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Flughafenkontrolle: Lange Schlangen belasten Portugals Tourismus

Flughafen Lissabon: Grenzbereich mit neuen E-Gates erweitert
Flughafen Lissabon erweitert Grenzbereich mit neuen E-Gates Copyright  Ministério da Administração Interna/Facebook
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Von Joana Mourão Carvalho
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Seit der Einführung des EU-Ein- und Ausreisesystems EES müssen Reisende an Portugals Flughäfen teils stundenlang warten. Branchenvertreter warnen vor Imageschäden für das Urlaubsland.

"Chaos am Flughafen Lissabon. Und wenn ich Chaos sage, meine ich wirklich Chaos. Ich stand in der längsten Schlange, die ich in meinem Leben je gesehen habe. Alles wegen des Ein- und Ausreisesystems der EU, das kürzlich aktualisiert wurde und die Erfassung biometrischer Daten für alle Inhaber von Nicht-EU-Pässen vorschreibt."

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Dieser Bericht stammt von der Journalistin Clarissa Ward, internationaler Korrespondentin des Senders CNN. Sie hat Ende Mai auf ihrem Instagram-Konto ein Video veröffentlicht, in dem sie Hunderte Passagiere in einer langen Schlange vor der Passkontrolle am Flughafen Humberto Delgado in Lissabon zeigt.

Das Video verbreitete sich in den sozialen Netzwerken rasant und machte die Probleme bei der Passkontrolle sichtbar. Sie betreffen die portugiesischen Flughäfen und Tausende Reisende – viele verpassen Anschlussverbindungen und Flüge –, seitdem das neue Ein- und Ausreisesystem der Europäischen Union (EES) eingeführt wurde.

Die Europäische Kommission bestreitet, dass die Warteschlangen an den Flughäfen in Portugal am EES liegen, und verweist auf hausgemachte Probleme. Die Regierung wiederum schiebt die Verantwortung nach Brüssel ab. Staatssekretär für Infrastruktur Hugo Espírito Santo betont, die Engpässe an den Grenzen träfen Flughäfen in ganz Europa und nicht nur in Portugal.

Das neue europäische Grenzkontrollsystem ist im Oktober 2025 in Portugal und in den übrigen Schengen-Staaten in Betrieb gegangen. Seither haben sich die Wartezeiten an den Luftgrenzen deutlich verlängert, vor allem am Flughafen Lissabon, wo Passagiere mitunter mehrere Stunden warten müssen.

Im Dezember führte die Europäische Kommission eine unangekündigte Inspektion an den Luft- und Seegrenzen Portugals durch und stellte "schwere Mängel" bei der Grenzkontrolle fest, insbesondere am Flughafen Humberto Delgado. Der Abschlussbericht listete 14 kritische Defizite im Personalbereich, bei der Ausstattung und durch eine systematische Vereinfachung von Sicherheitsverfahren auf.

Die Warnungen der Fachleute aus Brüssel veranlassten die Regierung zu dringenden Maßnahmen. Dazu gehörte vor allem die sofortige, dreimonatige Aussetzung der Anwendung des EES, als das System noch getestet und schrittweise eingeführt wurde.

Das EES ist ein IT-System, das die Ein- und Ausreise von Bürgern aus Drittstaaten in den Schengen-Raum elektronisch erfasst und die manuellen Stempel durch biometrische und digitale Datensätze ersetzt. Bei technischen Störungen können die Mitgliedstaaten das System vorübergehend aussetzen und auf alternative Verfahren zurückgreifen, etwa manuelle Einträge und Stempel im Pass, bis der Normalbetrieb wiederhergestellt ist.

Nach dem anfänglichen Schwarzer-Peter-Spiel hat die Regierung eingeräumt, dass die Situation an den Grenzen mit Wartezeiten von mehr als zwei Stunden eine "Blamage" für Portugal ist. "Wir wollen das Bild Portugals nicht noch weiter beschädigen. Ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken. In den kommenden Wochen, im nächsten Monat, werden wir die Lage entschärfen. Wir investieren alles, was in Hardware möglich ist", versicherte Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz.

Die Regierung hält vorerst an der Erfassung biometrischer Daten fest. Innenminister Luís Neves argumentiert, die europäische Sicherheit sei ein "ernstes Thema". Parallel dazu hat die Regierung Sofortmaßnahmen gestartet, um die Abfertigung der Passagiere am Flughafen Lissabon zu beschleunigen.

