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Schraubenmilliardär Würth: Deutschlands goldene Jahre sind vorbei

Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe
Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe Copyright  (c) tm Studios, Mario Heinritz
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Von Eduard Wolter
Zuerst veröffentlicht am
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Reinhold Würth (91) gilt, laut Forbes, mit 41,9 Milliarden Dollar Besitz zu den drei reichsten Deutschen. Die Würth-Gruppe hat weltweit 86.000 Beschäftigte und macht 20,7 Milliarden Umsatz (2025). Würth erklärt, wie auch Deutschland wieder erfolgreich wird.

Reinhold Würth beschreibt die Zeit von 1945 bis 2026 als die Goldenen 80 Jahre Deutschlands, ohne Krieg, mit jährlich zunehmendem Wohlstand und funktionierender Demokratie.

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„Auch beruflich ist meine Entwicklung und Laufbahn genau parallel mit dem Werdegang der Bundesrepublik zu vergleichen. Mein Vater Adolf konnte das Unternehmen Würth wenige Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs (…) in Künzelsau gründen. 1949 kam ich als Lehrling in dieses Zwei-Mann-Unternehmen und musste es nach dem schnellen Tod des Vaters 1954 als 19-Jähriger weiterführen, was gut gelungen ist.“

Die goldenen Jahre Deutschlands sind vorbei

Heute hat die Würth-Gruppe 86.000 Mitarbeiter, hat 2025 rund 20,7 Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftet und ist seit Bestehen durchschnittlich um 19,3 Prozent pro Jahr gewachsen.

Bundeskanzler Olaf Scholz gratulierte zum 75. Arbeitsjubiläum von Prof. Reinhold Würth am 1. Oktober 2024 in Künzelsau.
Bundeskanzler Olaf Scholz gratulierte zum 75. Arbeitsjubiläum von Prof. Reinhold Würth am 1. Oktober 2024 in Künzelsau. © Würth/Arslan

Für den Unternehmer markiert die Jahrtausendwende aber einen Mentalitätswechsel in Deutschland. Da für nahezu alle eine sichere Existenz und ein gewisser Wohlstand erreicht worden sei, habe das Interesse der Berufstätigen an weiteren Karriereschritten im Beruf abgenommen. Die Deutschen hätten sich der Familie und der Vorbereitung einer möglichst stressfreien Zukunft ihrer Kinder zugewandt.

In einem Meinungsbeitrag für Euronews beklagt Würth: „Dies führte zur Umorientierung einer ganzen Generation, weg vom stressigen Aufbau einer eigenen Überlebensstrategie hin zu gesichertem Wohlleben. Sorge vor Krieg? Fehlanzeige. Stress im Beruf? Fehlanzeige. Nach Abschluss der Ausbildung eine von den Eltern bezahlte Weltreise? Aber ja!“

Deutschlands Immunsystem ist nicht mehr trainiert

Sein Fazit: die Kinder und Enkel der Babyboomer-Generation würden die Bequemlichkeit lieben und im Arbeitsleben gehöre der Freitagnachmittag mittlerweile schon zum Wochenende, während dies früher erst am Samstagnachmittag begonnen habe

Reinhold Würths Unternehmen ist in 80 Ländern mit über 2.800 Niederlassungen vertreten. Der „Schraubenkönig“ konstatiert, dass 2026 das Immunsystem Deutschlands nicht mehr trainiert sei und nun mit „unendlichem Aufwand“ revitalisiert werden müsse. Die Betriebe seien wegen der „unmäßigen Lohnforderungen der Gewerkschaften“ nicht mehr konkurrenzfähig. Würths Analyse ist drastisch, die Produktionskosten pro Einheit in anderen Ländern der EU „sind bis zu 50 Prozent günstiger als in Deutschland. Damit sind in Deutschland produzierte Produkte auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig, Arbeitnehmer der in Deutschland geschlossenen Produktionen verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Deindustrialisierung Deutschlands ist eine Spirale Richtung Keller.“

Elektronik, Informatik, KI als Chance

Reinhold Würth, der die Würth-Gruppe zum Weltmarktführer im Handel mit Montage- und Befestigungsmaterial für Handwerk und Industrie gemacht hat, sieht vor allem im Bereich der Elektronik, Informatik und Künstlichen Intelligenz eine Chance. Deutschland solle den Wettbewerb mit den US- amerikanischen Giganten Google und Apple aufnehmen, landeseigene Clouds aufbauen und vor allem „im Bereich der Künstlichen Intelligenz innovieren“.

Es braucht Einigkeit, Einheit und Wir-Gefühl

Auch appelliert die Unternehmerlegende an den Zusammenhalt der Deutschen. Vorbild sei die Wiedervereinigung. „Millionen waren damals zu Tränen gerührt“, so Würth, „das war ein Höhepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.“

Angesichts der Gefahr eines Weltkrieges bräuchten die Deutschen wieder „Einigkeit, Einheit, Wir-Gefühl und nicht Streiks um höhere Betriebsrenten nach Pensionierung.“

Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, ist Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe. Die Würth-Gruppe mit Sitz in Künzelsau ist Weltmarktführer im Handel mit Montage- und Befestigungsmaterial für Handwerk und Industrie. Im Januar 2026 bezifferte Forbes sein Vermögen auf 41,9 Milliarden US-Dollar und stufte ihn und seine Familie vorübergehend als reichste Deutsche ein.

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