Laurence des Cars hat ihren Posten als Direktorin des Pariser Louvre aufgegeben. Hintergrund ist der Skandal um den dreisten Tagesraub von unbezahlbarem Kronschmuck.
Laurence des Cars, die unter massivem Druck stehende Direktorin des Pariser Louvre, ist zurückgetreten.
Sie stand wegen massiver Sicherheitspannen nach einem spektakulären Raubüberfall am helllichten Tag im vergangenen Oktober im meistbesuchten Museum der Welt in der Kritik.
In einer Erklärung auf ihrer Website dankte der Élysée-Palast von Präsident Emmanuel Macron ihr für ihren Einsatz.
„Frau Laurence des Cars hat dem Präsidenten der Republik ihren Rücktritt von der Präsidentschaft des Louvre-Museums schriftlich vorgelegt“, heißt es darin.
Das Staatsoberhaupt habe den Schritt angenommen. Er würdigte ihn als verantwortungsbewusste Entscheidung in einer Phase, in der das größte Museum der Welt Ruhe und neuen Schwung brauche, um große Sicherheitsprojekte, die Modernisierung und das Projekt „Louvre – New Renaissance“ voranzutreiben.
In der Mitteilung bedankt sich der Élysée weiter für ihr Engagement der vergangenen Jahre und bietet ihr zugleich an, weiter eine Rolle zu spielen – „im Rahmen der französischen G7-Präsidentschaft, bei der Zusammenarbeit der großen Museen der beteiligten Länder“.
Unklar ist, ob des Cars dieses Angebot annimmt – und warum Macron ihren Rücktritt gerade jetzt akzeptiert. Bereits kurz nach dem folgenschweren Einbruch im Oktober hatte sie der Regierung ihren Rückzug angeboten.
Sicherheitsprobleme
In derselben Woche wie der Überfall musste des Cars vor der Kulturkommission des Senats aussagen. Dort suchten die Abgeordneten Antworten auf drängende Fragen zur Sicherheit im Louvre.
Sie sollte erklären, wie es einer Bande von vier Männern gelingen konnte, mehrere Juwelen zu stehlen, die einst den herrschenden Familien Frankreichs im 19. Jahrhundert gehörten.
Fachleute schätzen den Schaden für den Staat auf rund 88 Millionen Euro „allein in ökonomischer Hinsicht“. Der historische und kulturgeschichtliche Wert der Beute lasse sich überhaupt nicht beziffern.
Die Anhörung im Senat legte einen ganzen Katalog katastrophaler Fehlentscheidungen offen – und eine lange Geschichte ignorierter Warnungen zur Sicherheit des Gebäudes.
Des Cars erklärte, sie habe seit ihrem Amtsantritt 2021 regelmäßig ranghohe Regierungsvertreter auf den „Zustand der Abnutzung und die generelle Überalterung“ der Institution hingewiesen und zugleich betont, dass das Personal „nicht bewaffnet“ sei.
Außerdem räumte sie ein, dass die Videoüberwachung außerhalb des Museums „äußerst unzureichend“ sei. Dies könnte ein Hauptgrund dafür gewesen sein, dass die Diebe die Galerie d’Apollon auswählten – eine von vielen toten Winkeln an den Fassaden des Louvre.
Bauliche Mängel und Streiks
Der Louvre ist das meistbesuchte Museum der Welt; 2024 strömten fast neun Millionen Menschen durch seine Türen – mehr als doppelt so viele, wie das Gebäude ursprünglich aufnehmen sollte.
Anfang vergangenen Jahres wurde ein vertrauliches Schreiben von des Cars an Kulturministerin Rachida Dati öffentlich. Darin listete sie zahlreiche strukturelle Mängel im bedeutendsten Kunstmuseum Frankreichs auf.
„Ein Besuch im Louvre ist eine körperliche Strapaze; zu den Kunstwerken zu gelangen dauert lange und ist nicht immer einfach“, schrieb des Cars. „Den Besucherinnen und Besuchern fehlt Raum zum Ausruhen. Gastronomie und Sanitäranlagen reichen bei Weitem nicht aus und liegen unter internationalen Standards. Die Beschilderung muss vollständig neu gestaltet werden.“
Des Cars, die zuvor die Museen Musée d’Orsay und Musée de l’Orangerie geleitet hatte, äußerte sich außerdem besorgt über die Erhaltung der Kunstwerke im Louvre.
Schäden an den Ausstellungsräumen – auch infolge von Überfüllung – hätten „sehr schlechte Bedingungen“ geschaffen, schrieb sie weiter: Einige Bereiche seien „nicht mehr wasserdicht, andere unterlägen starken Temperaturschwankungen und gefährden damit die Konservierung der Werke“.
Zuletzt traten die Beschäftigten des Louvre aus Protest gegen Bezahlung und Arbeitsbedingungen in den Streik. Seit Anfang 2025 ist das Museum deshalb teilweise geschlossen.
Die französische Regierung veranschlagt für das Renovierungsprogramm „New Renaissance“ Kosten von 700 bis 800 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren. Nur ein „sehr kleiner Teil“ davon solle aus Steuergeldern kommen, betont sie.
Etwa 20 Millionen Euro pro Jahr sollen aus höheren Eintrittspreisen für Gäste von außerhalb Europas stammen. Nicht-EU-Besucherinnen und -Besucher zahlen nun 32 Euro pro Ticket – ein Aufschlag von 45 Prozent.
Nach Abschluss der Arbeiten soll das Museum nach Angaben der Behörden bis zu zwölf Millionen Menschen jährlich aufnehmen können.