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Rätselhaftes Massengrab: "Riese" mit Loch im Schädel entdeckt

Mindestens zehn Männer waren vor über 1100 Jahren in einem Massengrab nahe Cambridge verscharrt worden.
Mindestens zehn Männer waren vor über 1100 Jahren in einem Massengrab nahe Cambridge verscharrt worden. Copyright  Cambridge Archaeological Unit/David Matzliach
Copyright Cambridge Archaeological Unit/David Matzliach
Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Vor mehr als 1.100 Jahren wurden mindestens zehn Männer in einem Massengrab bei Cambridge bestattet. Einer davon war ungewöhnlich groß. Die Ausgrabungen geben u.a. Aufschluss über die Gewaltkonflikte zwischen Sachsen und Wikingern.

Der Wandlebury Country Park ist heute ein ruhiges Ausflugsziel für Familien und Schulklassen. Das spektakuläre Massengrab auf diesem Gelände wurde im Rahmen einer Lehrgrabung für Bachelor-Studierende entdeckt, die von der Universität Cambridge durchgeführt wurde.

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Der Fundort Wandlebury, etwa fünf Kilometer südlich von Cambridge, hat eine bewegte Geschichte. Die dortige Ringwallanlage geht ursprünglich auf die Eisenzeit zurück, diente aber auch rund tausend Jahre später noch als strategischer Orientierungspunkt und bekannter Versammlungsort.

Im 9. Jahrhundert lag das heutige Cambridgeshire in einer instabilen Pufferzone. Westlich erstreckte sich das mächtige angelsächsische Königreich Mercia, das unter König Offa seine Blütezeit erlebt hatte, nun jedoch unter Druck stand. Offa führte umfangreiche militärische Feldzüge gegen benachbarte Königreiche wie Kent, Sussex und East Anglia. East Anglia war um 870 von den Wikingern erobert worden.

"Cambridgeshire war eine Grenzzone zwischen Mercia und East Anglia, geprägt von den ständigen Kriegen zwischen Sachsen und Wikingern, die über Jahrzehnte hinweg um Territorien kämpften", erklärte Oscar Aldred von der Cambridge Archaeological Unit (CAU). "Wir vermuten, dass die Grube direkt mit diesen Konflikten in Verbindung steht."

Um 874 errichtete das "Große Heidnische Heer" der Wikinger ein Lager nahe Cambridge und plünderte die Stadt.

Unter den Toten in dem uralten Massengrab fällt ein Skelett besonders auf: Es handelt sich um einen Mann im Alter von etwa 17 bis 24 Jahren, der für seine Zeit beeindruckende 1,95 Meter maß. In einer Epoche, in der die Durchschnittsgröße bei etwa 1,68 Meter lag, muss er wie eine Sagengestalt gewirkt haben. Seine außergewöhnliche Größe war wohl die Folge einer schweren Erkrankung.

Trish Biers, Kuratorin der Duckworth Collections, der anthropologischen Sammlung der Universität Cambridge, vermutet einen Hypophysen-Tumor, der zu einer Überproduktion von Wachstumshormonen geführt haben könnte. "Das lässt sich an den auffälligen Merkmalen der Gliedmaßenknochen und anderer Skelettteile erkennen", erklärt Biers. Der Tumor dürfte zudem schmerzhafte Kopfschmerzen verursacht haben, bedingt durch den erhöhten Druck im Schädel.

Auf der hinteren linken Seite des Schädels befindet sich ein ovales, rund drei Zentimeter großes Loch.
Auf der hinteren linken Seite des Schädels befindet sich ein ovales, rund drei Zentimeter großes Loch. Cambridge Archaeological Unit/David Matzliach

Vermutlich, um diese Schmerzen zu lindern, ließ sich der junge Mann einer Trepanation unterziehen – einem der ältesten chirurgischen Eingriffe der Menschheit. In die linke Rückseite seines Schädels wurde ein drei Zentimeter großes, ovales Loch gebohrt. Auffällig ist, dass die Ränder des Knochens Heilungsspuren zeigen: Der "Riese" lebte weiter nach diesem riskanten und äußerst schmerzhaften Eingriff. Offenbar wurde er jedoch später gewaltsam getötet.

Die Zusammensetzung des Massengrabs sorgt bei den Forschern für Rätselraten. Sie finden darin sowohl vollständige Skelette als auch zerstückelte Körperteile. Bei einem Mann deuten Hiebspuren am Kiefer eindeutig auf eine Enthauptung hin, während die Anordnung anderer Skelette darauf schließen lässt, dass Hände und Füße gefesselt waren.

Die Radiokarbondatierung der Funde legt mit 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit den Zeitraum zwischen 772 und 891 nahe. In diesen Jahren erlebte England tiefgreifende Veränderungen: Rund 400 Jahre nach dem Abzug der Römer und der Etablierung sächsischer Königreiche kam es ab 793 zu Überfällen der Wikinger.

Ob es sich bei den Toten um Sachsen handelt, die von Wikingern hingerichtet wurden, oder um skandinavische Krieger, die in einem Hinterhalt ums Leben kamen, sollen künftig DNA-Analysen und Isotopenuntersuchungen klären.

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