Sotheby’s Frankreich versteigert 28 Werke aus der Schlumberger-Sammlung für über 40 Millionen Euro: vier Monet-Gemälde, Werke von Cézanne und Moreau sowie eine Skulptur von Camille Claudel.
Zwischen 22 und 30 Millionen Euro. So hoch ist die bislang höchste Schätzung für ein Gemälde, das in Frankreich versteigert wird. So viel könnte ein Käufer für „Iris“ von Claude Monet ausgeben.
Am 22. Oktober kommt das Bild bei Sotheby's unter den Hammer, zusammen mit weiteren Werken aus der Privatsammlung der Familie Schlumberger.
Das monumentale Spätwerk entstand gegen Ende von Monets Leben. Restauratoren bescheinigen der Leinwand einen außergewöhnlich guten Zustand. „Sie trägt keinen Firnis, liegt auf ihrem ursprünglichen Gewebe und wurde nie restauriert. Sie zeigt sich genau so, wie Monet sie vor hundert Jahren gemalt hat“, erklärt Thomas Bompard, Co-Leiter der Abteilung Moderne und Zeitgenössische Kunst bei Sotheby's Frankreich.
Schlumberger-Salon bewahrt Monets Leinwände
Jedes Detail zählt. Nach Einschätzung der Kunsthistorikerin Marianne Mathieu verändert ein Firnis die Farbwirkung eines Gemäldes. Eine Restaurierung könnte zudem die reliefartige Oberfläche der Malerei beschädigen. „Der späte Monet arbeitet mit der materiellen Fülle der Farbe. Um das wirklich zu entdecken und zu verstehen, muss diese Substanz erhalten bleiben. Die pastosen Farbschichten sind noch vorhanden.“
„Iris“ hing rund ein Jahrhundert lang im Salon der Familie Schlumberger. Auch „Saule pleureur“, das ebenfalls versteigert wird und auf neun bis zehn Millionen Euro geschätzt ist, hat den Raum nie verlassen.
Vor allem aber hat die breite Öffentlichkeit diese Werke nie in Farbe gesehen. Jeanne Schlumberger (1889–1983), „eine brillante Kunstsammlerin“, erwarb sie direkt bei der Familie des Malers. Vermittelt wurde der Kauf durch die „visionäre Galeristin“ Katia Granoff, erläutert Thomas Bompard. Die Bilder kamen also ohne den Umweg über einen Auktionssaal in die Sammlung.
„Viele Menschen kannten die Geschichte oder zumindest die Existenz dieser Sammlung. Man munkelte, es seien die schönsten Monet-Gemälde von Paris, doch nur sehr wenige hatten sie tatsächlich gesehen. Genau das löst heute diese besondere Spannung aus“, sagt er.
Sammlung auf 40 Millionen Euro geschätzt
Ein weiterer Grund für die hohen Preise ist das hundertste Todesjahr des Impressionisten, der am fünften Dezember 1926 starb. Ende September beginnen in Paris zwei Ausstellungen über das Leben des Malers: „Monet, peindre le temps“ und „Histoires de paysages, de Monet à Hockney“.
Insgesamt bringt Sotheby's 28 Werke zur Auktion, der Gesamtwert wird auf mehr als 40 Millionen Euro geschätzt. Darunter sind vier Monets, eine Skulptur von Camille Claudel sowie mehrere Gemälde von Gustave Moreau.
Außerdem kommt eine Wandkomposition aus drei Arbeiten von Paul Cézanne in den Verkauf. Das zentrale Bild „La Ferme“ ist „das größte Werk des Künstlers, das je bei einer Auktion angeboten wurde“ und wird auf 600.000 bis 800.000 Euro taxiert.
Diese drei Gemälde sind als „trésors nationaux“ eingestuft. Der Status soll über einen Zeitraum von 30 Monaten einen möglichen Erwerb durch den Staat erleichtern.