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Größte Herausforderung und Chance: die wichtigsten Punkte des Euronews Health Summit

Euronews Gesundheitsgipfel.
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Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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Engpässe bei Arzneimitteln, Europas Gesundheitssouveränität, ethische Grenzen von KI und seelische Gesundheit prägen den Euronews Health Summit in Brüssel.

Beim Euronews Health Summit in Brüssel ging es um Lieferengpässe bei Medikamenten, Europas gesundheitspolitische Souveränität und die ethischen Grenzen von Künstlicher Intelligenz – und die Debatten waren entsprechend lebhaft.

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Hier die wichtigsten Aussagen der Konferenz, die einige der weltweit einflussreichsten politischen Entscheidungsträger und Wirtschaftsgrößen im Gesundheitsbereich zusammenbringt.

Gesundheit bleibt größte Herausforderung: Olivér Várhelyi, EU-Kommission

„Wenn wir dort vereinfachen, wo es sinnvoll ist, Regeln umsetzen und durchsetzen und sie regelmäßig aktualisieren, kommen wir der Zukunft näher, die wir uns wünschen. Einer Zukunft, in der Innovation gedeiht und aus Ideen viel schneller Therapien werden“, sagte EU-Kommissar Olivér Várhelyi.

Die Europäische Union hat vor Kurzem einige der weitreichendsten Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre vorgelegt, etwa das EU-Biotech-Gesetz und eine umfassende Überarbeitung der Arzneimittelvorschriften im Binnenmarkt.

„Gesundheit ist aus meiner Sicht weiterhin die größte Herausforderung, vor der Europa steht – und auch der Teil der Welt, in dem wir leben“, fügte er hinzu.

Gemeinsame Bedrohungen erfordern gemeinsame Antwort: Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, verwies auf zahlreiche gleichzeitige Krisen: Kriege und Vertreibung, Armut, nichtübertragbare Krankheiten, psychische Belastungen und antimikrobielle Resistenzen.

„Keine dieser Gefahren lässt sich isoliert bewältigen. Gemeinsame Bedrohungen verlangen eine gemeinsame Antwort“, sagte Tedros.

Die WHO habe nach dem Austritt der Vereinigten Staaten einen schwierigen Prozess der Neupriorisierung und Neuausrichtung durchlaufen, erklärte er. Nun sei die Organisation wieder stabil und arbeite effizienter und wirkungsvoller.

Protektionismus im Gesundheitsbereich funktioniert nicht: Olivier Girard, DG HERA

Die COVID-19-Pandemie hat Gesundheitssysteme weltweit erschüttert. Seither richtet die EU ihre Gesundheitspolitik stärker auf Krisenvorsorge, den Abbau von Abhängigkeiten und mehr Wettbewerbsfähigkeit aus.

Olivier Girard, Leiter der Einheit für medizinische Gegenmaßnahmen bei der EU-Behörde HERA, fasste die wichtigste Lehre so zusammen:

„Protektionismus funktioniert nicht. Wir müssen Zugang zu den richtigen Arzneimitteln haben – zu denen, mit denen sich die nächste Bedrohung bekämpfen lässt. Dafür ist Innovation entscheidend. Wir brauchen Vielfalt und Spitzentechnologie, um für die nächste Krise gerüstet zu sein.“

EU muss bei KI öffentlichen und privaten Sektor zusammenbringen: Ricardo Baptista Leite, HealthAI

Ricardo Baptista Leite, Chef des Unternehmens HealthAI, verwies auf sehr unterschiedliche Finanzierungsmodelle für KI im Gesundheitswesen in anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten und China.

In den Vereinigten Staaten kommt das Geld vor allem aus der Privatwirtschaft, in China steuert der Staat die Investitionen.

„Gerade darin liegt für Europa die größte Chance: eine Mittelposition einzunehmen und öffentlichen und privaten Sektor enger zusammenzubringen“, sagte Baptista Leite.

Die EU-Institutionen müssten dafür viel enger mit der Privatwirtschaft kooperieren, betonte er.

Grenzen bei KI nicht überschreiten: Fulvia Raffaelli, EU-Kommission

„Die Grenze, die wir nicht überschreiten dürfen, ist die, an der die Sicherheit von Patientinnen, Patienten und anderen Menschen aufs Spiel gesetzt wird“, sagte Fulvia Raffaelli, Leiterin der Einheit Digitale Gesundheit in der Generaldirektion Gesundheit (DG SANTE) der Europäischen Kommission.

