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Solaranlagen werden teurer: Warum sich die Investition jetzt besonders lohnt

Ein Team von Solarinstallateuren installiert am ersten Mai 2026 eine neue Solaranlage auf dem Dach eines Wohnhauses in Manila auf den Philippinen.
Ein Team von Solartechnikern installierte am ersten Mai 2026 eine neue Solaranlage auf dem Dach eines Wohnhauses in Manila auf den Philippinen. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Geopolitische Spannungen, Lieferengpässe und Chinas jüngste Steuerreform könnten die Preise für Solarmodule kräftig nach oben treiben. Doch droht wirklich ein drastischer Preissprung?

Früher galt Solarstrom als überteuerte Investition für eine kleine „Öko-Elite“. Inzwischen zählt er zu den günstigsten Stromquellen weltweit. Doch dreht sich das Blatt gerade wieder?

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Solar-Photovoltaik-(PV)-Module bestehen aus einzelnen Solarzellen, die Sonnenlicht in elektrische Energie umwandeln. Ihr Preis ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 90 Prozent gefallen. Nach Daten von Our World In Data sinken die Kosten im Schnitt um etwa 20 Prozent, jedes Mal wenn sich die weltweite Gesamtkapazität verdoppelt.

Gleichzeitig sind auch die Preise für Solarspeicher deutlich gefallen. Sie ermöglichen es Haushalten, Strom zu Spitzenzeiten zu speichern. Seit 2010 sind sie dank Fortschritten in der Batterietechnik und bei der Fertigung um etwa 90 Prozent billiger geworden.

Die EU bezeichnet Solar inzwischen als „strahlenden Stern“ der europäischen Energiewende. Im Jahr 2024 deckte Solarstrom fast ein Viertel (23,4 Prozent) des Stromverbrauchs. Im Juni vergangenen Jahres war die Sonne wichtigste Quelle für den in der EU erzeugten Strom.

Mitten im Krieg gegen den Iran hilft Solarstrom vielen Haushalten, die heftigen Preisschocks bei fossilen Energien abzufedern. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass die Nutzung von Sonnenenergie zur Stromerzeugung im März täglich mehr als 100 Millionen Euro an Gasimporten eingespart hat.

Bleiben die Preise wegen Irans Kontrolle über die Straße von Hormus hoch, könnten diese Einsparungen nach Einschätzung von Fachleuten bis Jahresende auf 67,5 Milliarden Euro steigen.

Der andauernde Konflikt im Nahen Osten treibt zudem das Interesse an der Elektrifizierung von Haushalten. Zahlreiche Energieunternehmen in Europa berichten von einem sprunghaften Anstieg bei Anfragen zu Solarmodulen und Batteriespeichern.

Doch mit der stark steigenden Nachfrage könnten ausländische Steuerpolitik, der Silberpreis und weitere Faktoren schon bald einen neuen Preisschub auslösen.

Woher bezieht Europa seine Solarmodule?

Die EU sieht Solarenergie als „zentrale Säule auf dem Weg zu sauberer, erschwinglicher und sicherer“ Energie. Gleichzeitig bleibt sie bei der Produktion von PV-Modulen stark von Ländern außerhalb der Union abhängig.

Im Jahr 2024 importierte die EU grüne Energieprodukte im Wert von 14,6 Milliarden Euro, darunter Solarmodule für 11,1 Milliarden Euro. China war mit Abstand der wichtigste Lieferant und stand für 98 Prozent dieser Einfuhren.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA (Quelle auf Englisch)) hat China mehr als 50 Milliarden Dollar (43 Milliarden Euro) in neue Produktionskapazitäten für die PV-Lieferkette investiert – zehnmal so viel wie Europa. Seit 2011 sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Solar-PV-Industrie mehr als 300.000 Industriearbeitsplätze entstanden. Heute liegt Chinas Anteil an allen Fertigungsstufen von Solarmodulen weltweit bei über 80 Prozent.

„Chinesische Hersteller haben eine Größenvorteile und Kostenniveaus erreicht, die außerhalb Chinas niemand mehr einholen kann“, sagt Jannik Schall vom Cleantech-Start-up 1KOMMA5° gegenüber Euronews Earth.

„Es gibt zwar Fabriken in anderen Ländern, auch in Europa, aber sie montieren meist nur die fertigen Module. Bei den Kosten können sie mit China nicht mithalten.“

Chinas Quasi-Monopol bei Solarmodulen ist für das Land allerdings kein klarer Erfolg. Der harte Wettbewerb zwingt viele Unternehmen dazu, unter den eigenen Kosten zu verkaufen. Ein IEA-Bericht aus dem vergangenen Jahr beziffert die kumulierten Nettoverluste chinesischer Solarunternehmen seit Anfang 2024 auf rund fünf Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro).

Darauf reagierten das Finanzministerium und die Steuerverwaltung in Peking mit einer umfangreichen Reform der großzügigen Förderprogramme für erneuerbare Energien, die ursprünglich den Außenhandel stärken sollten.

Seit dem ersten April 2026 entfällt die Mehrwertsteuer-Rückerstattung von neun Prozent auf Solar-Exporte. Für Batterieprodukte wurde der Satz von neun auf sechs Prozent gesenkt. Ab dem ersten Januar 2027 soll die Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Batterien ganz gestrichen werden.

