Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Walisischer Geheimtipp: Einstieg in die Welt von Super Furry Animals

Wales' bester, meist unterschätzter Musikexport: Super Furry Animals im Porträt
Super Furry Animals: Walisischer Geheimtipp und größter Musikexport Copyright  Creation - Placid Casual - Epic - Rough Trade
Copyright Creation - Placid Casual - Epic - Rough Trade
Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Schon von ihnen gehört? Sehr gut – dann überlebst du die Säuberung. „Super Furry was?“ Kein Problem, wir bringen dich auf den neuesten Stand.

Wer an walisische Musiker denkt, landet meist bei Bonnie Tyler oder Tom Jones. Kenner nennen außerdem Manic Street Preachers, Feeder, Funeral For A Friend, Stereophonics, Catatonia und The Joy Formidable. Doch selbst sie vergessen oft die wichtigste Band aus Cymru: Super Furry Animals.

WERBUNG
WERBUNG

Falls Sie sie noch nicht entdeckt haben: Die walisische Rockband gründete sich 1993 in Cardiff. Frontmann ist Sänger und Gitarrist Gruff Rhys; in einer frühen Phase sang zeitweise Schauspieler Rhys Ifans. Das fünfköpfige Ensemble stand an der Spitze dessen, was viele in den Neunzigern als Wiedergeburt der walisischen Kultur bezeichneten.

Während Oasis und Blur um die Seele des Britpop stritten, überließen Super Furry Animals diesen Kleinkrieg den anderen und zogen ihr eigenes Ding durch – einen schwindelerregenden Mix aus schrägem Pop, Psychedelic Rock und experimenteller Finesse, der kaum weiter von den damaligen Trends entfernt sein konnte.

Über neun Studioalben – von „Fuzzy Logic“ aus dem Jahr 1996 (nach ihrer Debüt-EP „Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyndrobwllantysiliogogogochynygofod (In Space)“) über „Mwng“ von 2000 (das einzige Album mit ausschließlich walisischen Texten) bis zu ihrem bislang letzten Werk „Dark Days / Light Years“ von 2009 – zeigen SFA, dass sie zu den ambitioniertesten, einfallsreichsten und stiloffensten Indie-Bands überhaupt gehören.

Und dieser unfassbare EP-Titel „Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyndrobwllantysiliogogogochynygofod“? Dahinter steckte der Versuch, einen Guinness-Weltrekord für den längsten EP-Namen aufzustellen. Übersetzt heißt das in etwa „frecher Rauch“ – eine Anspielung auf Cannabis.

In diesem Monat bringen Super Furry Animals „Precreation Percolation“ heraus, eine Sammlung von Raritäten, B-Seiten und Demos. Wir würden lügen, wenn wir behaupteten, das sei der ideale Einstieg, falls Sie die Band nicht kennen. Es ist ein ausuferndes Ungetüm von einem Album, das Hardcore-Fans begeistert, die die frühen Jahre der Band neu entdecken wollen. Neulinge fühlen sich davon aber leicht überfordert.

Mit diesem Vorbehalt im Hinterkopf: Hier unser Rückblick auf das innovative, oft unterschätzte Gesamtwerk der Band – eine sortierte Top-fünf-Einstiegshilfe.

Also los – oder auf Walisisch: dyma ni'n mynd ...

Rings Around The World (2001)

Rings Around The World
Rings Around The World Epic

Die ersten drei Alben in diesem Ranking ließen sich im Grunde beliebig tauschen. Irgendjemand musste aber gewinnen – und den Spitzenplatz erhält „Rings Around The World“, das fünfte Studioalbum von SFA. Wahrscheinlich ihr rundestes Werk, zugleich aber auch ihr vielfältigstes. Hier treffen Prog-Psych, radiotaugliche Hits und eine ideale Mischung aus experimenteller Produktion und sofort einprägsamen Melodien aufeinander. Es gibt zu viele starke Songs, um ein paar klare Favoriten zu küren. Von „(Drawing) Rings Around The World“ und „It’s Not The End Of The World“ über „Juxtapozed With U“ bis „Run! Christian, Run!“ macht diese Platte von vorn bis hinten Spaß. Sie ist der beste Einstieg in die Diskografie von Super Furry Animals und ein Pflichtalbum für alle, die Alternative Rock lieben.

Anspieltipp: Schwer, sich zu entscheiden – aber probieren Sie „Juxtapozed With U“.

