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Amir Temurs Erbe neu bewertet: Forschende sprechen von zweiter Renaissance

Internationale Konferenz zum Erbe Amir Temurs
Internationaler Kongress zum Erbe Amir Temurs Copyright  Islamic Civilization Center in Uzbekistan
Copyright Islamic Civilization Center in Uzbekistan
Von Dilbar Primova
Zuerst veröffentlicht am
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Neue Studien rücken die Timuridenzeit als geordnetes System wissenschaftlicher und kultureller Entfaltung in den Fokus. Auf einer internationalen Tagung prüften Fachleute Quellen neu und beschlossen engere Zusammenarbeit bei Geschichtsforschung und Denkmalschutz.

Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen das Erbe von Amir Temur neu in den Blick. Neue Studien rücken nicht mehr nur die Kriegsgeschichte in den Vordergrund, sondern auch die wissenschaftlichen, kulturellen und institutionellen Leistungen der Timuridenzeit.

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Diese Debatten standen im Mittelpunkt einer internationalen Fachkonferenz mit dem Titel „Die Rolle und Bedeutung Amir Temurs und der timuridischen Zivilisation in der Weltgeschichte und -kultur“. Sie fand im Zentrum für islamische Zivilisation in Taschkent statt und erinnerte an den 690. Jahrestag von Temurs Geburt.

An der Tagung nahmen mehr als 300 Fachleute aus über 20 Ländern teil: Historikerinnen und Historiker, Archäologinnen und Archäologen sowie Vertreter internationaler Einrichtungen wie der Islamic World Educational, Scientific and Cultural Organization (ICESCO), des Oxford Centre for Islamic Studies, des Research Centre for Islamic History, Art and Culture (IRCICA) und der Al-Furqan Foundation.

Die Diskussionen drehten sich um Herrschaft, Diplomatie, Wissenschaft, Bildung und kulturelle Entwicklung in der Timuridenzeit. Im Mittelpunkt stand auch, welchen Einfluss diese Epoche auf die Weltgeschichte hatte.

Timuridenzeit neu bewertet

Die heutige Forschung sieht das 14. und 15. Jahrhundert zunehmend als Phase tiefgreifender geistiger Erneuerung. Häufig ist von einer „zweiten Renaissance“ die Rede.

Historikerinnen und Historiker verweisen auf die Entstehung wissenschaftlicher Institutionen, auf klar strukturierte Bildungssysteme und eine anhaltende kulturelle Blüte in der islamischen Welt.

Usbekistans Präsident Schawkat Mirziyoyev besuchte das Staatliche Museum für die Geschichte der Timuriden
Usbekistans Präsident Schawkat Mirziyoyev besuchte das Staatliche Museum für die Geschichte der Timuriden Press Service of Uzbekistan's President

Präsident Schawkat Mirziyoyev bezeichnete in einer Grußbotschaft an die Konferenzteilnehmenden die timuridische Renaissance als „eine der bemerkenswertesten Epochen“ der Landesgeschichte. Er rief zu vertiefter Forschung und stärkerer internationaler Zusammenarbeit auf. Ein Schwerpunkt der aktuellen Arbeiten ist die Neubewertung der Geschichtserzählungen und der schriftlichen Quellen zur Timuridenzeit.

Jenseits der Kriegszüge: wissenschaftliches Erbe der Timuriden

Der Direktor der Al-Furqan Islamic Heritage Foundation, Sali Shahsavari, betonte, dass die Öffentlichkeit die wissenschaftliche Dimension der Timuridenzeit häufig ausblende.

„Amir Temur ist weithin als militärische und politische Führungspersönlichkeit bekannt, aber nur wenige kennen das Erbe, das er in der sogenannten Timuridenzeit für die wissenschaftliche Entwicklung hinterlassen hat“, sagte er.

„Wir sprechen von einer gesamten Herrschaftsperiode, die von herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und Fortschritten geprägt war.“

Nach Shahsavaris Worten stand die Timuridenzeit nicht nur für politische Macht. Sie brachte auch ein klar organisiertes System der Wissensproduktion hervor, das die wissenschaftliche Entwicklung über Jahrhunderte beeinflusste.

