Beim diesjährigen Taschkent International Investment Forum treffen sich politische Entscheidungsträger, Investoren und Wirtschaftslenker aus über 100 Ländern, um Chancen in Zentralasien und Kooperationen bei Infrastruktur, Energie und kritischen Rohstoffen auszuloten.
Auf dem Tashkent International Investment Forum (TIIF) 2026 (Quelle auf Englisch) sollen internationalen Anlegern Investitionsprojekte im Umfang von rund 75 Milliarden Euro vorgestellt werden. Usbekistan sucht dafür Finanzierung in Bereichen wie Energie, Verkehr, Logistik, digitale Infrastruktur und industrielle Entwicklung.
„Wir haben gemeinsam mit usbekischen Unternehmen und regionalen Behörden Investitionsvorschläge im Wert von etwa 75 Milliarden Euro ausgearbeitet“, sagte Laziz Kudratov, Usbekistans Minister für Investitionen, Industrie und Handel. „Acht Pitch-Sessions ermöglichen es Unternehmern, ihre Projekte direkt vor Investoren zu präsentieren.“
Mehr als 3.400 ausländische Delegierte aus 102 Ländern werden vom 16. bis 18. Juni zu dem Forum erwartet – darunter Regierungsvertreter, Entwicklungsbanken, Staatsfonds und multinationale Konzerne, die zusammen Vermögenswerte von mehr als 42 Billionen Dollar (rund 36,5 Billionen Euro) verwalten.
Das Forum findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem Regierungen und Unternehmen Lieferketten, Verkehrswege und den Zugang zu kritischen Ressourcen neu bewerten. Vor diesem Hintergrund dürften die Gespräche in Taschkent vor allem darauf zielen, langfristiges Kapital für Projekte in Usbekistan und der weiteren zentralasiatischen Region zu gewinnen.
Wohin die Investitionen fließen sollen
Die auf dem TIIF 2026 vorgestellten Projekte decken Branchen ab, die usbekische Verantwortliche und Investoren zunehmend als strategisch für langfristiges Wachstum einstufen.
Nach Angaben der Organisatoren bieten sich Chancen in den Bereichen Energie, Verkehrsinfrastruktur, Logistik, industrielle Entwicklung, digitale Infrastruktur und Hochtechnologie. Das diesjährige Forenmotto „Investment Sustainability: New Horizons, New Partnerships“ legt besonderen Fokus auf kritische Rohstoffe, grüne Energie, geologische Ressourcen und künstliche Intelligenz.
Mehr als 3.000 ausländische Unternehmen wurden über eine digitale Plattform nach Branchen und Investitionsschwerpunkten kategorisiert, um internationale Investoren gezielt mit usbekischen Firmen und lokalen Behörden zusammenzubringen.
Das Forum umfasst zudem eigene Pitch-Sessions zu Projekten in der Leichtindustrie, in Geologie und Rohstoffgewinnung, im Elektro- und Maschinenbau sowie in der chemischen Industrie. So können Unternehmerinnen, Unternehmer und Projektentwickler ihre Vorhaben direkt potenziellen Kapitalgebern vorstellen. Weitere Diskussionsrunden widmen sich Themen wie „Ausbau der Produktion: Wertschöpfende Fertigung und Exportwettbewerbsfähigkeit“, „Agrarwirtschaft und Ernährungssicherheit: Technologie, Wertschöpfungsketten und Exportwachstum“ sowie „Stärkung der Gesundheitssysteme und Förderung von Innovationen in Pharma und Medizintechnik“.
„Wir haben eine Online-Plattform geschaffen, die internationale Unternehmen mit usbekischen Firmen und lokalen Behörden vernetzt“, sagte Akram Aliyev, stellvertretender Minister für Investitionen, Industrie und Handel.
Das Forum gilt auch als Test dafür, wie wirksam Investitionszusagen in konkrete Projekte überführt werden.
„Allein 2025 hat Usbekistan rund 39 Milliarden Euro an Investitionen aufgenommen, und etwa 35 Prozent der zuvor unterzeichneten Projekte befinden sich bereits in der Umsetzung“, sagte Kudratov.
Rekordandrang von Investoren
Nach Angaben der Organisatoren ist die Beteiligung im Vergleich zu den früheren Ausgaben des Forums deutlich gestiegen.
