Ein portugiesisches Familiengericht hat entschieden, die Brüder im Alter von vier und fünf Jahren in ihr Herkunftsland Frankreich zurückzuschicken. Die Mutter und ihr Lebensgefährte verhalten sich vor der Justiz sehr seltsam.
Die beiden französischen Kinder, die von ihre Mutter und deren Lebensgefährten in der vergangenen Woche bei Alcácer do Sal in Portugal allein zurückgelassen wurden, sollen in Kürze nach Frankreich heimkehren. Das hat das Familien- und Jugendgericht von Santiago do Cacém entschieden, wie aus einer Mitteilung des Gerichtsbezirks Setúbal hervorgeht, die Euronews vorliegt.
Dem Dokument zufolge haben die französischen Behörden im Rahmen der justiziellen Zusammenarbeit beschlossen, die kleinen Jungs Zacharie und Barthélemy den Sozialdiensten von Colmar in der Region Elsass anzuvertrauen, wo sie normalerweise leben. Die dortigen Behörden nun, ob andere Angehörige, vor allem der Vater, geeignet sind, die Kinder zu betreuen.
Auf dieser Grundlage ordnete das portugiesische Gericht die Rückführung der Kinder in ihren gewöhnlichen Aufenthaltsstaat an. Welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden, liegt nun in der Hand der französischen Behörden.
Jungs mit verbundenen Augen zurückgelassen
Marine R., 41, und Marc B., 55, sitzen in Untersuchungshaft. Die Justiz wirft ihnen nach dem Aussetzen der beiden Minderjährigen unter besonders grausamen Umständen mehrere Straftaten vor. Der Fall sorgt seit der vergangenen Woche für Schlagzeilen.
Das französische Paar brachte die beiden Jungen von vier und fünf Jahren mit verbundenen Augen in ein Gebüsch an der Straße zwischen Alcácer do Sal und Comporta. Sie erklärten das als „Spiel“, bei dem die Kinder ein Spielzeug finden sollten, und ließen sie dann zurück.
Bevor die Mutter mit den zwei jüngeren Kindern nach Spanien fuhr, um ihren neuen Partner zu treffen, hatte sie den ältesten Sohn, einen 16-jährigen Teenager, allein zu Hause gelassen.
Später überquerte das Paar die Grenze nach Portugal und setzte die zwei Jungen aus – ein Verhalten, das die Behörden noch zu verstehen versuchen.
Der "Nationalheld", der die Kinder rettete
Zacharie und Barthélemy wurden von dem Bäcker Alexandre Quintas gefunden, den viele seither inoffiziell als "Nationalhelden" feiern, weil er die Kinder rettete.
Quintas nahm die beiden Brüder mit nach Hause, wo sie mit seinen eigenen Kindern spielten, und verständigte die GNR. Zudem stellte er den Kontakt zu einer französischen Staatsbürgerin her, die die Aussage der Brüder übersetzte. So konnten die Kinder die Einzelheiten des Geschehens schildern.
Portugal: Paar in U-Haft versucht Verwirrung vorzutäuschen
Die flüchtige Frau und ihr Partner wurden in einem Café in Fátima festgenommen, mehr als 200 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem sie die Jungen zurückgelassen hatten.
Als sie am Freitag am Gericht in Setúbal eintrafen, wirkten beide, als wollten sie einen Zustand geistiger Verwirrung vortäuschen: Die Frau sang Opernarien, der Mann rief „je vous aime“ („Ich liebe euch“) in Richtung der Polizisten und der anwesenden Medienvertreter.
Inzwischen hat sich auch der Vater der Kinder zu Wort gemeldet. Der Mann, der anonym bleiben möchte, schrieb einen offenen Brief an den Sender Ici Alsace TV. Darin erklärt er, er denke „in jeder Sekunde an sie, seit die Polizeiwache in Colmar mich über ihr Verschwinden informiert hat“ und dass „es nur eine Frage von Tagen ist, bis ich sie wiederbekomme“. Er warte nur noch auf grünes Licht der Behörden.
Der Vater hat derzeit nur ein eingeschränktes, beaufsichtigtes Umgangsrecht mit den Kindern. Deshalb prüfen die Behörden nun genau, ob eine mögliche Rückübertragung der beiden Minderjährigen vertretbar ist.
Solche beschränkten Besuchsrechte ordnen Familiengerichte in bestimmten Situationen an, etwa bei Gewaltvorwürfen, schweren familiären Konflikten oder wenn der Kontakt nach einer langen Trennung schrittweise wieder aufgebaut wird.