Der spanische Kardiologe José Abellán warnt: Die Spannung im WM-Finale 2026 kann das Herz belasten, drei Infarktzeichen darf niemand im Stadion ignorieren.
Millionen Fans werden das WM-Finale mit Herzklopfen verfolgen. Kardiologen warnen: Diese Anspannung kann für manche Menschen Folgen haben.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Spiele mit höchster Intensität das Risiko für Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen und andere Herz-Kreislauf-Ereignisse erhöhen. Besonders betroffen sind Menschen, die bereits eine Herzerkrankung oder Risikofaktoren haben.
Das ist keine bloße Theorie. Eine der wichtigsten Studien wurde nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland im „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht und zeigte, dass sich kardiovaskuläre Notfälle während der Spiele der deutschen Nationalmannschaft um das 2,7-Fache häuften.
Zwei Jahrzehnte später bestätigte eine Untersuchung der Universität Bielefeld, die in diesem Jahr in „Scientific Reports“ erschien, dass Spitzenfußball die Herzfrequenz in die Höhe treibt und die Stresswerte steigen lässt, selbst bei Fans, die das Spiel nur vom Sofa aus verfolgen.
Wenn der Körper das Spiel als Bedrohung erlebt
Nach Einschätzung des spanischen Kardiologen José Abellán reagiert der Organismus auf ein WM-Finale ähnlich wie auf eine Gefahrensituation.
„Das ist eine aufregende und zugleich stressige Situation. Der Körper schüttet aktivierende Hormone aus, Stresshormone; es kommt zu Spitzen von Cortisol und Katecholaminen, und dadurch geraten wir in einen Stresszustand.“
Diese Hormonflut lässt den Blutdruck steigen, beschleunigt den Puls und begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln. Für die meisten Menschen ist das kein Problem, für ein bereits geschwächtes Herz kann es aber zum Auslöser eines Herz-Kreislauf-Ereignisses werden.
„Wenn ich eine optimale oder gute Herz-Kreislauf-Gesundheit habe, passiert mir nichts. Aber ein stark belastendes Ereignis kann für jemanden mit angeschlagener Herz-Kreislauf-Gesundheit genau der entscheidende Auslöser sein.“
Wer besonders vorsichtig sein sollte
Am stärksten gefährdet sind Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, Stents tragen oder unter Bluthochdruck, Diabetes, hohem Cholesterin oder früheren Herzrhythmusstörungen leiden.
Doch Abellán betont, dass das Problem nicht nur im Spiel selbst liegt.
„Wichtig ist alles, was rund um das Spiel passiert. Es sind Tage des nationalen Jubels, in denen es nicht nur um das Match geht, sondern viele sehen es nach einer üppigen Mahlzeit, mit Fastfood, mit Alkohol oder anderen Drogen.“
Der Kardiologe erinnert daran, dass es sogar ein Syndrom gibt, das als „Holiday Heart“ oder „Feierherz“ bekannt ist und mit Herzrhythmusstörungen nach Alkoholexzessen in Verbindung gebracht wird.
Dabei handelt es sich um eine Störung des Herzrhythmus, meist ein Vorhofflimmern, die nach hohem Alkoholkonsum auftreten kann, wie er an Wochenenden, bei Feiern oder großen Sportereignissen häufig ist. Kommt zu diesem Übermaß noch der emotionale Stress eines Finales hinzu, kann das Risiko steigen, besonders für Menschen mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen.
Wann es ernst wird
Ein beschleunigter Herzschlag während eines Finales kann normal sein. Nicht allein auf Nervosität schieben sollte man jedoch einen drückenden Schmerz in der Brust, plötzlich einsetzende Atemnot oder Herzklopfen, das anhält, obwohl die Emotion des Moments abgeklungen ist.
„Das dritte Symptom, und ich würde sagen das wichtigste, ist der drückende Schmerz in der Brust. Wenn ich plötzlich das Gefühl habe, hier liegt eine schwere Last, die in die Schulter, den Hals oder den Rücken ausstrahlt und mit Schwitzen einhergeht, dann kommt das nicht einfach von den Nerven“, erklärt der Arzt.
Und die Empfehlung des Spezialisten ist klar: „Bei einem dieser drei Symptome gilt: Arzt aufsuchen, Arzt aufsuchen.“
Das Spiel genießen, aber mit Vernunft
Die gute Nachricht ist, dass Fußball für sich genommen keine Herzinfarkte auslöst. Das eigentliche Risiko entsteht, wenn eine bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung mit starkem Stress, Alkohol, sehr reichlichem Essen, Tabakkonsum oder fehlender Erholung zusammenkommt.
Darum fällt Abelláns Rat schlicht aus: Man sollte das Spiel als das genießen, was es ist, ein Sportereignis.
„Die Menschen sollen verstehen, dass es Sport ist, dass es ein Wettbewerb ist. Sie sollen das Spiel ruhig mit der Familie und mit Freunden anschauen. Und Essen, Alkohol, all das sollten wir in Maßen konsumieren“, sagt er zum Schluss.