Fuzzy Logic (1996)

Fuzzy Logic
Fuzzy Logic Creation

Auch Platz zwei war eine knappe Entscheidung. Aber am Debütalbum „Fuzzy Logic“, diesem herrlich spleenigen Programm der Furries, führt kein Weg vorbei. Und: Die Platte wird in diesem Jahr dreißig. Schon beim ersten Album machten Super Furry Animals klar, dass sie mit dem etablierten Britpop-Sound wenig anfangen konnten – und sehr genau wussten, wie ihr eigener, von Glam Rock gefärbter Psychedelic-Sound zu klingen hatte. Herausragend sind „God! Show Me Magic“, das wunderbare „If You Don’t Want Me To Destroy You“, das Beach-Boys-hafte „Bad Behaviour“ und ihr Top-20-Hit „Something 4 The Weekend“. Und das Cover? Darauf sind mehrere Polaroids des walisischen Drogenschmugglers, Volkshelden und Aktivisten für eine liberalere Drogenpolitik Howard Marks zu sehen. Übermäßigen Konsum des sogenannten Teufelskrauts wollen wir natürlich nicht empfehlen – aber sagen wir es so: Dieses Album taugt hervorragend als Soundtrack für genau solche Abende.

Anspieltipp: „Something 4 The Weekend“ – vor allem wegen des zum Niederknien schönen Refrains.

Radiator (1997)

Radiator
Radiator Creation

Zwischen „Radiator“ und „Fuzzy Logic“ war es ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Das zweite Studioalbum von SFA wirkt noch ausgefeilter und kreativer. Gleichzeitig gibt es nur wenige Debüts, die so viel Selbstbewusstsein und Spielfreude versprühen wie „Fuzzy Logic“, deshalb bleibt „Radiator“ hier auf Platz drei. Das Album bietet surreale Texte (im Song „Play It Cool“ etwa: Dormant vices turned on their devices / Now she's raising money for the sex appeal / And when she grazed her knee upon the astroturf / All her blood turned green as the TV screamed), Pop-Perlen wie „Demons“, großartige Songtitel à la „The International Language Of Screaming“ und Fanlieblinge wie „Hermann ♥'s Pauline“. Ein meisterhaftes Album, das Super Furry Animals als europäisches Gegenstück zu The Flaming Lips etablierte.

Anspieltipp: „Hermann ♥'s Pauline“. (Ja, er liebt sie wirklich.)

Phantom Power (2005)

Phantom Power
Phantom Power Epic

„Phantom Power“ startet mit einem brillanten Dreierpack: „Hello Sunshine“, „Liberty Belle“ und „Golden Retriever“. Wahrscheinlich der stärkste Albumauftakt der Band. Die Platte wirkt wie die ideale Schwester zu „Rings Around The World“. Am Ende steht außerdem der vielleicht beste Schlusssong der Furries, „Slow Life“. Und die Mitte? Eine Reihe melodiöser, oft sanfter und gelegentlich geradezu entrückter Songs, die wie ein Gegenmittel zu dunklen Zeiten wirken. Warum steht das Album dann nur auf Platz vier? Weil sich „Phantom Power“ an vielen Stellen wie ein inoffizielles Best-of anfühlt, das Elemente der vorherigen fünf Alben bündelt und fein poliert. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber die große Überraschung bleibt für alle, die die Band kennen, aus. Trotzdem: eine fantastische Platte.

Anspieltipp: „Golden Retriever“ – ein absoluter Edelstein.

Guerrilla (1999)

Guerrilla
Guerrilla Creation

„Guerrilla“ markierte einen Wendepunkt für die Furries. Nach der fantastischen „Ice Hockey Hair“-EP erweitert die Band ihre Klangpalette um deutlich mehr elektronische Elemente. Sie experimentierten intensiver mit Samplern und holten tanzbare, teilweise fast technoide Sounds in ihren Psychedelic-Pop. Die Single „Northern Lites“ mit ihren Calypso-Bläsern und Steel Drums steht exemplarisch für den sonnigen Ton von „Guerrilla“, während „Do Or Die“ bunter, herrlich bescheuerter Rock in nur zwei Minuten ist. Ein paar Füller gibt es, insgesamt aber ist dieses Album deutlich unterbewertet.

Anspieltipp: „Northern Lites“ – diese Bläser sind unschlagbar.

Super Furry Animals’ „Precreation Percolation“ ist jetzt erschienen. Die Band tourt noch bis September durch das Vereinigte Königreich. Hoffentlich geht es danach bald wieder ins Studio.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Foo Fighters sind zurück: Urteil zum Album „Your Favorite Toy“ und wichtigste Alben

Walisischer Geheimtipp: Einstieg in die Welt von Super Furry Animals

Iran zieht sich von Biennale Venedig zurück: Spannungen im Nahen Osten bleiben hoch