Die EU-Gesundheitsminister beauftragen den EU-Gesundheitskommissar, Folgen der US-Meistbegünstigungspolitik für die EU zu prüfen.
Vor dem Hintergrund sinkender Markteinführungen neuer Medikamente in der EU will die EU-Kommission untersuchen, welche Folgen der Vorstoß von US-Präsident Donald Trump zur Angleichung der Arzneimittelpreise an die niedrigsten Niveaus anderer Industriestaaten hat – das sogenannte Most-Favoured-Nation-Prinzip (MFN).
Im vergangenen Mai unterzeichnete Trump einen Erlass (Quelle auf Englisch), der Pharmakonzerne dazu drängt, ihre Preise stärker an jene der wichtigsten Handelspartner der USA anzugleichen. Die Vereinigten Staaten sind der größte Pharmamarkt der Welt (Quelle auf Englisch) und stehen für mehr als die Hälfte der globalen Nachfrage nach verschreibungspflichtigen Medikamenten. Um Erlöse und Gewinnmargen zu maximieren, können Hersteller deshalb versuchen, höhere Preise durchzusetzen oder Markteinführungen in Europa und anderen kleineren Märkten nach hinten zu schieben.
Genau das scheint bereits zu geschehen.
Zehn Monate nach Trumps Erlass lagen die Markteinführungen neuer Medikamente in EU-Ländern rund 35 % unter dem Niveau der vorangegangenen zehn Monate, berichtete Reuters (Quelle auf Englisch) im März unter Berufung auf eine Analyse des Marktforschungsunternehmens GlobalData.
Nun wollen die Gesundheitsminister wissen, ob das MFN-System zu verzögerten Markteinführungen, deutlich höheren Preisen und letztlich zu einem schlechteren Zugang zu innovativen Medikamenten führt.
Die EU-Kommission will prüfen, welche Arzneimittel von der US-Preispolitik betroffen sein könnten, ob sie neue Produkteinführungen beeinflusst und ob sich einige Hersteller infolgedessen aus dem europäischen Markt zurückziehen.
Die Staaten wollten Antworten darauf, „wie [das MFN] funktioniert und welche allgemeinen Auswirkungen es auf die EU-Märkte hat“, sagte Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi bei einer Pressekonferenz nach dem Treffen der Gesundheitsminister in Luxemburg.
„Das ist der Auftrag, den wir mit nach Hause nehmen“, sagte er. Die Zeit drängt. „Wir wollen schnell sein, ich möchte das noch vor dem Sommer erledigen“, so der Kommissar.