Zunächst wurde der Bereich der Grenzkontrolle vergrößert, 48 zusätzliche Beamte der portugiesischen Polizei für öffentliche Sicherheit (PSP) wurden eingesetzt. Es kamen weitere Schalter für die Dokumentenkontrolle hinzu (14 bei der Ankunft und 18 beim Abflug) sowie zusätzliche E-Gates, die elektronischen Schleusen (ebenfalls 14 bei der Ankunft und 18 beim Abflug).

Außerdem kündigte der Innenminister an, dass die portugiesischen Flughäfen ab dem vierten Juli einen weiteren Einsatz von 340 PSP-Kräften erhalten, die derzeit speziell geschult werden. "Nach Lissabon gehen 140, 100 nach Porto, danach nach Faro, Funchal und Ponta Delgada", präzisierte Luís Neves.

"Wir haben neue Flächen, um die Menschen aufzunehmen, wir beschaffen technologische Geräte, die bereits zugewiesen sind, wir haben mehr Boxen, in denen zusätzliche PSP-Beamte eingesetzt werden. Wir versuchen, die Bedingungen so zu verbessern, dass der Betrieb im Sommer und dauerhaft anders, nämlich besser, abläuft", fügte er hinzu.

Die Erwartungen sind hoch, doch gleichzeitig bleibt unklar, wie wirksam diese Maßnahmen im Höhepunkt der Sommersaison sein werden.

Folgen für Portugals Image

Für Miguel Quintas, den Präsidenten des Nationalen Verbands der Reisebüros (ANAV), hat das Problem tiefgreifende Folgen für den heimischen Tourismus.

"Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass dies kurzfristig, mittelfristig und langfristig gravierende Auswirkungen hat. Und diese Auswirkungen zeigen sich auf mehreren Ebenen. Zunächst einmal, weil ein Tourist in Portugal ankommt und im Stehen am Flughafen zwei oder drei Stunden, manchmal noch länger, in der Schlange warten muss", kritisiert er.

Im Gespräch mit Euronews warnt er, dass der erste Kontakt mit dem Land zunehmend von negativen Erlebnissen geprägt ist, die sich über soziale Netzwerke noch verstärken.

"Das Eingangstor ist der erste Kontakt mit dem Land, und diese negative Erfahrung verbreitet sich zwangsläufig viral. Was regelmäßig passiert: Die Leute nehmen ihre Handys, filmen, machen Fotos, stellen sie in ihre sozialen Netzwerke. Sofort verbreitet sich das viral. Und damit wirkt sich das direkt auf das Image des Reiseziels aus. Wir hatten eine sehr bekannte Reporterin, von einem Sender mit Millionenpublikum weltweit. Sie hat einen Flug verpasst – ein realer Fall, den die ganze Welt gesehen hat."

Miguel Quintas betont außerdem, dass das Problem Jahre von Investitionen in die Tourismuswerbung gefährden kann.

"Wir sprechen von Dutzenden Millionen Euro, die in die Vermarktung Portugals als Reiseziel geflossen sind. Zu sehen, wie dieser Aufwand so leichtfertig aufs Spiel gesetzt und zum Fenster hinausgeworfen wird, ergibt überhaupt keinen Sinn."

Und er richtet eine klare Warnung an Portugals Wettbewerbsposition gegenüber anderen Urlaubsländern: "Portugal verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Unsere wichtigste Branche, der Tourismus, verliert an Wettbewerbsfähigkeit – und das alles wegen fehlender Planung."

Noch führt die Lage nicht zu Reiseabsagen. Doch der ANAV-Präsident räumt ein, dass es zunehmend Unzufriedenheit bei Kunden gibt – mit mehr Beschwerden und Unterstützungsanfragen. Er hält es außerdem für wahrscheinlich, dass internationale Reiseveranstalter "Touristen, die nach Portugal kommen könnten, auf andere Ziele umlenken", falls das Szenario der langen Warteschlangen anhält.

Flughafeninfrastruktur unter Druck

António Moura Portugal, Generaldirektor des Verbands der Fluggesellschaften in Portugal (Rena), erkennt dank der Maßnahmen der Regierung jüngste Verbesserungen an, verweist aber auf strukturelle Schwächen.

