Eine neue Studie zeigt: Inhalte, die Jugendliche in sozialen Netzwerken sehen, prägen, wie sie über Alkohol denken und wie sie sich verhalten.
Beiträge in sozialen Medien, in denen Influencer Alkohol trinken, steigern bei jungen Menschen die Lust auf Konsum. Das hat eine neue Studie ergeben.
Die Untersuchung von Rutgers Health und der Harvard University, veröffentlicht im Fachjournal JAMA Pediatrics, belegt: Wer in sozialen Medien Alkohol sieht, verspürt häufiger den Wunsch zu trinken.
„Wir wollten über bloße Zusammenhänge hinausgehen und eine zeitliche Reihenfolge nachweisen, das heißt: Der Wunsch zu trinken sollte nach dem Ansehen der Inhalte auftreten“, sagte Jon-Patrick Allem, Hauptautor der Studie an der Rutgers School of Public Health in New Jersey.
Junge Erwachsene, die Beiträge von Influencern mit Alkohol sahen, bekamen deutlich häufiger Lust auf ein Getränk als jene, die ähnlich gestaltete Posts derselben Influencer ohne Alkohol sahen.
Teilnehmende, die die Influencer als besonders glaubwürdig empfanden, wollten noch deutlich häufiger trinken.
Allem betonte, dass keines der Videos ein offensichtlicher Werbespot für Alkohol war. Die Inhalte wirkten subtiler als klassische Werbung – so, wie Menschen alkoholbezogene Szenen im Alltag in ihren Social-Media-Feeds sehen.
„Es waren einfach Ausschnitte aus dem täglichen Leben der Influencer im Video“, so Allem.
Wie lief das Experiment ab?
Für die Studie wurden insgesamt zweitausend Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren in den Vereinigten Staaten in zwei Gruppen eingeteilt.
Beide Gruppen sahen zwanzig simulierte Instagram-Posts von Lifestyle-Influencern. In der ersten Gruppe tranken oder präsentierten die Influencer Alkohol. Die zweite Gruppe sah dieselben Influencer, aber ohne Alkohol.
In einem Beispiel bereitete ein Paar das Abendessen zu und trank dabei Wein. Andere sahen eine fast identische Küchenszene, nur dass das Paar heiße Schokolade trank.
Nachdem die Forschenden Faktoren wie tägliche Social-Media-Nutzung, bisherigen Alkoholkonsum und frühere Kontakte mit Alkoholwerbung berücksichtigt hatten, zeigte sich: Wer in den Videos Alkohol gesehen hatte, berichtete mit um 73 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit von gesteigerter Trinklust.
Alkoholkonsum bei jungen Menschen
Trends beim Alkoholkonsum junger Menschen in Europa zeigen weiter nach unten: Sowohl der Gesamtverbrauch als auch Rauschtrinken sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückgegangen, wie das European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs (ESPAD) berichtet.
„Jahrzehntelange Forschung zeigt: Je früher jemand den ersten Schluck Alkohol nimmt, desto wahrscheinlicher sind später alkoholbedingte Probleme“, sagte Alex Russell, Mitautor der Studie an der Harvard Medical School.
Er ergänzte, ein späterer Einstieg ins Trinken sei eine zentrale Präventionsstrategie. Da Online-Räume wie soziale Medien das Trinkverhalten von Jugendlichen immer stärker prägen, müssten Präventionsbemühungen auch diese digitalen Umgebungen in den Fokus nehmen.