Reinhold Würth (91) gilt, laut Forbes, mit 41,9 Milliarden Dollar Besitz als einer der drei reichsten Deutschen. Die Würth-Gruppe beschäftigt weltweit 86.000 Menschen, machte 2025 rund 20,7 Milliarden Umsatz. In einem Meinungsbeitrag für Euronews erklärt Würth, wie Deutschland wieder vorankommt.
Im April 2026 feierte ich meinen 91. Geburtstag. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war ich 10 Jahre alt und konnte somit die Goldenen Jahre der Bundesrepublik Deutschland vom ersten Tag an miterleben. Spätere Generationen werden die Zeit von 1945 bis wenigstens 2026 als die Goldenen 80 Jahre Deutschlands bezeichnen: Deutschland über 80 Jahre ohne Krieg, jährlich zunehmender Wohlstand, funktionierende Demokratie.
Ich bin dankbar, 1935 in diese Zeit hineingeboren worden zu sein. Nie war ich Soldat, in meiner Jugend gehörte ich zu den sogenannten weißen Jahrgängen. Dieses Jahr, 2026, bin ich 70 Jahre mit meiner lieben Frau Carmen verheiratet.
Deutschlands Wohlstand wuchs von Jahr zu Jahr
Auch beruflich ist meine Entwicklung und Laufbahn genau parallel mit dem Werdegang der Bundesrepublik zu vergleichen. Mein Vater Adolf konnte das Unternehmen Würth wenige Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs, damals noch über Genehmigung der amerikanischen Militärregierung, in Künzelsau gründen.
1949 kam ich als Lehrling in dieses Zwei-Mann-Unternehmen und musste es nach dem schnellen Tod des Vaters 1954 als 19-Jähriger weiterführen, was gut gelungen ist. Ich hatte Arbeit bei der Kundenwerbung und Mitarbeitereinstellung. Ich empfand es als fröhliches Hobby, sodass heute 86.000 Mitarbeiter mehr als 20 Milliarden Euro Jahresumsatz (2025) erwirtschaften. Durchschnittlich ist Würth mit 19,3 Prozent pro Jahr gewachsen.
Betrachtet man die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland, dann wurde das geschundene, zerstörte Land durch harte Arbeit der Bürger und der Wirtschaft, von Behörden und Politik wieder aufgebaut: Der Wohlstand wuchs von Jahr zu Jahr, nach Fahrrad und neuem Auto kam für viele das eigene Haus dazu, die Urlaubsreisen der Deutschen führten mit wachsendem Wohlstand immer weiter in die Ferne auf der ganzen Welt. So weit, so gut.
Kinder und Enkel der Babyboomer lieben die Bequemlichkeit
Rekapituliert man dann, war für einen Großteil der Bevölkerung um die Jahrtausendwende eine sichere Existenz und ein gewisser Wohlstand erreicht – damit nahm das Interesse der Berufstätigen an weiteren Karriereschritten im Beruf eher ab. Man wendete sich der Familie und der Vorbereitung einer möglichst stressfreien Zukunft der Kinder zu, was zu einer gewissen Verwöhnung der Jugend führte. Hinzu kam in jener Zeit um die Jahrtausendwende das immer bessere iPhone auf: Bald lehrten die Kinder ihre Eltern und Lehrer, wie man mit dem iPhone umzugehen hat. Dies führte zur Umorientierung einer ganzen Generation, weg vom stressigen Aufbau einer eigenen Überlebensstrategie hin zu gesichertem Wohlleben. Sorge vor Krieg? Fehlanzeige. Stress im Beruf? Fehlanzeige. Nach Abschluss der Ausbildung eine von den Eltern bezahlte Weltreise? Aber ja! Damit ist die Frage, wie es Deutschland geht, eigentlich beantwortet.
Kinder und Enkel der Babyboomer-Generation lieben die Bequemlichkeit und reklamieren im Arbeitsleben, dass der Freitagnachmittag schon zum Wochenende gehöre – früher war das der Samstagnachmittag!
