Angesichts höherer Sondersteuern und eines nervösen Weltenergiemarkts könnte der geplante Verkauf von BP fast 60 Jahre Nordsee-Förderung unter Kontrolle des britischen Energiekonzerns beenden.
Der britische Öl- und Gaskonzern BP hat am Freitag mitgeteilt, dass er den Verkauf seines Nordsee-Geschäfts vorbereitet. Das Unternehmen will sich stärker auf seine „attraktivsten Investitionsmöglichkeiten“ konzentrieren.
Zum Portfolio in der Nordsee vor der Küste des Vereinigten Königreichs gehören fünf Förderzentren. Dort arbeiten rund 1.100 Menschen, wie BP in der Mitteilung erklärte.
Zum Portfolio in der Nordsee vor der Küste des Vereinigten Königreichs gehören fünf Förderzentren. Dort arbeiten rund 1.100 Menschen, wie BP in der Mitteilung erklärte.
„Das Vereinigte Königreich ist seit mehr als 100 Jahren unsere Heimat und wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle für uns spielen. Wir sind stolz auf die Arbeitsplätze, die wir schaffen, auf unseren Beitrag zur britischen Wirtschaft und darauf, dass wir jeden Tag dafür sorgen, dass Energie fließt“, sagte BP-Chefin Meg O’Neill laut Mitteilung.
Sie ergänzte: „Die Nordsee bleibt ein zentraler Bestandteil des britischen Energiesystems. Wenn wir unser Portfolio schärfen und Kapital auf unsere attraktivsten Projekte lenken, sind wir jedoch überzeugt, dass unser Nordsee-Geschäft als Teil eines anderen Unternehmens besser aufgehoben wäre. Es verfügt über erstklassige Fachkräfte, widerstandsfähige Anlagen und eine stolze Geschichte. Genau diese Qualitäten können einen Eigentümer anziehen, der bereit ist, das nächste Kapitel zu unterstützen.“
O’Neill betonte, BP strebe eine Lösung an, die den „Menschen, Anlagen und der Geschichte“ des Geschäfts gerecht werde.
Die Ankündigung erfolgte einen Tag, nachdem der neue britische Premierminister Andy Burnham signalisiert hatte, dass er bei der Förderung von Öl und Gas in der Nordsee flexibler vorgehen könnte. Hintergrund sind Sorgen um die Energiesicherheit des Vereinigten Königreichs und schwankende globale Energiemärkte.
US-Präsident Donald Trump hat Großbritannien wiederholt aufgefordert, die Öl- und Gasförderung in der Nordsee deutlich auszuweiten. Burnham sagte am Donnerstag, er wolle beim Ausbau und bei der Nutzung der Ressourcen in der Region „pragmatisch“ vorgehen.
BP erklärte, man werde den Betrieb des Geschäfts während des gesamten Verkaufsprozesses sicher und zuverlässig weiterführen.
Nordsee-Förderung verliert an Attraktivität
Das Nordsee-Geschäft von BP beschäftigt derzeit rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und das Unternehmen ist seit mehr als 60 Jahren in der Region aktiv. Im Jahr 2025 förderte der Bereich im Schnitt rund 117.000 Barrel Öläquivalent pro Tag und stand damit für etwa 5 % der weltweiten Öl- und Gasproduktion von BP.
Die alternde Förderregion hat in den vergangenen Jahren jedoch an Reiz verloren. Die Produktion geht zurück, und das häufig geänderte Steuersystem im Vereinigten Königreich belastet die Produzenten zusätzlich.
Zudem hat die Region an Attraktivität eingebüßt, weil die Förderung sinkt, die Übergewinnsteuern gestiegen sind und die vorherige Labour-Regierung beschlossen hat, keine neuen Lizenzen für die Erkundung weiterer Öl- und Gasfelder mehr zu vergeben.
Öl- und Gasunternehmen kritisieren die Übergewinnsteuer und die generelle politische Unsicherheit. Ihrer Ansicht nach schreckt dies Investoren ab.
BP richtet den Fokus nun wieder stärker auf das Kerngeschäft mit Öl und Gas, nachdem das Unternehmen seine Investitionen in erneuerbare Energien zurückgefahren hat. Der Strategiewechsel folgt auf Druck von Investorinnen und Investoren, die höhere Renditen und einen schnelleren Schuldenabbau verlangen.
In den vergangenen zwölf Monaten hat BP mehreren Verkäufen zugestimmt oder sie bereits abgeschlossen. Dazu zählt eine Vereinbarung, einen kontrollierenden Anteil von 65 % an Castrol, dem Schmierstoffgeschäft von BP, an die Infrastruktur-Investmentfirma Stonepeak zu veräußern. Der Abschluss der Transaktion wird, vorbehaltlich der Genehmigung der Aufsichtsbehörden, bis Ende 2026 erwartet.
Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen bereits einer Reihe weiterer Verkäufe zugestimmt oder sie vollzogen, darunter der Verkauf von Castrol, seinem Schmierstoffgeschäft. BP will damit sein Portfolio weiter vereinfachen, Investitionen auf das zentrale Förder-, Raffinerie- und Handelsgeschäft konzentrieren und die Bilanz stärken.
Der Schritt von BP folgt ähnlichen Rückzügen anderer großer Energiekonzerne. ExxonMobil, Chevron und ConocoPhillips haben Nordsee-Vermögenswerte verkauft. Shell und Equinor haben ihre Offshore-Aktivitäten vor Großbritannien in einem Gemeinschaftsunternehmen gebündelt. TotalEnergies hat sein Regionalportfolio ebenfalls verkleinert und neu zugeschnitten, um auf die sinkende Produktion zu reagieren und anderswo profitablere Projekte zu erschließen.