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Studie: Fähren verschmutzen Europas Häfen stärker als Autos

Bei Sonnenaufgang überqueren Fähren den Tejo in Lissabon, am Montag, dem 18. Oktober 2010.
Im Morgengrauen überqueren Fähren den Tejo in Lissabon, Montag, 18. Oktober 2010. Copyright  Copyright 2010 AP. All rights reserved.
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In einigen europäischen Städten verpesten Fähren die Luft stärker als alle Autos zusammen. Davor warnt eine neue Studie und fordert strengere Regeln.

Fähren mit fossilen Antrieben verpesten Europas Häfen. Fachleute drängen auf einen schnellen Umstieg auf Elektrobetrieb.

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Fähren sind für die Anbindung von Europas Inseln ans Festland unverzichtbar und gelten oft als umweltfreundliche Alternative zum Fliegen. Viele Schiffe sind jedoch alt und stark verschmutzend – sie setzen Anwohnerinnen und Anwohner einer giftigen Luftverschmutzung aus.

Eine neue Untersuchung der NGO Transport & Environment (T&E) zeigt, dass im Jahr 2023 allein 1 043 europäische Fähren 13,4 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen haben. Das entspricht den Emissionen von 6,6 Millionen Autos innerhalb eines Jahres.

In Hafenstädten wie Barcelona, Dublin und Neapel verursachen Fähren der Studie zufolge mehr giftige Schwefeloxid-Emissionen (SOx) als alle dort fahrenden Autos zusammen.

Schwefeloxide gehören zu den Luftschadstoffen, die Atemwegserkrankungen auslösen, Asthma verschlimmern und zur Bildung von saurem Regen sowie Feinstaub beitragen.

Welche europäischen Fährhäfen verschmutzen am stärksten?

Dublin in Irland gilt derzeit als die am stärksten belastete Hafenstadt Europas, wenn es um SOx-Belastung durch Fähren geht. Es folgen Las Palmas auf Gran Canaria und Holyhead in Wales.

Das dürfte sich im kommenden Jahr ändern, wenn neue Emissionskontrollgebiete in Kraft treten und die Luftverschmutzung durch Schiffstreibstoffe im Nordostatlantik begrenzen. Die Kanarischen Inseln fallen jedoch nicht unter diese Vorgaben. Für 2027 rechnen die Autorinnen und Autoren daher damit, dass Las Palmas die meiste Luftverschmutzung verursacht, gefolgt von Santa Cruz auf Teneriffa.

Grafik, die die erwarteten Auswirkungen der Emissionskontrollgebiete (ECA) auf europäische Fährhäfen zeigt.
Grafik, die die erwarteten Auswirkungen der Emissionskontrollgebiete (ECA) auf europäische Fährhäfen zeigt. T&E

Barcelona ist der Fährhafen mit den höchsten CO2-Emissionen in Europa. Die dortigen Fähren stoßen zudem 1,8-mal so viel SOx aus wie alle Autos der Stadt zusammen – obwohl im Mittelmeer bereits Beschränkungen gelten.

Seit dem ersten Mai 2025 ist das gesamte Mittelmeer als Schwefel-Emissionskontrollgebiet ausgewiesen. Schiffe müssen den Schwefelgehalt ihres Treibstoffs von 0,5 auf 0,10 Prozent senken. Damit soll die Luftverschmutzung deutlich sinken und die Luftqualität in den Küstenregionen steigen.

Ist Elektrifizierung die Lösung?

T&E hat errechnet, dass Fähren in Europa im Schnitt sechsundzwanzig Jahre alt sind – ein deutliches Zeichen für den Bedarf an einer „sauberen Erneuerung“.

Dem Bericht zufolge könnten Elektrifizierung und Hybridantriebe die CO2-Emissionen von Fähren um bis zu 42 Prozent senken, die Luftqualität in Hafenstädten verbessern und die Betriebskosten reduzieren. Bis 2035 könnten mindestens 60 Prozent der europäischen Fährflotte mit Batterien fahren, und auf vielen Strecken ist der elektrische Betrieb schon heute günstiger.

Im schwedischen Stockholm zeigt ein Pilotversuch mit einer elektrischen Tragflächenfähre, dass sich die Emissionen um bis zu 94 Prozent verringern lassen. Die Fahrzeit auf der Teststrecke sank von fünfundfünfzig auf etwa dreißig Minuten.

Das größte Hindernis für mehr Elektro-Fähren ist die Ladeinfrastruktur. T&E hält diese Herausforderung jedoch für „kleiner als angenommen“.

„57 Prozent der Häfen würden nur kleine Ladestationen unter 5 MW benötigen, um elektrische Fährverbindungen zu unterstützen“, heißt es in der Studie.

„Gemeinschaften verbinden, nicht verschmutzen“

„Fähren sollten Gemeinschaften verbinden, nicht sie verschmutzen“, sagt Felix Klann von T&E. „Zu viele Fähren verbrennen nach wie vor klimaschädliche fossile Treibstoffe und blasen giftige Abgase in Europas Hafenstädte.“

Klann ist überzeugt, dass eine Elektrifizierung der europäischen Fähren die Emissionen „dramatisch“ senken und Millionen Menschen sprichwörtlich „aufatmen“ lassen könnte. Er ergänzt: „Auf vielen Routen sind Elektro-Fähren schon heute günstiger im Betrieb, und in den kommenden Jahren werden weitere Verbindungen wirtschaftlich konkurrenzfähig werden.

Angesichts eines Durchschnittsalters von sechsundzwanzig Jahren ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine saubere Erneuerung.“

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