Diese Grenze sei bislang aber nicht klar gezogen.

„Wir müssen diese Grenze gemeinsam entwerfen: Sie soll Entwicklerinnen und Entwickler von KI-Werkzeugen mit den Anwendern verbinden und sicherstellen, dass ihre Arbeit bei den Patientinnen und Patienten ankommt“, sagte sie.

Die KI-Reise: Jan-Willem Scheijgrond, Philips

„Wir haben begonnen, wir haben die Startlinie bei KI überschritten. Aber wir sind auf einer Reise, bei der wir noch nicht ganz genau wissen, wohin sie uns führt“, sagte Jan-Willem Scheijgrond, Vizepräsident und globaler Leiter Regierungs- und Öffentlichkeitsarbeit bei Philips.

Angesichts rasanter technischer Fortschritte sei entscheidend, dass KI für Patientinnen, Patienten und die Gesellschaft wirklich einen Nutzen habe und den Zugang zur Versorgung verbessere.

Wie bei jeder medizinischen und technologischen Neuerung müssten Leitplanken gesetzt und fortlaufend überprüft werden, sobald die Technik im Einsatz ist, fügte er hinzu.

„Als wir mit Röntgenstrahlen zu arbeiten begannen, erschien es uns völlig naheliegend, sie durch den Körper von Menschen zu schicken, um Knochen zu betrachten. Dann mussten wir lernen, auch dort Schutzmechanismen und Standards einzuführen und damit zu experimentieren“, sagte Scheijgrond.

Prävention muss in den Mittelpunkt rücken: Lydia Abad-Franch, Sobi

Lydia Abad-Franch, Senior Vice President und Leiterin Forschung, Entwicklung und medizinische Angelegenheiten beim schwedischen Biopharmaunternehmen Sobi, betonte die Bedeutung einer frühen Diagnose, vor allem bei Nierenerkrankungen.

„Die beste Dialyse ist keine Dialyse, und die beste Nierenersatztherapie besteht darin, sie gar nicht zu brauchen“, sagte sie.

Späte Diagnosen hätten gravierende wirtschaftliche, emotionale und soziale Folgen, die sich verhindern ließen, fügte Abad-Franch hinzu.

„Wir erreichen Hochrisikogruppen viel zu spät. Das müssen wir ändern. Es geht um Bewusstsein, frühe Intervention, Bildung und weltweite Aufklärungskampagnen“, sagte sie.

„Wenn Gesundheitssysteme in Schwierigkeiten sind, bricht alles andere zusammen“: Milka Sokolović, European Public Health Alliance

Milka Sokolović, Generaldirektorin der European Public Health Alliance (EPHA), erinnerte daran, dass eine zentrale Lehre aus der COVID-19-Pandemie lautet: Gesundheit ist ein strategisches Gut für Europa.

„Wenn Gesundheitssysteme in Schwierigkeiten geraten, bricht alles andere zusammen. Gesellschaften leiden und mit ihnen alle anderen Bereiche“, sagte sie.

Wo die Zuständigkeiten für Gesundheit liegen – bei der EU oder bei den nationalen Regierungen –, sei letztlich zweitrangig, so Sokolović. Entscheidend sei, „welche Art von Versorgung tatsächlich bei den Patientinnen und Patienten ankommt“.

„Psychische Gesundheit verschlechtert sich“: Adam Vojtěch, Gesundheitsminister Tschechiens

„Unsere gesamte Regierung hat wiederholt erklärt, dass Gesundheit Priorität Nummer eins ist. Wir sind überzeugt: Ohne eine gesunde Bevölkerung können wir die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft nicht stärken“, sagte Adam Vojtěch, Gesundheitsminister der Tschechischen Republik.

Mit Blick auf die wachsende sicherheits- und verteidigungspolitische Agenda in Europa betonte er, wie eng diese Themen mit einer widerstandsfähigen und gesunden Gesellschaft verknüpft sind. Dazu gehörten körperliche ebenso wie psychische Gesundheit, so Vojtěch.

„Wir sehen, wie sich die psychische Gesundheit in der Gesellschaft verschlechtert, besonders bei jungen Menschen. Das ist sehr besorgniserregend. Die nationalen Regierungen, aber auch die EU, müssen dieses Thema dringend angehen“, sagte er.

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