Forscher sehen in der Untersuchung ihrer Kinder eine Chance, genetische und Umweltfaktoren zu erkennen, die zu längerer Gesundheit beitragen.
Menschen, deren Eltern älter als hundert Jahre werden, entwickeln altersbedingte Gesundheitsprobleme oft später und leben selbst länger. Das zeigt eine neue Studie (Quelle auf Englisch).
Forschende in den USA haben Daten aus drei Langzeitstudien in den USA und im Vereinigten Königreich ausgewertet, mit mehr als 4.000 Teilnehmenden. Sie verglichen Menschen, deren mindestens ein Elternteil hundert Jahre oder älter wurde, mit Menschen, deren Eltern deutlich kürzer lebten.
Über alle Studien hinweg hatten Kinder von Hundertjährigen in einer der zentralen Auswertungen ein um 42 % geringeres Sterberisiko, ein um 33 % niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein um 32 % geringeres Risiko für Bluthochdruck.
Im Schnitt starben sie rund drei Jahre später. Bluthochdruck entwickelte sich etwa fünf Jahre später.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache und waren 2019 in der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (Quelle auf Englisch) für 42,5 % aller Todesfälle verantwortlich. Bluthochdruck ist in Europa der wichtigste Risikofaktor und trug in diesem Jahr zu 24 % der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei.
Für andere Krankheiten war das Bild weniger eindeutig. In zwei der drei Gruppen war das Schlaganfallrisiko geringer, beim Krebsrisiko fanden die Forschenden jedoch keinen statistisch bedeutsamen Unterschied.
Die Ergebnisse blieben insgesamt ähnlich, auch nachdem die Forschenden Unterschiede beim Rauchen und beim Bildungsniveau berücksichtigten und, soweit Daten vorlagen, auch Ernährung, Bewegung, Alkoholkonsum und den sozioökonomischen Status einbezogen.
Das deutet darauf hin, dass Unterschiede im Lebensstil allein die Resultate nicht erklären.
Schon bisher galt als bekannt, dass Hundertjährige altersbedingte Krankheiten häufig deutlich später entwickeln als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Nach Einschätzung der Forschenden kann die Untersuchung ihrer Kinder helfen, genetische und Umweltfaktoren besser zu verstehen, die zu einer längeren gesunden Lebensphase beitragen.
Die Studie kann jedoch nicht zeigen, welche Faktoren die Unterschiede tatsächlich verursachen.
Ein Teil der Angaben zu Gesundheit und Lebensstil stammt aus Selbstauskünften der Teilnehmenden, außerdem waren die meisten von ihnen weiß. Beides begrenzt nach Angaben der Forschenden, wie weit sich die Ergebnisse verallgemeinern lassen.