Weltweit kürzen Staaten ihre Budgets für humanitäre Hilfe. Das verändert, wie die Welt auf Gesundheitsnotlagen und Krisen reagiert.
Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) steht im Zentrum eines schweren Ebola-Ausbruchs. Nach den jüngsten Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es bislang 220 mutmaßliche Todesfälle und mehr als 900 Verdachtsfälle.
Die WHO hat den Ausbruch am 16. Mai zum internationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Er stellt das Gesundheitssystem des Landes vor eine harte Belastungsprobe. Internationale Kürzungen bei der Hilfe und bewaffnete Konflikte in der Region haben es zusätzlich geschwächt.
„Dieser Ausbruch trifft ein Land, das schon jetzt bis an die Belastungsgrenze geht“, sagt Dr. Manenji Mangundu, Landesdirektor von Oxfam in der DR Kongo.
„Anhaltende Konflikte und jahrelange Kürzungen bei der Hilfe haben eine humanitäre Krise von erschreckendem Ausmaß verschärft. Jede vierte Person hat nicht genug zu essen. Dieselben Kürzungen haben die DR Kongo bei Ebola praktisch schutzlos gemacht. Sie haben Überwachungssysteme geschwächt, die diesen Ausbruch schon vor Wochen hätten erkennen müssen.“
Das International Rescue Committee warnt, dass die Kürzungen die Region „gefährlich“ ungeschützt lassen.
„Jahrelange Unterfinanzierung und jüngste Mittelkürzungen haben viele Gesundheitseinrichtungen ohne ausreichende Schutzausrüstung, ohne Überwachungskapazitäten und ohne Unterstützung an vorderster Front zurückgelassen. Damit fehlt alles, was für eine schnelle und sichere Reaktion nötig wäre“, sagt Heather Reoch Kerr, Landesdirektorin des IRC für die DR Kongo.
Sie erklärt weiter, dass einige zuvor von Gebern finanzierte Maßnahmen stark zurückgefahren wurden. Dazu gehört etwa die Lieferung von persönlichen Schutzausrüstungs-Sets (PSA) an Gesundheitseinrichtungen. Viele Einrichtungen in den betroffenen Gebieten arbeiten inzwischen ohne grundlegende Schutzmaterialien.
Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen im Jahr 2026 rund 239 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe. Zuvor hatte das Jahr 2025 bereits massive Kürzungen bei Hilfsprogrammen und eine Rekordzahl tödlicher Angriffe auf Helferinnen und Helfer gebracht.
Humanitäre Hilfe: Wer kürzt die Mittel?
Internationale Hilfe ist in den vergangenen 50 Jahren stetig gewachsen und erreichte 2023 Rekordwerte. Gleichzeitig ist der Bedarf gestiegen, und Kürzungen bei der Auslandshilfe treffen inzwischen zahlreiche Länder und Gesundheitsorganisationen weltweit.
Im Jahr 2023 lag die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA) der 33 Mitgliedstaaten des Entwicklungshilfeausschusses DAC der OECD bei 229 Milliarden Dollar (197 Milliarden Euro).
Bis 2024 sank dieser Betrag auf 215 Milliarden Dollar (185 Milliarden Euro), der erste Rückgang nach fünf Jahren Wachstum. 2025 fiel er weiter auf 165 Milliarden Dollar (142 Milliarden Euro).
Größte Geber: Wer zahlt am meisten?
Humanitäre Hilfe erreicht zwar jedes Jahr Milliardenbeträge, doch sie konzentriert sich auf nur wenige große Geberländer.
Nach Volumen gehören Deutschland, die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Japan und Frankreich zu den größten Gebern. Ein kleiner Kreis nordeuropäischer Länder steuert weiterhin die höchsten Anteile des eigenen Nationaleinkommens bei.
Nach Angaben der OECD entfielen 2025 rund 95,7 % des gesamten Rückgangs der ODA auf diese fünf Länder. Die USA allein standen für drei Viertel des Minus: Ihre Hilfsleistungen gingen im Vergleich zu 2024 um 56,9 % zurück. Das ist der größte Volumenrückgang, den ein Geber jemals in einem Jahr verzeichnet hat.
Trotz der Kürzungen dominierten dieselben fünf Geber auch 2025 weiterhin die Finanzierung und standen zusammen für den Großteil der weltweiten Hilfsströme. Ihre kleineren Budgets reduzierten jedoch die insgesamt verfügbaren Mittel für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen deutlich.
Gemessen am Bruttonationaleinkommen leisten Norwegen, Luxemburg, Schweden, Dänemark und die Niederlande die höchsten Beiträge.
Neben einzelnen Staaten leisten auch die Europäische Union und ihre Mitgliedsländer über spezielle Instrumente ihren Beitrag.
Gemeinsam sind die EU und ihre 27 Mitgliedstaaten der weltweit größte Geber humanitärer Hilfe. 2025 stellten sie rund 40 % der globalen humanitären Unterstützung.
Der langfristige EU-Haushalt für die Jahre 2021 bis 2027 enthält eine eigene Linie für humanitäre Hilfe. Für diesen Zeitraum sind insgesamt 11,57 Milliarden Euro vorgesehen, im Schnitt rund 1,65 Milliarden Euro pro Jahr.
Über den Haushalt für die Jahre 2028 bis 2034 verhandeln die Mitgliedstaaten derzeit.