Insgesamt werden 62 Regierungsdelegationen erwartet, nach 26 im vergangenen Jahr. Mehr als 370 Vertreterinnen und Vertreter internationaler Finanzinstitutionen und Entwicklungsbanken wollen ebenfalls teilnehmen.
Die vorherige Ausgabe des Forums hatte mehr als 8.000 Teilnehmer angezogen, darunter rund 3.000 internationale Delegierte aus 97 Ländern.
„Diese Zahlen zeigen, dass unsere Partner und Investoren Vertrauen in die Region haben“, sagte Schochruch Gulamov, stellvertretender Minister für Investitionen, Industrie und Handel.
Zu den Unternehmens- und Institutionsteilnehmern des Forums zählen unter anderem BlackRock, JPMorgan Chase, Visa, Masdar, Airbus und Meta.
Stärkerer Auftritt der USA
In diesem Jahr wird eine deutlich stärkere amerikanische Präsenz erwartet: Mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter von rund 120 US-Unternehmen haben sich angekündigt.
„In früheren Jahren scheiterten Gespräche häufig an ungeklärten Finanzierungsfragen“, sagte Aliyev. „In diesem Jahr erwarten wir unter anderem die Vorsitzende der US-Export-Import-Bank und den Chef der US International Development Finance Corporation.“
Die ausgeweitete US-Beteiligung spiegelt das wachsende Interesse amerikanischer Institutionen an Investitionsmöglichkeiten in ganz Zentralasien wider.
Kapital für regionale Großprojekte mobilisieren
Über einzelne Investitionsabkommen hinaus soll das TIIF 2026 den Blick auf Projekte richten, die über nationale Grenzen hinausreichen und langfristige Finanzierung durch mehrere Partner erfordern.
„Wir wollen nicht nur Projekte Usbekistans präsentieren, sondern auch große regionale Initiativen und gemeinsam mit unseren Nachbarn Investoren gewinnen“, sagte Gulamov.
Zu den Vorhaben, die zur Sprache kommen sollen, zählen Wasserkraftprojekte unter Beteiligung von Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan, grenzüberschreitende Stromverbindungen zwischen Zentralasien und dem Südkaukasus, die Bahnstrecke China–Kirgisistan–Usbekistan sowie der Trans-Afghanische Transportkorridor.
Diskutiert werden dürften auch der sogenannte Middle Corridor, Trockenhäfen und intermodale Logistikdrehscheiben, mit denen Regierungen und Unternehmen die Handelswege zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa verbessern wollen.
„Groß angelegte regionale Projekte erfordern erhebliches Kapital, und Staatsfonds können dabei eine entscheidende Rolle spielen“, sagte Gulamov.
Unter den erwarteten Teilnehmern sind Vertreterinnen und Vertreter der Oman Investment Authority, von Standard Chartered, Citibank, JPMorgan Chase und der Bank of China.
Reformen auf der Agenda
Neben den Investitionsgesprächen bietet das TIIF 2026 auch eine Plattform für den Dialog über Regulierungsreformen, die das Geschäftsklima verbessern und die Finanzierungsmöglichkeiten für Investoren erweitern sollen.
Die vierte Plenarsitzung des Foreign Investors Council führt 75 große internationale Unternehmen zusammen, die in Usbekistan aktiv sind. Im Vorfeld gingen mehr als 120 Vorschläge ein, etwa zu Besteuerung, Gesetzgebung und Flächennutzung.
Nach den Beratungen soll nach Angaben von Regierungsvertretern ein Fahrplan für Reformen verabschiedet werden.
Zu den Maßnahmen, die in den kommenden Wochen erwartet werden, gehört ein Gesetz zur Einrichtung des Taschkenter Internationalen Finanzzentrums. Nach offiziellen Angaben soll es noch vor Ende Juni verabschiedet werden.
Auch ein überarbeitetes Gesetz zu Sonderwirtschaftszonen sowie ein Gesetzentwurf zu alternativen Anlageinstrumenten stehen zur Diskussion.
Die geplanten Reformen sollen neue Instrumente für Wagniskapital und Private Equity einführen und zugleich die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen und Investoren verbreitern.
Für Usbekistan ist das Forum eine Gelegenheit, sowohl Investitionsprojekte als auch geplante Regulierungsreformen zu präsentieren. Für Investoren bleibt entscheidend, wie viele der Gespräche in Taschkent am Ende in Finanzierungsvereinbarungen, neue Partnerschaften und konkrete Projekte münden.