Historikerinnen und Historiker sprechen von einer Phase bedeutender Fortschritte in Astronomie, Mathematik, Geografie und Medizin. Forschende heben die Entstehung von Madrasas und organisierten Forschungseinrichtungen hervor, die langfristige geistige Entwicklung und die Weitergabe von Wissen über Generationen hinweg ermöglichten.

Kulturelles und architektonisches Erbe

Der stellvertretende Direktor des Forschungszentrums für islamische Geschichte, Kunst und Kultur (IRCICA), Cengiz Tomar, verwies darauf, dass das Erbe dieser Epoche bis heute in der Architektur und im kulturellen Selbstverständnis sichtbar ist.

„Wenn wir timuridische Architektur sehen, erkennen wir sofort, dass dieses Gebäude aus dieser Epoche stammt“, erklärte er.

„Wie die osmanische oder seldschukische Architektur hat auch die timuridische Baukunst ihren besonderen Platz in der Geschichte der Zivilisation.“

Die Historikerin Hilola Nazirova, Doktorin der Geschichtswissenschaften und Spezialistin für Quellenkunde, erklärte, ihre Forschung stelle gewohnte Deutungen von Amir Temur in Frage.

„Üblicherweise kennen wir Amir Temur als Eroberer, und Sharafiddin Ali Yazdis ‚Zafarnama‘ wurde lange sehr einseitig gelesen“, sagte sie.

Ihre Arbeit mit chorasmischen Quellen und Übersetzungstraditionen, darunter „Ravzat as-Safa“ und türkische Geschichtstexte, zeichnet ein differenzierteres Bild. Darin sieht sie den Beleg, dass das gängige Bild eines ausschließlich zerstörerischen Amir Temur vor allem auf einseitiger Historiografie beruht. Sie ruft Fachleute dazu auf, verstärkt in den Primärquellen zu arbeiten, und betont: Das Problem sei nicht ein Mangel an Quellen, sondern ihre schiere Fülle.

Der Generalsekretär von TURKSOY, Sultan Raev, bezeichnete die Timuridenzeit als grundlegende Epoche für Staatsaufbau, Kultur und Zivilisation.

„Er schuf die Städte, die wir heute stolz Samarkand und Buchara nennen. All das begann in der Zeit von Amir Temur“, sagte er. „Das Erbe Temurs lehrt uns, unser Land zu lieben.“

Bedar Shayesta, Direktorin der Khuda-Bakhsh-Orientalbibliothek, verwies auf die große Bandbreite timuridischer Beiträge.

„Die Leistungen der Timuriden betreffen vor allem Kunst und Kultur, Religion und Sufismus, Architektur, Literatur und Sprache, Dichtung und Philosophie, Logik, aber auch die exakten Wissenschaften“, sagte sie.

Sonderausstellung zum Erbe von Amir Temur
Sonderausstellung zum Erbe von Amir Temur Euronews

Außerdem hob sie die langen historischen Verbindungen zwischen Indien und Usbekistan hervor und warb für eine intensivierte wissenschaftliche Zusammenarbeit. „Es gibt eine enge, eine sehr starke Verbindung zwischen Indien und Usbekistan.“

„Unser Institut bewahrt eine der weltweit größten Sammlungen von Handschriften in orientalischen Sprachen“, sagte Irina Popova und unterstrich damit die Bedeutung der Erhaltung dieser Bestände und der Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Sie beschrieb diese Sammlungen als gemeinsames Kulturerbe, das von internationalen Forschungsteams weiter intensiv ausgewertet wird.

Von Forschung zu Umsetzung

Nach der Konferenz skizzierten die Teilnehmenden mehrere Initiativen. Sie wollen die internationale Forschung ausbauen, die wissenschaftliche Zusammenarbeit vertiefen und den Erhalt von Handschriften sowie des kulturellen Erbes verbessern.

Theaterproduktion "Hochzeit in Conigil".
Theaterproduktion "Hochzeit in Conigil". Euronews

Diese Vorhaben sollen eine systematischere und besser international abgestimmte Erforschung der Timuridenzeit ermöglichen.

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