Die Regierung Grönlands betont erneut, dass sie mehr ausländisches Gesundheitspersonal und ein stärkeres Gesundheitssystem braucht, nachdem die USA mangelnde Patientenversorgung beklagt haben.
Der ehemalige US-Präsident Donald Trump will ein Hospitalschiff nach Grönland schicken. Es solle sich „um die vielen Menschen kümmern, die krank sind und dort nicht versorgt werden“, schrieb er am 22. Februar auf Truth Social.
Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen wies das Angebot zurück. Die Gesundheitsversorgung im Land sei für alle kostenlos – etwas, das die Vereinigten Staaten nicht bieten könnten, sagte er.
Ganz aus der Luft gegriffen sind Trumps Aussagen allerdings nicht. Grönland tut sich seit Langem schwer, genügend medizinisches Personal zu gewinnen und zu halten. Die Regierung will gegensteuern, etwa mit erleichterten Aufenthaltstiteln für Fachkräfte.
Anna Wangenheim, Grönlands Ministerin für Gesundheit und für Menschen mit Behinderungen, erklärte auf Facebook (Quelle auf Englisch), man arbeite daran, das Gesundheitssystem zu stärken, und der politische Wille wachse, mehr Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren.
Wangenheim fügte hinzu, Grönland werde keine Hilfe grundsätzlich ablehnen – „auch nicht aus den Vereinigten Staaten“. Medizinisches Fachpersonal, das im Land arbeiten wolle und die Patientinnen und Patienten, die Sprache und die Kultur respektiere, sei willkommen.
Am ersten Januar 2026 lebten mehr als 56.000 Menschen in Grönland, verteilt über riesige Distanzen. Es ist das am dünnsten besiedelte Gebiet der Welt. Rund 20.000 Menschen wohnen in der Hauptstadt Nuuk, der Rest in abgelegenen Städten und Siedlungen.
Belastung des Gesundheitssystems
Im Jahr 2023 lag Grönlands Krankheitslast, gemessen in Disability-Adjusted Life Years (DALYs) pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, bei 38.715. Ein DALY entspricht einem verlorenen gesunden Lebensjahr.
Der entsprechende Wert für Dänemark liegt bei 30.931, der europäische Durchschnitt bei 36.863.
Schätzungen zufolge lebten 2023 etwa eineinhalb Prozent der Bevölkerung Grönlands mit einer Krebserkrankung und 18,8 Prozent mit einer psychischen Störung – in beiden Fällen mehr als im EU-Schnitt.
Auch bei der Lebenserwartung liegt Grönland zurück. Ein neugeborener Junge kann im Schnitt mit 69,3 Lebensjahren rechnen, ein neugeborenes Mädchen mit 73,9 Jahren. Der europäische Durchschnitt liegt bei 81,7 Jahren.
Wie ist das Gesundheitssystem organisiert?
Der Gesundheitsdienst arbeitet an siebzig Standorten. Es gibt rund hundertzwanzig ärztliche Stellen, dauerhaft besetzt sind davon etwa sechzig.
Von den dreihundert Pflegestellen sind laut Trap Greenland, einem digitalen Länderlexikon, das von grönländischen Forschenden erstellt wird, rund zweihundert fest besetzt.
Das System ist in fünf Regionen eingeteilt, jede mit einem eigenen Regionskrankenhaus. Das Königin-Ingrid-Krankenhaus in Nuuk ist zugleich Regionalspital für die Region Sermersooq und nationales Referenzkrankenhaus.
„Außerhalb von Nuuk ist die hausärztliche Versorgung das Rückgrat des Systems“, sagte Henrik Hansen, medizinischer Berater im Ministerium für Gesundheit und für Menschen mit Behinderungen, Euronews Health.
Spezialistinnen und Spezialisten aus Dänemark reisen regelmäßig nach Grönland, um anspruchsvolle Eingriffe vorzunehmen, etwa Augenoperationen. Die meisten anderen chirurgischen Eingriffe, die Innere Medizin und die Psychiatrie sind am Krankenhaus in Nuuk konzentriert.
Für das Gesundheitswesen ist seit 1992 Grönland selbst zuständig. Dennoch stehen einige Leistungen im Gebiet bis heute nicht zur Verfügung.
Herausforderungen bei der Versorgung
Grönlands Gesundheitssystem bewältigt die grundlegenden medizinischen Aufgaben. Anspruchsvollere Eingriffe, hochspezialisierte Behandlungen und komplexe Betreuung finden meist im Nachbarland Dänemark statt.
Hansen erklärte, Krebspatientinnen und -patienten werde angeboten, zur weiterführenden Behandlung wie etwa zur Strahlentherapie nach Dänemark zu gehen, weil Grönland nicht über die nötige Ausrüstung für radioaktive Substanzen verfügt.
Auch invasive kardiologische Eingriffe wie Ballondilatationen, Stents bei verengten Arterien oder Herzklappenersatz stehen in Grönland nicht zur Verfügung. Gleiches gilt für Hämodialyse oder Nierentransplantationen für Menschen mit schweren Nierenerkrankungen.
In seinem Jahresbericht 2025 hält Grönlands Gesundheitsrat fest, man strebe an, möglichst viele Behandlungen nahe am Wohnort der Patientinnen und Patienten durchzuführen. Nur Fälle, die lokal nicht zu schaffen sind, sollen an das Königin-Ingrid-Krankenhaus überwiesen werden; nur was dessen Möglichkeiten übersteigt, soll nach Dänemark gehen.
Je spezialisierter eine Behandlung ist, desto schwieriger wird es allerdings, sie vor Ort anzubieten – nicht nur wegen des Personals, sondern auch wegen der nötigen Infrastruktur und der strengen gesetzlichen Vorgaben.
Die Rolle der Telemedizin
Die Geografie bleibt eines der größten Hindernisse für die Versorgung. Von manchen Siedlungen dauert die Reise zu einer Stadt mit Ärztinnen, Ärzten und Klinik tagelang, manchmal sogar wochenlang, und das Wetter sorgt regelmäßig für zusätzliche Verzögerungen.
„Telemedizin hat den Bedarf an persönlichem Kontakt teilweise verändert. Hauterkrankungen werden zum Beispiel inzwischen mit telemedizinischer Unterstützung aus Dänemark diagnostiziert“, sagte Hansen.
Der grönländische Gesundheitsdienst hat 2023 die App Puisa eingeführt. Sie ermöglicht sichere Videokonsultationen zwischen Patientinnen und Patienten zu Hause und medizinischem Personal und soll auch die entlegensten Regionen des Landes erreichen.