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Euronews Culture: Film der Woche – Scream sieben, trifft der Nostalgie-Schocker ins Schwarze?

Film der Woche: Scream 7
Film der Woche: Scream 7 Copyright  Paramount Pictures - Canva
Copyright Paramount Pictures - Canva
Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Nach einer holprigen Produktion kehren Drehbuchautor Kevin Williamson und Scream-Ikone Neve Campbell zur Kultreihe zurück – mit Licht und Schatten.

DIESE KRITIK IST SPOILERFREI

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Vor dreißig Jahren kam Scream in die Kinos, belebte das Slasher-Genre neu und stellte die moderne Horrorkulisse auf den Kopf. Jetzt steht mit Scream 7 der siebte Teil einer Reihe an, der man ihre Müdigkeit bereits anmerkte.

Das Grauen setzte diesmal früh ein: Die Entwicklung von Scream 7 geriet schnell in einen Strudel aus Kontroversen.

Nach dem kommerziellen Erfolg von Scream VI aus dem Jahr 2023 – ein frustrierend unausgeglichenes Kapitel, in dem Scream-Ikone Neve Campbell fehlte – hatte der neue Film einiges durchzustehen: Regisseur-Abgänge, umstrittene Cast-Entlassungen und anhaltende Online-Shitstorms. Einige Fans kündigten Boykotte an, vor der Premiere in Los Angeles kam es zu Protesten.

Solche Turbulenzen enden für große Franchises meist im Desaster. Zumal das Drehbuch noch einmal umgeschrieben wurde und damit den Schwestern-Arc über Bord wirft, den das verwirrend betitelte Scream (2022) und Scream VI aufgebaut hatten.

Mit der Rückkehr von Campbell und von Kevin Williamson, dem Autor des ersten Scream, der hier nicht nur mitschreibt, sondern auch Regie führt, keimte dennoch Hoffnung auf, dass dieses einflussreiche Franchise noch nicht am Ende ist.

Scream 7
Scream 7 Paramount Pictures

Scream 7 rückt wieder Sidney Prescott (Campbell) ins Zentrum – inzwischen Sidney Evans, verheiratet mit Polizist Mark (Joel McHale). Sie betreibt ein kleines, gemütliches Café im Städtchen Pine Grove und hat ein angespanntes Verhältnis zu ihrer jugendlichen Tochter Tatum (Isabel May). Über ihre traumatische Vergangenheit schweigt sie beharrlich.

Als unsere zurückgekehrte Final Girl einen unheilvollen Anruf erhält, hält sie ihn zunächst für einen schlechten Scherz. Doch der Killer versteckt sich nicht mehr. Der Anrufer behauptet, er sei der wiederauferstandene Stu Macher (Matthew Lillard), einer der beiden Original-Killer aus Scream.

Hat Stu seinen Fernseher-ins-Gesicht-Tod von 1996 tatsächlich überlebt? Oder spielt hier jemand besonders perfide mit dem Angstthema der Gegenwart: KI?

Scream 7
Scream 7 Paramount Pictures

Tief durchatmen.

Der erste Scream sezierte das Slasher-Kino und drehte sich um generationenübergreifende Traumata und die Abstumpfung gegenüber Gewalt. Scream 2 nahm Sequels und den Einfluss des Kinos auf reale Gewalttaten aufs Korn. Scream 3 zerlegte die Trilogie-Logik und legte die Giftigkeit Hollywoods frei. Scre4m spielte mit Remake-Konventionen und reflektierte Empowerment und Konkurrenz-Opferrollen in einer Social-Media-Welt voller Selbsttäuschung und Anspruchsdenken. Scream (also Scream 5) kommentierte Legacy-Sequels und toxische Fankulturen. Scream VI richtete sich gegen Franchise-Wahn und Internet-Verschwörungen, die Opfer zu Tätern umdeuten. Scream 7 dreht sich nun vor allem um Nostalgie und darum, generationenübergreifende Wunden endlich anzunehmen.

Die Reihe schließt damit nicht nur thematisch, sondern auch erzählerisch den Kreis. Sidneys Tochter ist jetzt in dem Alter, in dem ihre Mutter war, als die Morde begannen. Mutterschaft war immer ein roter Faden des Franchise. In dieser Rückbesinnung auf die Anfänge setzt sich der Teufelskreis des vererbten Unglücks schmerzhaft fort.

Das Problem: Williamson nimmt den Teil mit den „Basics“ etwas zu wörtlich.

