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Russland übernimmt Kontrolle über Vermögenswerte von Nestlé und französischen Konzernen

Archivbild: Kunden verlassen nach dem Einkauf einen Laden des französischen Händlers Auchan in St. Petersburg, Russland, Donnerstag, 24. Okt. 2024.
Archiv: Kunden gehen nach ihren Einkäufen durch eine Filiale des französischen Händlers Auchan in St. Petersburg, Russland, Donnerstag, 24. Oktober 2024. Copyright  AP Photo/Dmitri Lovetsky
Copyright AP Photo/Dmitri Lovetsky
Von Doloresz Katanich mit AFP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Russland stellt die Russland-Geschäfte von Nestlé, Auchan und weiteren Westkonzernen unter vorläufige Verwaltung. Nestlé prüft Optionen, Auchan und Lemana Pro melden normalen Betrieb.

Ein wenig bekanntes russisches Unternehmen namens L.E.V. Management hat vorübergehend die Kontrolle über 16 mit Nestlé, Auchan und mehreren anderen westlichen Konzernen verbundene Unternehmen übernommen.

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Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am Donnerstag ein Dekret, das die Verwaltung der Anteile und Aktien dieser 16 russischen Firmen der Gesellschaft überträgt.

Damit verschärft Moskau seine Kontrolle über westliches Vermögen. Der Schritt steht im Zusammenhang mit dem Konflikt mit westlichen Staaten über die Sanktionen nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine.

„Natürlich war einer der Faktoren, die bei dieser Entscheidung berücksichtigt wurden, dass es sich um unfreundliche Staaten handelt, die sich derzeit am aktivsten an militärischen Operationen gegen unser Land beteiligen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag auf einer Pressekonferenz.

Betroffen sind unter anderem Nestlé Russia, Nestlé Kuban, die russische Tochter des französischen Handelskonzerns Auchan, zwei lokale FM-Logistic-Gesellschaften sowie Le Monlid, das die frühere Baumarktkette Leroy Merlin nun unter der Marke Lemana Pro betreibt.

Nach Angaben russischer Juristen, die die Wirtschaftszeitung Kommersant zitiert, bedeutet die Maßnahme weder eine formelle Enteignung noch eine Änderung der Eigentümerstruktur. In der Vergangenheit ging eine solche vorübergehende Verwaltung jedoch oft einem Verkauf oder einer Übertragung westlicher Vermögenswerte an russische Käufer voraus.

L.E.V. Management wurde im Oktober 2024 in Moskau registriert, die Anteilseigner sind nicht öffentlich bekannt. Laut Kommersant wies das Unternehmen in den öffentlich zugänglichen Abschlüssen für 2025 keine nennenswerte Geschäftstätigkeit aus.

Am 10. September ernannte man Andrei Krajuschkin zum Generaldirektor, eine Woche vor Erlass des Dekrets. Das unabhängige Medium Novaya Gazeta Europe berichtete, Name und Geburtsdatum stimmten mit denen eines Generalmajors des russischen Innenministeriums überein. Unabhängig bestätigt ist das nicht.

Die meisten westlichen Konzerne verkauften ihre russischen Aktivitäten nach Beginn des groß angelegten Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 rasch oder kapselten sie ab. Inzwischen erschwert Russland den Rückzug ausländischer Unternehmen zunehmend, verlangt für Transaktionen eine präsidiale Genehmigung und stellt einzelne Vermögenswerte unter vorläufige Verwaltung.

In einer Erklärung teilte Nestlé mit, man „prüfe die Situation und die möglichen Schritte“.

„Nestlé verpflichtet sich, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um seine Rechte zu schützen und die Kontinuität der Geschäftstätigkeit im Interesse aller Anspruchsgruppen, insbesondere der Mitarbeitenden, sicherzustellen“, hieß es weiter.

Nestlé beschäftigt in Russland rund 7.000 Menschen und betreibt dort sechs Werke. Der Konzern hat die meisten nicht zwingend notwendigen Verkäufe, Importe und Exporte sowie Werbung und Investitionen ausgesetzt, liefert aber weiter Produkte, die er als unverzichtbar einstuft.

Nach Einschätzung von Jean-Philippe Bertschy von der Schweizer Investmentbank Vontobel dürfte die finanzielle Belastung begrenzt bleiben. Russland steuere derzeit nur noch rund 1 % zum Konzernumsatz von Nestlé bei, zuvor waren es etwa 2 % gewesen.

Auchan Retail Russia erklärte gegenüber dem russischen Wirtschaftssender RBC, man habe die Behörden um eine Präzisierung des Dekrets gebeten und werde sich nach Erhalt weiterer Informationen ausführlicher äußern. Die Filialen und andere Einrichtungen arbeiteten demnach weiter normal.

Auchan beschäftigt in Russland rund 30.000 Menschen und betreibt etwa 230 Filialen sowie einen Onlinehandel.

Lemana Pro sagte Kommersant, man habe bislang keine offizielle Mitteilung der Behörden erhalten und setze den Geschäftsbetrieb unverändert fort.

Die französische Muttergesellschaft von Leroy Merlin, Adeo, hatte die Kontrolle über das Russland-Geschäft 2023 an das lokale Management übertragen. Der Betrieb wurde später in Lemana Pro umbenannt und umfasst inzwischen 112 Märkte.

FM Logistic hatte sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht öffentlich geäußert.

Der Schritt erinnert an die Übernahme des Russland-Geschäfts von Danone im Jahr 2023. Zunächst stand es unter der Verwaltung von Jakub Sakriew, einem Neffen des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow, bevor Danone den Betrieb 2024 mit deutlichem Abschlag veräußerte.

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