Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Syphilis und Gonorrhö auf Rekordhoch: EU-Gesundheitsbehörde warnt

Syphilis und Gonorrhö in Europa auf Rekordhoch
Syphilis und Gonorrhö erreichen Rekordhöhen in Europa Copyright  Canva/Cleared
Copyright Canva/Cleared
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Bakterielle sexuell übertragbare Infektionen nehmen in Europa seit einem Jahrzehnt zu und haben laut Europäischem Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle Rekordwerte erreicht.

Bakterielle sexuell übertragbare Infektionen (STI) wie Syphilis und Gonorrhö erreichen in Europa Rekordwerte. Das geht aus neuen Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden.

WERBUNG
WERBUNG

"Seit zehn Jahren nehmen sexuell übertragbare Infektionen zu und haben im Jahr 2024 Rekordwerte erreicht", sagte Bruno Ciancio, Leiter der Einheit für direkt übertragbare und durch Impfungen vermeidbare Krankheiten am ECDC.

"Unbehandelt können diese Infektionen schwere Komplikationen verursachen, etwa chronische Schmerzen und Unfruchtbarkeit und im Fall von Syphilis auch Probleme am Herzen oder am Nervensystem."

Die jüngsten Daten aus 2024 zeigen: Meldungen zu Gonorrhö und Syphilis, einschließlich angeborener Syphilis, liegen so hoch wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Das weist auf eine anhaltende Übertragung in vielen Ländern hin.

Die Zahl der Gonorrhö-Fälle stieg auf 106.331. Das entspricht einem Plus von 303 Prozent seit 2015. Syphilisfälle haben sich im selben Zeitraum auf 45.577 mehr als verdoppelt. Am häufigsten wird weiterhin eine Chlamydieninfektion gemeldet, mit 213.443 Fällen.

Gonorrhö-Fälle steigen stark

Die Melderate für Gonorrhö liegt 2024 so hoch wie noch nie, seit das ECDC 2009 mit der Überwachung sexuell übertragbarer Infektionen begonnen hat.

Gonorrhö ist eine STI, die durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht wird. Viele Infektionen verlaufen ohne Symptome, vor allem bei Frauen. Das führt oft zu einer verzögerten Diagnose, zu Komplikationen und zu ungebremster Weitergabe.

Zwischen 2023 und 2024 stiegen die Gesamtzahlen um 4,3 Prozent. Bei Männern betrug der Anstieg 7,9 Prozent; am häufigsten betroffen waren 25- bis 34-Jährige. Mehr als die Hälfte der Fälle 2024 entfiel auf Männer, die Sex mit Männern haben.

Bei Frauen ging die Gesamtzahl dagegen um 8,6 Prozent zurück. Am meisten Meldungen gab es in der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen.

"Ein Teil dieser Fälle dürfte auf mehr Bewusstsein und mehr Tests zurückgehen. Dennoch sind die hohen Gonorrhö-Raten bei Frauen im gebärfähigen Alter besorgniserregend, wegen des möglichen Risikos von Komplikationen im Reproduktionstrakt", warnte das ECDC.

Die höchsten Raten verzeichneten 2024 Irland, Malta, Island, Luxemburg, Dänemark und Spanien.

Angeborene Syphilis: besorgniserregender Anstieg

Das ECDC registriert einen starken Anstieg der angeborenen Syphilis. Die Fallzahl liegt so hoch wie seit 2009 nicht mehr und hat sich im Vergleich zu 2023 nahezu verdoppelt.

Angeborene Syphilis entsteht, wenn eine infizierte schwangere Person die Erkrankung während der Schwangerschaft auf den Fötus überträgt.

Das ECDC betont, dass eine Übertragung in jedem Stadium der Infektion und in jeder Phase der Schwangerschaft möglich ist. Am größten ist das Risiko bei Schwangeren mit unbehandelter früher Syphilis.

Zwischen 2015 und 2024 meldete Bulgarien mit 195 Fällen die meisten Betroffenen, gefolgt von Portugal mit 96 und Ungarn mit 91 Fällen.

"Angeborene Syphilis ist vermeidbar, und eine Eliminierung in der EU und im EWR ist erreichbar", heißt es in dem Bericht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Europa hat sich zum Ziel gesetzt, die Krankheit bis 2030 auf weniger als einen Fall pro 100.000 Lebendgeburten zu reduzieren.

Der Bericht empfiehlt, die Prävention in heterosexuellen Bevölkerungsgruppen zu verstärken, Screeningprogramme auszuweiten und eine erneute Testung aller Schwangeren im dritten Trimester zu prüfen.

Warum steigen die Zahlen sexuell übertragbarer Infektionen?

Mögliche Gründe für die hohen Raten bei heterosexuellen Männern und Frauen in den vergangenen Jahren sind Veränderungen im Sexualverhalten. Dadurch steigt das Risiko, sich mit einer STI anzustecken.

"Kondome werden immer seltener benutzt, ihr Einsatz nimmt stetig ab", sagte Josep Mallolas, Leiter der HIV/Aids-Einheit am Hospital Clínic Barcelona, der an dem Bericht nicht mitgewirkt hat.

"Außerdem hat die Zahl der Sexualpartner zugenommen, nicht die Zahl der sexuellen Kontakte, die weniger entscheidend wäre. Das fällt vor allem bei jungen Menschen auf, von der Pubertät über die Jugend bis hinein in die Zwanzigerjahre", fügte er hinzu.

Ganz düster ist das Bild jedoch nicht. Das ECDC weist darauf hin, dass auch mehr Screening und Tests sowie verbesserte Meldesysteme zu den höheren Zahlen beitragen können.

Der Bericht stellt fest, dass einige Länder auf den jüngsten Anstieg der Fallzahlen reagiert haben. Sie haben Teststrategien angepasst und den Zugang zu kostenlosen Tests und Selbstprobenahmen erweitert.

Dennoch warnt das ECDC, dass mehr Daten nötig sind, um die Entwicklungen in verschiedenen Ländern und Bevölkerungsgruppen besser zu verstehen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Krebserregende Viren im Abwasser entdeckt: möglicher Durchbruch für Prävention

Neue Medikamente: wo Europäer am längsten warten

Spieler fordern strengere Schutzregeln: Experten warnen vor WM-Hitze