Grafik zu Chinas Solar-Exporten.
Grafik zu Chinas Solar-Exporten. Ember

Unmittelbar vor Inkrafttreten der Steuerreform schossen die chinesischen Solarexporte in die Höhe. Viele Länder wollten die bevorstehende Preiserhöhung noch umgehen.

Der Thinktank Ember (Quelle auf Englisch) errechnete, dass im März 2026 mehrere europäische Staaten, darunter Frankreich, Italien, Polen und Rumänien, Rekordwerte bei den Importen chinesischer Solarmodule verzeichneten.

Treibt Chinas Mehrwertsteuerreform die Solarkosten nach oben?

„Allein der Wegfall der chinesischen Mehrwertsteuer-Rückerstattung wird die Modulpreise um rund zehn Prozent steigen lassen“, sagt Schall. Mit Solarmodulen ist im Branchenjargon ein einzelnes PV-Element gemeint.

Die britische Zeitung The i berichtete, ein landesweit tätiger Solaranbieter habe seine Preise für eine durchschnittliche Dachanlage um 800 Pfund (918 Euro) anheben müssen.

Steigt der Preis jetzt flächendeckend? So einfach ist es nicht.

Fachleute gehen davon aus, dass der Markt deutlich langsamer reagiert und der Anstieg der Modulpreise die Kundinnen und Kunden nicht sofort trifft.

Analysten erwarten zudem nicht, dass die höheren Kosten die Nachfrage nach Solarenergie deutlich bremsen. Die Technologie bleibt preislich sehr konkurrenzfähig. Die Entwicklung zeigt aber, dass auch erneuerbare Energien nicht vollständig vor geopolitischen Verwerfungen geschützt sind – ein Argument, das sonst meist im Zusammenhang mit fossilen Energiepreisschocks fällt.

InfoLink Consulting, ein in Taipeh ansässiges Analysehaus für den Solar-PV-Markt, meldet für große Freiflächenanlagen zwar leicht steigende Preise in den vergangenen Wochen. Das hohe Auftragsvolumen habe aber verhindert, dass die Durchschnittspreise stärker anzogen.

Bei kleinen, dezentralen Solaranlagen, etwa auf Hausdächern oder Carports, sind die Preise laut InfoLink (Quelle auf Englisch) hingegen zuletzt leicht weiter gesunken, wie das Unternehmen Anfang dieser Woche (13. Mai) mitteilte.

Silber wird zum Knackpunkt der Solarbranche

Um die aktuellen Preisschwankungen zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den Aufbau von PV-Modulen.

Solarmodule bestehen überwiegend aus Glas, Kunststoff-Polymeren und Aluminium. Hinzu kommt Silber. Das Metall leitet Strom und Wärme besonders gut und ist daher ein Schlüsselmaterial für PV-Module.

Nach Berechnungen von Analysten des deutschen Technologiekonzerns Heraeus macht Silberpaste zwar weniger als fünf Prozent des Modulgewichts aus, aber bis zu 30 Prozent der Zellkosten.

Dem Silver Institute (Quelle auf Englisch) zufolge flossen allein im Jahr 2023 rund 4.000 Tonnen Silber in die Produktion von PV-Modulen. Das entsprach 14 Prozent des weltweiten Silberverbrauchs. Forschende warnen, dass dieser Anteil bis 2030 auf 20 Prozent steigen könnte – viermal so viel wie 2014.

Chinesische Hersteller versuchen gegenzusteuern und Silber durch billigere Metalle wie Kupfer zu ersetzen. Fachleute schätzen, dass die Umstellung auf kupferbasierte Metallisierung der weltweiten Solarindustrie pro Jahr rund 15 Milliarden Dollar (12,8 Milliarden Euro) einsparen könnte.

Allerdings ist auch der Kupferpreis in den vergangenen Jahren gestiegen, wenn auch langsamer als der Silberpreis.

„Getrieben von geopolitischen Unsicherheiten, Lieferengpässen und der wachsenden Nachfrage von KI-Rechenzentren sind die Preise für Kupfer, Aluminium und Lithium seit dem vierten Quartal 2025 deutlich gestiegen“, erläutert Schall.

„Die Silberpreise haben sich Anfang 2026 innerhalb weniger Wochen um mehr als 150 Prozent erhöht und sind inzwischen der größte Kostentreiber in Solarmodulen. Diese Verteuerung bei den Rohstoffen arbeitet sich langsam durch die gesamte Lieferkette und dürfte die Endkundschaft im Sommer erreichen.“

1KOMMA5° rechnet damit, dass die zusätzlichen Rohstoffkosten zusammen mit der abgeschafften Mehrwertsteuer-Rückerstattung in China Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent für einzelne Komponenten auslösen könnten.

Schall betont, dass Privatkundinnen und -kunden diese Entwicklung eher mittelfristig spüren werden. Wer jetzt noch eine PV-Anlage installiert, profitiert seiner Einschätzung nach weiterhin von „vergleichsweise günstigen Preisen“.

Euronews Earth hat zwei Energieunternehmen in Europa gefragt, ob sie nach Chinas Steuerreform und den steigenden Silberpreisen ihre Modulpreise erhöhen wollen. Beide lehnten eine Stellungnahme ab.

Trotz aller Unsicherheiten weisen Fachleute darauf hin, dass Solarmodule im Vergleich zu 2023 noch immer etwa 50 Prozent günstiger sind. Solarstrom zählt damit weiterhin zu den billigsten Stromquellen weltweit.

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