Ungarns Energieversorgung gilt als gesichert. Doch Dürre und fehlender Regen könnten in einigen Orten zu Wasserknappheit führen.
Über Ungarn baut sich eine neue Hitzeglocke auf. Deshalb gilt erneut eine Wetterwarnung der höchsten Stufe.
Wegen des extrem niedrigen Wasserstands der Donau haben Fachleute des Atomkraftwerks Paks, den dritten Block herunterzufahren. Das gab Ministerpräsident Péter Magyar auf Facebook bekannt.
„Das bedeutet, dass von der Gesamtleistung von 2.000 Megawatt rund 750 Megawatt wegfallen. Ich möchte klarstellen: Es handelt sich nicht um eine Störung, sondern um eine geplante Abschaltung“, betonte der Ministerpräsident.
Die Kraftwerksleitung folgt dabei zuvor festgelegten Sicherheitsvorschriften.
„Die Stromversorgung Ungarns ist sicher“, sagte Péter Magyar und betonte, dass die Energieversorgung der Bevölkerung dank der Stromimporte selbst dann nicht gefährdet wäre, wenn das Atomkraftwerk Paks komplett heruntergefahren werden müsste.
Vielerorts ist die Schifffahrt auf der Donau stark eingeschränkt oder komplett eingestellt.
„Um die Energieversorgung Ungarns zu sichern, ersetzen wir die wegfallende Strommenge durch heimische Kraftwerke, erneuerbare Energien und höheren Import“, schrieb Wirtschafts- und Energieminister István Kapitány auf Facebook.
Regierungschef Magyar kündigte an, dass eine operative Einheit für die Energieversorgung ihre Arbeit aufnimmt. Ihre Hauptaufgabe ist es, mögliche Szenarien zu analysieren und sich darauf vorzubereiten.
Dazu gehört, zu prüfen, welche großen Industrie- oder Versorgungsunternehmen ihren Verbrauch gegebenenfalls umorganisieren müssen.
Grundlegende öffentliche Dienstleistungen wie Krankenhäuser gehören nicht zu den betroffenen Einrichtungen.
Magyar bittet die Menschen in Ungarn, Strom zu sparen
In seinem Facebook-Beitrag bat Péter Magyar die Bevölkerung, wegen Dürre, Hitze und der daraus entstehenden Probleme Strom zu sparen. Tätigkeiten mit höherem Stromverbrauch sollen möglichst tagsüber stattfinden, wenn die Solarkraftwerke viel Energie liefern.
Die anhaltende Dürre kann in einigen Gemeinden die Trinkwasserversorgung gefährden, die Behörden sehen sich jedoch darauf vorbereitet.
Der für Umwelt und Lebensraum zuständige Minister László Gajdos berät am Donnerstag mit zehn Wasserversorgern, bei welchen Großverbrauchern aus der Industrie der Wasserverbrauch eingeschränkt werden kann, falls sich der Wassermangel weiter zuspitzt.
„Die Schutzmaßnahmen laufen ununterbrochen, wir achten auf die Wasserreserven und die Sicherheit des Landes“, ergänzte László Gajdos.
Wegen der Hitzewarnung tritt erneut die landesweite Maßnahmereihe unter dem Namen „Roter Code“ in Kraft. Die Trockenheit hat in mehreren Teilen des Landes Brände ausgelöst.
Die Nationale Generaldirektion für Katastrophenschutz (OKF) teilte auf ihrer Webseite mit, dass nahe Fertőrákos an der österreichischen Grenze auf einer Fläche von 40 Hektar Wald brannte. Die Flammen griffen auf österreichisches Gebiet über und erreichten einen Kiefernwald, der auf rund zweieinhalb Hektar in Brand stand, stellenweise mit mehreren zehn Meter hohen Flammen. Das Feuer ist inzwischen gelöscht.
Zwischen Érd und Százhalombatta sind die Feuerwehrleute im Einsatz, nachdem am Dienstagnachmittag Stoppelfelder, Rundballen und etwa 30.000 Kubikmeter Kompost Feuer gefangen hatten. In der Nähe von Szarvas bedrohte brennendes trockenes Gras, Laub und Gestrüpp auf großer Fläche Wohnhäuser am Stadtrand; die Einsatzkräfte löschten die Flammen.
Die Behörden warnen, dass es wegen des rekordniedrigen Pegels der Donau verboten ist, die durch den Rückgang des Wassers freiliegenden Flussbettbereiche zu betreten, um die Trinkwasserbasis zu schützen.
Die Wasserbehörde Nordungarn berichtete, dass in ihrem Gebiet selbst zuvor ständig wasserführende Bäche wegen ausbleibenden Niederschlags und der extrem hohen Temperaturen ausgetrocknet sind.