"Die Situation am Flughafen Lissabon hat sich in den vergangenen Tagen verbessert, das ist sichtbar. Trotzdem ist die größte Sorge der Fluggesellschaften, dass es einen flüssigen, zumutbaren und berechenbaren Ablauf bei der Grenzkontrolle gibt", sagt er zu Euronews.

Nach seiner Einschätzung liegt das Problem nicht im Konzept des europäischen Systems, sondern in dessen Umsetzung.

"Das EES als öffentliche Politik der Europäischen Union und die Vorteile in Bezug auf Sicherheit, Bekämpfung von Dokumentenbetrug und irreguläre Aufenthalte stehen nicht in Frage. Das Problem ist, dass die Umsetzung nicht gut läuft und dadurch gravierende betriebliche Engpässe entstehen."

Für Lissabon gibt es einen besonderen Grund, so stark betroffen zu sein: "Auf Lissabon lastet ein größerer Druck, weil wir über eine Infrastruktur sprechen, die in vielerlei Hinsicht aus dem vergangenen Jahrhundert stammt, heute aber Anforderungen und einer Politik des 21. Jahrhunderts ausgesetzt ist. Die Infrastruktur stößt schlicht an ihre Grenzen und kann die Menge an Passagieren, die sie empfängt, nicht bewältigen", erklärt António Moura Portugal, der Unternehmen wie TAP, Emirates, United, Lufthansa, Air France und British Airways vertritt.

Für die Fluggesellschaften liegt die Lösung in mehr Flexibilität: "Gefordert wird die Möglichkeit, in Extremsituationen die Erfassung biometrischer Daten vorübergehend auszusetzen, um zu verhindern, dass das System den Passagierfluss komplett blockiert", so der Fluggesellschafts-Verbandschef weiter.

Planungsmängel

Pedro Castro, Gründer von SkyExpert und Berater für kommerzielle Luftfahrtstrategien, sieht die Ursache des Problems in einer Kombination aus technischen und operativen Faktoren.

"Die Verantwortung liegt nicht allein bei der Regierung, denn das System ist ein europäisches und bringt zusätzliche Komplexität mit sich. Aber was ganz offensichtlich nicht funktioniert hat, ist die harte, nüchterne Planung bei der Vorbereitung und Umsetzung", sagt er zu Euronews.

Pedro Castro erinnert daran, dass das EES an den europäischen Flughäfen schrittweise eingeführt wurde. Selbst nach seinem vollständigen Inkrafttreten am zehnten April dieses Jahres habe die Europäische Kommission eingeräumt, dass unter bestimmten Umständen Warteschlangen von bis zu etwa zwei Stunden zu erwarten seien.

"Im konkreten Fall Portugals hat die Regierung im Dezember vergangenen Jahres einfach beschlossen, das EES komplett auszusetzen. Stattdessen wurde eine Taskforce eingerichtet, an der das Justizministerium, das Innenministerium, das Infrastrukturministerium und das Präsidium des Ministerrats beteiligt waren, direkt dem Premierminister unterstellt. Ziel dieser Taskforce war es, das Land auf den zehnten April vorzubereiten. Ich glaube, dass Portugal bei dieser Vorbereitung versagt hat", bewertet der Experte.

Aus seiner Sicht hätte sich die Komplexität bei der Einführung des neuen europäischen Systems durch eine bessere Vorbereitung abfedern lassen: "Wir sprechen über eine Reihe von Problemen – Hardware, die nicht so funktioniert, wie sie sollte, Software mit Fehlern, wenig abgestimmte Abläufe und eine Personalausstattung, die nicht zur Nachfrage passt."

Zur Frage, ob sich die Situation im Sommer in der Hochsaison noch zuspitzen wird, legt sich der SkyExpert-Direktor nicht fest. "Prognosen gibt es erst nach dem Spiel", sagt er und fügt hinzu, dass die jüngsten Maßnahmen vorerst ausreichend wirken mögen, doch "angesichts dessen, was Portugal üblicherweise tut, nämlich auf Übergangslösungen zu setzen", sei es wahrscheinlich, dass man später feststellen werde, "dass es doch nur ein Pflaster war".

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