Eni baut Ägypten-Geschäft aus: 8,5 Milliarden Dollar Investitionen, 30 Explorationsbohrungen, 200 Entwicklungsbohrungen; Fokus auf Zohr, Denise West und Cronos-Projekt auf Zypern
Die Energiepartnerschaft zwischen Italien und Ägypten gewinnt an Gewicht und dreht sich vor allem um Eni, den wichtigsten Öl- und Gasproduzenten des Landes. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al Sisi hat in El Alamein Eni-Chef Claudio Descalzi empfangen, im Beisein von Premierminister Mostafa Madbouly und des Ministers für Erdöl und mineralische Ressourcen Karim Badawi.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Investitionen von Eni, neue Explorations- und Entwicklungsprojekte in ägyptischen Lagerstätten und der Ausbau der Rolle Ägyptens als regionaler Gas-Hub im Mittelmeer.
Die Zahlen verdeutlichen das Gewicht der italienischen Präsenz: Eni hat insgesamt 8,5 Milliarden Dollar in Ägypten investiert und über die Tochter Ieoc im Jahr 2025 rund 242.000 Barrel Öläquivalent pro Tag gefördert, bezogen auf den Anteil des Unternehmens.
30 Explorationsbohrungen und 200 Entwicklungsbohrungen
Der von Descalzi vorgestellte Plan leitet eine neue, intensive Phase der Aktivitäten ein. Eni will 30 Explorationsbohrungen und 200 Entwicklungsbohrungen niederbringen.
Ziel ist es, die Produktion zu steigern und dabei sowohl neue Funde als auch vorhandene Infrastruktur zu nutzen. Die Strategie setzt vor allem auf „Fast-Track“-Projekte, also auf Vorhaben, die dank bestehender Anlagen und Leitungen rasch in Produktion gehen können, sowie auf die Verlängerung der Lebensdauer bereits operativer Felder.
Die Aktivitäten erstrecken sich über mehrere Regionen des Landes, vom Mittelmeer über das Nildelta, vom Sinai bis in die Westliche Wüste.
Seit 2025 haben die Maßnahmen nach Angaben von Eni die Produktion in den Offshore-Feldern vor dem Sinai um 50 Prozent erhöht, während weitere Funde im Offshore-Bereich des Nildeltas und in der Westlichen Wüste gemacht wurden.
Denise West: neue Entdeckung im Mittelmeer
Eines der wichtigsten Projekte ist Denise West, entdeckt im April 2026 während einer Offshore-Bohrkampagne, die im Oktober 2025 in der Temsah-Konzession gestartet wurde.
Das Vorkommen umfasst rund 56,6 Milliarden Kubikmeter Gas und 130 Millionen Barrel Kondensat in der Lagerstätte.
Der Fund gilt als strategisch, weil er sich dank der vorhandenen Infrastruktur schnell entwickeln lässt. Eni arbeitet mit den Partnern bp und Egpc daran, in den kommenden Monaten die endgültige Investitionsentscheidung zu treffen. Ziel ist es, die Gasförderung innerhalb von zwei Jahren aufzunehmen.
Zohr bleibt zentral
Im Rahmen der ägyptischen Investitionen bleibt auch Zohr zentral – das größte Gasfeld, das je im östlichen Mittelmeer entdeckt wurde. Eni ist in dem Gebiet weiterhin aktiv, eingebettet in ein breiteres Programm zur Exploration, Entwicklung und Bewirtschaftung der ägyptischen Energieanlagen.
Die Bedeutung von Zohr geht über die Produktion des einzelnen Feldes hinaus: Die rund um das ägyptische System zur Gasförderung und -aufbereitung aufgebauten Infrastrukturen gehören zu den Bausteinen, mit denen Kairo seine Position als regionale Energiedrehscheibe festigen will.
Genau hier liegt eines der strategischen Interessen Italiens: Ägypten fungiert im Mittelmeer als Energieplattform, die nationale Produktion, Gas aus anderen Ländern der Region und die Infrastruktur für Verarbeitung und Export verbindet.
Kooperation reicht bis Zypern: Projekt Cronos
Beim Treffen diskutierten Descalzi und al Sisi auch über das Projekt Cronos, das Eni im Offshore-Gebiet von Zypern entwickelt.
Das Projekt hat vor Kurzem die endgültige Investitionsentscheidung (FID) erreicht und sieht vor, ägyptische Infrastruktur zu nutzen, um zyprisches Gas auf den Markt zu bringen.
Der Mechanismus gilt als strategisch: Das Gas aus dem Offshore-Gebiet Zyperns lässt sich nach Ägypten transportieren, über die vorhandenen Anlagen verarbeiten und anschließend auf die Märkte liefern, einschließlich des europäischen.
Cronos wird damit zu einem Projekt, das Zypern, Ägypten, Eni und den europäischen Markt direkt miteinander verbindet und die Position Kairos als Gasdrehkreuz im östlichen Mittelmeer stärkt.
Italien und Ägypten: Energie im Zentrum der Kooperation
Die energiepolitische Dimension ist Teil eines breiteren Verhältnisses zwischen Rom und Kairo, in dem Eni eines der wichtigsten Instrumente der italienischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit darstellt.
Al Sisi bekräftigte den Willen, die Investitionen des Unternehmens zu unterstützen, und sagte zu, dass die ägyptische Regierung die nötige Infrastruktur bereitstellt und mögliche Hindernisse für die Aktivitäten aus dem Weg räumt.
Für Ägypten helfen neue Investitionen, Produktion und Versorgung zu stützen und die eigene Position als regionales Drehkreuz zu stärken. Für Italien bedeutet die Präsenz von Eni hingegen, einen Akteur direkt in der wichtigsten Energiezone des östlichen Mittelmeers zu haben, mit möglichen Auswirkungen auf Sicherheit und Diversifizierung der Gaslieferungen.
Nicht nur Gas: Enis Gesundheitsprogramm
Die Partnerschaft umfasst nicht nur Kohlenwasserstoffe. Beim Treffen ging es auch um die sozialen und gesundheitlichen Investitionen von Eni.
Nach dem im März 2026 unterzeichneten Memorandum of Understanding will das Unternehmen sich auf Projekte im Gesundheitssektor konzentrieren. Ziel ist es, Ägypten beim Aufbau von Kompetenzen, beim Management komplexer Infrastruktur und bei der Bereitstellung von Dienstleistungen für die Bevölkerung zu unterstützen.
Zu den angekündigten Initiativen gehört auch die Errichtung und der Betrieb eines Krankenhauses.
Dennoch bleibt die Energiedimension das Herz der Partnerschaft. Mit 8,5 Milliarden Dollar an Investitionen, einer Förderung von rund 242.000 Barrel Öläquivalent pro Tag, 30 neuen Explorationsbohrungen und 200 Entwicklungsbohrungen sowie Projekten wie Denise West, Zohr und Cronos bestätigt Eni seine Rolle als einer der zentralen Akteure der ägyptischen Strategie, das Land in eine Energieplattform des Mittelmeers zu verwandeln.