Capgemini Government Solutions stattete die US-Einwanderungsbehörden mit Technik aus, mit der sie ausländische Staatsangehörige identifizieren und aufspüren konnten.
Der französische IT-Konzern Capgemini teilte am Samstag mit, dass er eine endgültige Vereinbarung über den Verkauf seiner US-Tochter abgeschlossen hat. Zuvor hatte es Kritik an den Verbindungen des Unternehmens zur Einwanderungspolizei ICE unter Donald Trump gegeben.
Der Käufer ist ITC Federal, „ein US-Anbieter von digitalen Dienstleistungen und Lösungen für Bundesbehörden mit Aufgaben in innerer Sicherheit und Verteidigung“, erklärte Capgemini in einer Mitteilung (Quelle auf Französisch).
„Diese Transaktion unterliegt den üblichen Bedingungen für ein Geschäft dieser Art und soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden“, erklärte der Konzern.
Im Februar kündigte Capgemini an, Capgemini Government Solutions zu verkaufen, die US-Tochter, die Dienstleistungen für Bundesbehörden anbietet. Die Entscheidung folgte auf die Veröffentlichung eines Vertrags mit der ICE. Dabei ging es um ein digitales Werkzeug, mit dem ausländische Staatsangehörige auf US-Territorium identifiziert und ihre Bewegungen nachverfolgt werden.
Zur Rechtfertigung erklärte Capgemini damals: „Die in den Vereinigten Staaten üblichen gesetzlichen Auflagen für Verträge mit Bundesstellen, die mit geheimen Aufgaben betraut sind, erlaubten dem Konzern keine angemessene Kontrolle über bestimmte Aspekte der Arbeit dieser Tochtergesellschaft“.
Abgeordnete und der französische Wirtschafts- und Finanzminister Roland Lescure forderten das Unternehmen daraufhin auf, seine Aktivitäten in den Vereinigten Staaten offen zu legen.
Die schwer bewaffneten ICE-Beamten setzen den von Donald Trump verordneten Kurs einer härteren Migrationspolitik um. Sie stehen in den gesamten Vereinigten Staaten massiv in der Kritik, weil ihre Einsätze als gewalttätig gelten. Besonders stark geriet die Behörde unter Druck, nachdem Anfang dieses Jahres in Minneapolis zwei US-Staatsbürger von ICE-Mitarbeitern erschossen wurden.
Capgemini ist in rund fünfzig Ländern aktiv und gehört zu den wichtigsten börsennotierten Unternehmen Frankreichs. Im Jahr 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von 22,5 Milliarden Euro.
Die betroffene Tochtergesellschaft stand nach Angaben von Capgemini in diesem Jahr nur für 0,4 % des weltweiten Konzernumsatzes und für weniger als 2 % der Erlöse in den Vereinigten Staaten.