 200.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben. Die meisten dieser Todesfälle wären vermeidbar gewesen, erklärte das Europabüro der Weltgesundheitsorganisation in diesem Monat.

In Westeuropa nehmen extreme Hitzeereignisse bereits schneller (Quelle auf Englisch) zu, als Klimamodelle vorhergesagt hatten. Jüngste Studien kommen zu dem Schluss, dass der Mittelmeerraum (Quelle auf Englisch) doppelt so viele Hitzewellen erleben könnte wie bisher angenommen.

Prognosen der UN-Klimabehörde gehen davon aus, dass die kommenden fünf Jahre weitere Hitzerekorde bringen werden.

Frankreich verzeichnet heißesten Tag seit Messbeginn

Frankreich hat am Dienstag, dem 23. Juni, den bislang heißesten Tag erlebt. Der nationale Wärmeindex – der Durchschnitt der an 30 Wetterstationen gemessenen Temperaturen – lag bei 29,8 Grad Celsius. In einigen Städten stiegen die Tageshöchstwerte deutlich über 40 Grad.

Zuvor galten die Hitzewellen im August 2003 – als schätzungsweise 15.000 Todesfälle verzeichnet wurden – und im Juli 2019 mit einem Durchschnitt von 29,4 Grad als Rekordtage.

Die beispiellosen Temperaturen sollen mindestens bis zum Wochenende anhalten. Der Wetterdienst Météo-France warnt, dass „weitere Rekordwerte zu erwarten sind“.

Mehr als 68.000 Haushalte im nordwestlichen Département Finistère waren ohne Strom, nachdem es am Dienstagabend zu einem hitzebedingten Zwischenfall an einem Transformator gekommen war.

In Paris haben der Eiffelturm und das Louvre-Museum ihre Öffnungszeiten wegen der anhaltenden Hitze eingeschränkt. Für Mittwoch sind 40 Grad vorhergesagt.

In Frankreich sind in der vergangenen Woche 40 Todesfälle durch Ertrinken registriert worden, weil Menschen trotz Warnungen der Behörden Abkühlung in Flüssen und anderen Gewässern suchten. Die meisten Opfer waren junge Menschen, sagte Premierminister Sébastien Lecornu.

Immer mehr Regionen rutschen am Mittwoch erneut in die rote Warnstufe, so Météo-France. Die Hitze erfasst dann mehr als die Hälfte des Landes, einschließlich der nördlichsten Spitze Frankreichs.

Gegen Ende der Woche rechnen Meteorologinnen und Meteorologen mit einer kurzen Verschnaufpause. Umweltministerin Monique Barbut warnte jedoch, die Hitzewelle könne in der kommenden Woche zurückkehren und bis zum 14. Juli anhalten.

Großbritannien schließt Schulen wegen Hitze

Im Vereinigten Königreich sind heute, am 24. Juni, Hunderte Schulen geschlossen geblieben, weil eine seltene rote Wetterwarnung in Kraft getreten ist. Das Land stellt sich auf mögliche Temperaturrekorde ein.

Die Hitzewarnung des Wetterdienstes Met Office gilt bis Donnerstag. Im Süden Englands werden bis zu 37 Grad erwartet, im Südosten von Wales bis zu 35 Grad. In London könnten die Temperaturen auf 39 Grad steigen. Mehr als 75.000 Menschen werden in der Hauptstadt zur London Climate Action Week – der weltweit größten Klimawoche – erwartet.

Mehrere britische Bahnunternehmen, darunter der Expresszug zum Flughafen London Gatwick, haben am Dienstag Verbindungen gestrichen oder ausgedünnt, um hitzebedingte Schäden zu vermeiden. Die Bahnbetreiber riefen die Menschen auf, am Mittwoch und Donnerstag nur zu reisen, wenn es „absolut notwendig“ sei.

Laut Met Office dürfte sich die Lage bis Freitag entspannen.

Ein Mann trinkt auf der Westminster Bridge in London; für Dienstag, den 23. Juni 2026, ist eine Hitzewelle angekündigt.
Ein Mann trinkt auf der Westminster Bridge in London; für Dienstag, den 23. Juni 2026, ist eine Hitzewelle angekündigt. AP Photo/Kirsty Wigglesworth

Italien ruft rote Hitzealarmstufe aus

Italien hat heute, am 24. Juni, 16 Städte auf rote Alarmstufe wegen Hitzewellen gesetzt, darunter Mailand, Rom, Turin, Venedig und Bologna. Die Behörden raten, leicht zu essen und während der heißesten Stunden des Tages in Innenräumen zu bleiben.

Der sprunghafte Anstieg beim Einsatz von Klimaanlagen in Privathaushalten hat in Mailand und Turin Stromausfälle ausgelöst. Krankenhäuser in Parma melden einen deutlichen Anstieg von Notaufnahmen.

Der öffentliche Busbetreiber ATAC in Rom berichtet, die Hitze fordere die Elektroflotte stark heraus. Durch den intensiven Einsatz der Klimaanlagen müssen viele Fahrzeuge früher zum Laden in die Depots zurückkehren.

Hitzewelle in Spanien lässt nach

In Spanien beginnt die extreme Hitze nachzulassen. Der Wetterdienst Aemet rechnet damit, dass die Temperaturen in weiten Teilen des Landes bis Mittwochnachmittag sinken.

Teile des Baskenlandes im Norden Spaniens bleiben vorerst in der roten Warnstufe. Diese soll jedoch bis Donnerstag aufgehoben werden; dann gelten voraussichtlich weder rote noch orange Warnungen.

Das gilt als Erleichterung nach Temperaturen von 44 Grad im südlichen Andalusien am Dienstag und 40 Grad in den sonst eher gemäßigten Regionen Kantabrien und Baskenland.

Von den etwa zwölf Hitzewellen, die Aemet seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1975 im Juni registriert hat, entfällt die Hälfte auf die Zeit seit 2015, erläutert Meteorologe Rubén del Campo. Er warnt, dass Spaniens Hitzewellen häufiger, länger und zunehmend außerhalb des traditionellen Zeitfensters Juli und August auftreten.

Auch im Westen Polens gelten derzeit Hitzewarnungen hoher Stufe, dort werden Rekordtemperaturen erwartet. Ungarn will seine Hitzealarmstufe zwischen Samstag und Dienstag auf das höchste Niveau anheben.

Weitere Hitzewarnungen gelten in Kroatien, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

El Niño nicht schuld: Europas tödliche Hitzewelle ist kein natürliches Wetterphänomen

Alpengletscher schmilzt schneller, während zweite Hitzewelle Frankreich trifft

Alarm-Hitze in Spanien: San-Juan-Feuer fallen aus - Angst vor Bränden