2026: Deutschlands Immunsystem ist nicht mehr trainiert
Nachdem man nun 2026 die Menschen aus ihrem geruhsamen Leben aufscheucht mit wirtschaftlichem Niedergang Deutschlands, Kriegsgefahr und Inflationssorgen, ist das Immunsystem Deutschlands nicht mehr trainiert und muss mit unendlichem Aufwand revitalisiert werden. Spiegelbild sind die Regierungen unter Scholz und Merz, wobei letzterer noch eine Chance hat, einen guten Beitrag zur Verbesserung zu leisten.
Tatsache ist, dass die meisten Produktionsbetriebe der Volkswirtschaft durch die unmäßigen Lohnforderungen der Gewerkschaften nicht mehr konkurrenzfähig sind: Die Produktionskosten pro Einheit in anderen Ländern der EU sind bis zu 50 Prozent günstiger als in Deutschland. Damit sind in Deutschland produzierte Produkte auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig, Arbeitnehmer der in Deutschland geschlossenen Produktionen verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Deindustrialisierung Deutschlands ist eine Spirale Richtung Keller.
Bei Elektronik, Informatik, KI den Wettbewerb aufnehmen
Hier sehe ich nur eine Chance, die Katastrophe abzuwenden, indem wir im Bereich der Elektronik, Informatik und Künstlichen Intelligenz den Wettbewerb mit den US- amerikanischen Giganten Google, Apple usw. aufnehmen, landeseigene Clouds aufbauen und sozusagen auf Teufel komm raus im Bereich der Künstlichen Intelligenz innovieren. Das wird sehr schwierig sein, wenn man die riesigen Zeitfortschritte bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz in China beobachtet.
Neben dem rein wirtschaftlichen Aspekt darf man Stimmung und Emotionen in Deutschland nicht außer Acht lassen: 50 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Erfolgs ist nun eben einmal Emotion, Stimmung, Meinung der Bürger. Diese wohlstandsgetriebene Vielstimmigkeit im Land, die Hetze gegen jedes und alles vergiftet das Immunsystem des Landes.
Es braucht Einigkeit, Einheit und Wir-Gefühl
Einer der öffentlichen Höhepunkte in meinem 91-jährigen Leben war der 9. November 1989, als die DDR-Mauer in Berlin fiel und die Wiedervereinigung begann. Wie waren damals die Deutschen in Hochstimmung, in Freude über die Wiedervereinigung. Millionen waren zu Tränen gerührt. Das war ein Höhepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Und heute? Moralisch kleinkariertes Gemetzel (bildlich gesprochen). Jeder gegen jeden, alle gegen alles, muss das denn sein? In der Gefahr eines Weltkriegs sollten wir uns als Deutsche demokratisch, ideologisch und militärisch aufrüsten, einfach um abzuschrecken und den Frieden zu bewahren. Dazu braucht es aber Einigkeit, Einheit, Wir-Gefühl und nicht Streiks um höhere Betriebsrenten nach Pensionierung (Lufthansa). Im 92. Lebensjahr weiß ich die Erde und unser Land innerhalb überschaubarer Zeit zu verlassen.
Die letzten Worte von Claus Schenk Graf von Stauffenberg waren: „Es lebe Deutschland.“ Gestatten Sie mir hinzuzufügen: „Es lebe Deutschland in Freiheit und Demokratie.“
Die Würth-Gruppe mit Sitz in Künzelsau ist Weltmarktführer im Handel mit Montage- und Befestigungsmaterial für Handwerk und Industrie. In 80 Ländern beschäftigt der Konzern über 86.000 Mitarbeiter in über 400 Gesellschaften mit über 2.800 Niederlassungen. Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Im Januar 2026 bezifferte Forbes sein Vermögen auf 41,9 Milliarden US-Dollar und stufte ihn und seine Familie als reichste Deutsche ein.