Ärzte haben einer Frau erstmals im Land eine Gebärmutter eines toten Spenders eingesetzt; in ganz Europa ist es erst der dritte Eingriff überhaupt.
In Großbritannien hat erstmals eine Frau ein Kind zur Welt gebracht, nachdem ihr die Gebärmutter einer verstorbenen Spenderin transplantiert worden war. Für das wegweisende Forschungsprogramm des Landes ist das ein weiterer Meilenstein.
Grace Bell, die ohne Gebärmutter zur Welt kam, brachte im Dezember 2025 im Queen Charlotte’s and Chelsea Hospital per Kaiserschnitt einen gesunden Jungen zur Welt: Hugo Richard Norman Powell.
Sie ist erst die zweite Frau im Vereinigten Königreich, die nach einer Gebärmuttertransplantation ein Kind bekommen hat – und die erste nach einer Spende einer verstorbenen Frau. Das Forschungsteam geht davon aus, dass Hugo in Europa erst das dritte Kind ist, das nach einer Gebärmuttertransplantation mit einer verstorbenen Spenderin geboren wurde.
„Ich finde keine Worte, um meiner Spenderin und ihrer Familie genug zu danken. Ihre Freundlichkeit und Selbstlosigkeit gegenüber einer völlig Fremden ist der Grund, warum ich mir meinen lebenslangen Traum erfüllen konnte, Mutter zu werden“, sagte Bell.
„Ich hoffe, sie wissen, dass mein Kind immer von ihrem unglaublichen Geschenk erfahren wird – und von dem Wunder, das ihn auf diese Welt gebracht hat“, fügte sie hinzu.
Wie die Transplantation möglich wurde
Die Transplantation erfolgte im Rahmen der britischen Studie „Investigational Study into Transplantation of the Uterus“ (INSITU), eines genehmigten Forschungsprogramms, das von der Wohltätigkeitsorganisation Womb Transplant UK finanziert wird.
Die Eltern der Spenderin äußerten sich „unglaublich stolz auf das Vermächtnis“, das ihre Tochter hinterlasse. „Durch die Organspende hat sie anderen Familien das kostbare Geschenk von Zeit, Hoffnung, Heilung und nun auch Leben gemacht.“
Nach der Operation ließ Bell in der Lister Fertility Clinic in London eine IVF-Behandlung mit anschließendem Embryotransfer durchführen. Die Ärzte begleiteten ihre Schwangerschaft engmaschig.
Professor Richard Smith, der das britische Forschungsteam zu Gebärmuttertransplantationen mit leitet, sagte: „Ich freue mich sehr für Grace, Steve und ihre Familie. Es war einfach wunderbar, bei der Geburt dabei zu sein und zu sehen, wie Baby Hugo auf die Welt kam – nach unserem gemeinsamen Weg mit dieser Familie und den vielen Jahren Forschung, die uns zu diesem Moment geführt haben.“
„All das war nur möglich, weil sich die Familie der Spenderin nach dem tragischen Verlust ihrer eigenen Tochter zur Organspende entschieden hat. Diese Entscheidung hat letztlich zur Geburt eines gesunden Jungen geführt. Ich werde ihnen, aber auch jeder anderen Familie, die unser Programm bisher unterstützt hat, auf ewig dankbar sein“, fügte er hinzu.
„Ein gewaltiger Meilenstein“
Isabel Quiroga, die das britische Forschungsteam zu Gebärmuttertransplantationen ebenfalls leitet, erklärte: „Das ist ein gewaltiger Meilenstein. Er gibt Frauen ohne Gebärmutter, die sich eine Familie wünschen, neue Hoffnung. Es ist die einzige Behandlung, die ihnen ermöglicht, ihr eigenes Kind auszutragen und zu gebären – und damit eine weitere Option neben Adoption oder Leihmutterschaft.“
Bell hofft, dass der Durchbruch künftig auch anderen hilft: „Ich wünsche mir, dass diese Möglichkeit zur Mutterschaft eines Tages viel leichter zugänglich wird, damit andere die gleiche Chance bekommen wie ich.“