Erstmals steht mit José Luis Rodríguez Zapatero ein früherer Regierungschef Spaniens als Beschuldigter im Visier der Justiz. Laut Ermittlern soll er ein Netzwerk angeführt haben, das politische Kontakte zu Geld machte.
Die spanische Nationalpolizei hat bei der Durchsuchung des Büros des ehemaligen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero Schmuck und Uhren in einem Tresor entdeckt. Die Maßnahme war von dem Gericht "Audiencia Nacional" im Rahmen des Falls "Plus Ultra" angeordnet worden.
Ermittler der "Unidad de Delincuencia Económica y Fiscal" (UDEF), einer spanischen Spezialeinheit für Wirtschafts- und Finanzkriminalität, erschienen in dem Büro gegenüber der Parteizentrale der sozialdemokratischen PSOE in der Calle Ferraz in Madrid, begleitet vom Grupo Operativo de Intervenciones Técnicas (GOIT), einer Spezialeinheit für das Öffnen von Tresoren und versteckten Zugängen.
Bei der Durchsuchung stellten die Beamten zudem Festplatten, Aktenordner und verschiedene Unterlagen sicher. Im Tresor befanden sich Ketten, Ohrringe, Ringe, Armreifen und mehrere Uhren, teils mit Gravuren. Die Sekretärin des Ex-Regierungschefs erklärte, der Schmuck stamme aus einem Erbe von Zapateros Ehefrau.
Außerdem beschlagnahmte die Polizei zwei aus einem Computer entnommene Festplatten sowie zahlreiche Unterlagen zu Firmen, Verträgen und Rechnungen. Auch mehrere Terminkalender des ehemaligen Regierungschefs aus den Jahren 2019 bis 2025 wurden sichergestellt.
Nach Angaben der Polizei übergaben zwei Mitarbeiterinnen des Büros freiwillig die Zugangscodes zu elektronischen Geräten. Zudem wurden Mappen sichergestellt, die mit Unternehmen in Verbindung stehen sollen, gegen die wegen mutmaßlicher Geldtransfers im Umfeld Zapateros ermittelt wird.
Bis zu seiner Aussage vor Richter José Luis Calama von der Audiencia Nacional am 2. Juni bereitet Zapatero seine Verteidigung vor. Er möchte, dass der Ermittlungsrichter seine Erklärung zuerst anhört.
Bereits am 19. Mai hatte Richter Calama vier Durchsuchungen angeordnet und die UDEF beauftragt, Datenträger von Gertrudis Alcázar, der persönlichen Sekretärin des ehemaligen sozialistischen Regierungschefs, zu sichern. Gegen Zapatero wird wegen eines mutmaßlichen Einflussnetzwerks und damit verbundener Straftaten ermittelt.
Zapatero: "Die ganze Affäre ist eine Art Verfolgung"
Zapatero betont, der im Tresor gefundene Schmuck stamme aus Erbschaften seiner Mutter und Schwiegermutter sowie aus Geschenken. Er erklärte, die Wertsachen würden im Büro aufbewahrt, weil das Ehepaar nach dem Verkauf der eigenen Wohnung zur Miete lebe und dort kein Tresor vorhanden sei.
Laut seiner persönlichen Sekretärin Gertrudis Alcázar gehört der Tresor Zapatero und seiner Ehefrau Sonsoles Espinosa. Ein Teil des Schmucks stamme aus Erbschaften, ein anderer aus Reisegeschenken. Unter den sichergestellten Gegenständen befanden sich Uhren, Ohrringe und Armreifen mit Gravuren.
In der Wohnung des Unternehmers Julio Martínez Martínez, eines Freundes Zapateros und laut Ermittlungen mutmaßlichen Strohmanns, fand die Nationalpolizei insgesamt 286.070 Euro Bargeld. Das Geld lag in Tüten, Schachteln und Schubladen, teils versteckt in einem Kulturbeutel und in einem Heizkörper. Zudem wurden neun Uhren und 14 Mobiltelefone sichergestellt.
Die Durchsuchung erfolgte am 11. Dezember 2025 nach seiner Festnahme in seiner Wohnung im Madrider Stadtteil Salamanca. Laut Ermittlungsbeschluss zum Fall Plus Ultra spielte der Einsatz von Spürhunden eine entscheidende Rolle beim Auffinden des versteckten Geldes.
Dem Protokoll zufolge fand die Polizei unter anderem 4.550 Euro in einer Reisetasche, 49.900 Euro in einer Papiertüte im Bad und weitere 25.000 Euro in einer Plastiktüte – sämtlich in 50-Euro-Scheinen. Hinzu kamen 10.000 Euro in einer Golftasche, 30.000 Euro in einer weiteren Papiertüte, 5.270 Euro in einem Kulturbeutel sowie 50.000 Euro im Inneren eines Heizkörpers.
Mutmaßliches Netzwerk der Einflussnahme
Der Richter prüft, ob Zapatero in ein mutmaßliches Netzwerk der Einflussnahme verwickelt war, das mit der Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra während der Pandemie und einer Beihilfe von 53 Millionen Euro zusammenhängt. Nach Einschätzung der UDEF soll Julio Martínez eine Firmenstruktur geführt haben, von der Zapatero und sein Umfeld besonders profitiert hätten.
Berichten der spanischen Presse zufolge erhielt Martínez Martínez von der venezolanischen Fluggesellschaft insgesamt 598.910,07 Euro auf Konten von drei Firmen ohne Beschäftigte: 301.290 Euro bei Análisis Relevante, 141.772,71 Euro bei Voli Analítica und 155.847,36 Euro bei IOT Domotic.
Besonders auffällig sei laut UDEF, dass "die drei Gesellschaften in den Geschäftsjahren, in denen sie diese Einnahmen erzielten, über kein eigenes angestelltes oder vertraglich gebundenes Personal verfügten".
Zudem identifizierte die Nationalpolizei zwei weitere Firmen von Julio Martínez Martínez – Caleton und Summer Wind –, die laut Ermittlern als zwischengeschaltete Gesellschaften gedient haben sollen, um die Herkunft eines Teils der Plus-Ultra-Geldströme im Umfeld von Rodríguez Zapatero zu verschleiern.