Nachdem Iran mit einer Sperrung der Straße von Hormus gedroht hatte, fordern Klimaschützer Regierungen auf, endlich konsequent auf saubere Energie zu setzen.
Der Krieg gegen Iran macht die „verheerenden Kosten“ der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sichtbar. Klimaschutzgruppen drängen deshalb auf einen schnellen Umstieg auf saubere Energie.
Die globalen Ölpreise sind gestern (am ersten März) in die Höhe geschossen, weil Iran seinen eskalierenden Konflikt mit den USA und Israel mit weiteren Angriffen im gesamten Nahen Osten fortsetzte.
Die Nordseesorte Brent, weltweite Referenz für den Ölpreis, verteuerte sich um zehn Prozent auf mehr als 82 Dollar (rund 69,86 Euro) je Barrel.
Der Preissprung folgte auf Angriffe auf mindestens drei Schiffe nahe der Straße von Hormus – eine nur 38 Kilometer lange Meerenge, über die rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen läuft. Das sind etwa 20 Millionen Barrel pro Tag.
Wie die Ölbranche auf die Angriffe im Iran reagiert
Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC+) hat vereinbart, die Ölproduktion im kommenden Monat um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen, um auf den Konflikt und die gestörten Ölströme in der Region zu reagieren.
Lieferungen von Öl, Gas und anderen Gütern kamen am Wochenende weitgehend zum Erliegen, nachdem Iran gewarnt hatte, die Straße von Hormus sei für die Schifffahrt geschlossen. Hunderte Schiffe mussten vor Anker gehen. Solange sich die Lage im Golf nicht normalisiert, können viele Länder ihr Öl nur schwer auf den Markt bringen.
Analystinnen und Analysten des Beratungsunternehmens Wood Mackenzie für Energie und Rohstoffe warnen nun: Gelingt es nicht rasch, den Verkehr durch die Straße von Hormus wiederherzustellen, könnten die Preise erneut „deutlich über“ 100 Dollar pro Barrel (rund 85,22 Euro) steigen.
Produzenten im Nahen Osten dürften versuchen, mehr Öl über die Ost-West-Pipeline zum Roten Meer zu exportieren. Zusätzliche Mengen könnten aus Irak in den Mittelmeerraum geliefert werden.
„Höhere Preise werden Förderunternehmen anderswo dazu bewegen, ihre Produktion zu maximieren – Wartungsarbeiten aufzuschieben, Anlagen stärker auszulasten und Aktivitäten zu beschleunigen“, erklärt Wood Mackenzie. „Aber das lässt sich nicht einfach per Knopfdruck hochfahren.“
Wer ist OPEC+?
Die OPEC wurde 1960 von Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela gegründet, um die Erdölpolitik zu koordinieren und stabile Preise zu sichern. Heute gehören dem Kartell zwölf Staaten an.
Im Jahr 2016 bildete OPEC gemeinsam mit zehn großen Ölproduzenten außerhalb des Kartells die Allianz OPEC+, darunter Russland und Saudi-Arabien. Dieser Verbund steht inzwischen für mehr als vierzig Prozent der weltweiten Ölproduktion.
OPEC+ hat in der Vergangenheit immer wieder die Förderung erhöht, um Preisschocks in Zeiten von Konflikten abzufedern.
Rufe nach einem grünen Energiesystem
Für Mads Christensen von Greenpeace International zeigt der Schritt von OPEC+ vor allem eines: Solange unsere Welt auf Öl und Gas setzt, bleiben Frieden, Sicherheit und auch unser Geldbeutel „stets der Geopolitik ausgeliefert“.
Eine höhere Förderung könne den Preisdruck zwar kurzfristig lindern, so Christensen, doch sie löse nicht die „strukturelle Verwundbarkeit“, die aus der globalen Abhängigkeit von fossilen Energieträgern entsteht.
„Politische Entscheidungsträger in allen Ländern müssen aufwachen und den moralischen Kompass zurückgewinnen“, fordert er. „Das bedeutet, auf friedliche, diplomatische Lösungen zu setzen und den Zugang zu bezahlbarer, nachhaltiger Energie zu sichern, die die Volatilität der fossilen, weltweiten Ordnung ersetzt.“
„Eine Welt an fossile Energien gekettet“
[350.org](http://350.org %28Quelle auf Englisch%29/), eine Umweltorganisation aus der Basisbewegung, drängt die Regierungen ebenfalls, den Abschied von fossilen Brennstoffen zu beschleunigen und stärker auf erneuerbare Energien zu setzen.
„Der neue Krieg gegen Iran und die Schließung der Straße von Hormus legen die verheerenden Kosten einer Welt offen, die an fossile Brennstoffe gekettet ist“, sagt Geschäftsführerin Oliva Langhoff.
„Wenn die globale Energiesicherheit durch einen einzigen Krisenherd ins Wanken geraten kann, zeigt das, wie instabil und riskant unsere Abhängigkeit von Öl und Gas ist.“
Langhoff ist überzeugt, dass erneuerbare Energien Ländern „hausgemachte“ Stromversorgung ermöglichen, die auch bei geopolitischen Erschütterungen sicher und bezahlbar bleibt.
„Schon wieder werden Familien die Zeche zahlen – durch von fossilen Energien getriebene Inflation“, warnt sie. „Und das alles wegen eines Systems, das an eine volatile, von Konflikten geprägte Branche gebunden ist.“