Scream 7
Scream 7 Paramount Pictures

Zu den Stärken von Scream 7 gehört, dass der Film in den ersten beiden Akten die Spannung kontinuierlich steigert. Dazu kommen einige bemerkenswert blutige Morde – die der gesamten Reihe bislang – und viele einfallsreiche Setpieces. Herausragend sind eine fast giallohafte, auf der Bühne schwebende Ausweidung im Argento-Stil und ein großer Grand-Guignol-Auftritt: Tod durch Zapfhahn.

Positiv ist auch, dass der Film die langsam ermüdenden „Regeln“, das endlose Meta-Geschnatter und das verkrampfte Mythologisieren über Bord wirft, die Scream VI so überladen hatten. Dieses Gerede wurde übrigens schon vor zwölf Jahren in Scre4m verspottet, als eine Figur über den „postmodernen Meta-Scheiß“ schimpfte – ironischerweise beim Schauen des Franchise-im-Franchise-Films Stab 7. Übrig bleibt nun ein schlanker Slasher, der eine der hartnäckigsten Fan-Theorien endlich direkt adressiert: Stu lebt! Oder doch nicht? Damit reflektiert Scream 7, wie die Vergangenheit in der Gegenwart nachhallt und nach einer Abrechnung verlangt.

All diesen vielversprechenden Ansätzen steht jedoch ein Hauptproblem entgegen: Scream 7 findet kein überzeugendes Finale.

Wer gnädig ist, kann darüber hinwegsehen, dass der selbstreflexive Humor sich fast ausschließlich auf ironische Seitenhiebe gegen die jüngere Seriengeschichte beschränkt – inklusive mehrfacher Anspielungen auf Sidneys Abwesenheit in Scream VI. Für den dritten Akt gibt es allerdings keine Entschuldigung.

Mehrere Figuren – Courtney Cox’ Gale und ihre beiden Gefährten Chad und Mindy (erneut Mason Gooding und Jasmin Savoy Brown) – landen am Rand der Handlung. Und am schwersten wiegt, dass die Enthüllung von Ghostface zum unspektakulärsten Maskenfall der gesamten Reihe gerät.

Ein großer Reiz von Scream lag immer darin, mitzuraten, wer sich hinter der Ghostface-Maske verbirgt. Die Auflösung sollte sich anfühlen wie ein blutiger Poirot-Moment, nicht wie ein hanebüchenes Scooby-Doo-Finale. Wenn die spontane Reaktion auf das Maskenfallen lautet: „Moment, wer bist du noch mal?“, ist etwas gründlich schiefgelaufen.

Schlimmer noch: Ziel und Antrieb des oder der Antagonisten sind ein einziges Durcheinander. Motiv zählt. Und wenn das Marketing vollmundig verspricht „Alles lief auf diesen Moment hinaus“, möchte man alles, nur kein Schulterzucken, sobald das „Warum“ hinter dem whoslashedit auf dem Tisch liegt. Hier vergibt der Film eine große Chance – zumal die Originalprotagonistin wieder an Bord ist. Retcons sind selten eine gute Idee, doch für den großen Knalleffekt hätte es hier etwas weitaus subversiveres und einschneidenderes gebraucht.

Man ertappt sich fast dabei, sich zu wünschen, der Deepfake-Fehlalarm wäre gar keiner gewesen.

Scream 7
Scream 7 Paramount Pictures

Am Ende, wenn alles gesagt und abgestochen ist, wirkt Scream 7 weniger chaotisch, als es die turbulente Produktionsgeschichte erwarten ließ. Gegen alle Wahrscheinlichkeit überwiegen die Stärken insgesamt noch die Schwächen. Neve Campbell ist großartig. Wie sie die Mutter-Tochter-Beziehung erdet, sorgt dafür, dass die Satire auf den Nostalgie-Hunger des Kinos emotional verankert bleibt.

Trotzdem kann selbst ihr starkes Spiel nicht verhindern, dass Scream 7 nur im Mittelfeld landet. Nicht so schwach wie Scream 3, nicht so überfrachtet wie Scream VI, aber klar entfernt von den Höhepunkten der Reihe: dem Scream von 1996 und seinem raffinierten Nachfolger Scream 2. Der Schlussteil wird selbst eingefleischte Scream-Fans eher ernüchtern. Sollte ein achter Film grünes Licht bekommen, braucht es ein deutlich schärferes Drehbuch – sonst versteinert die Reihe endgültig zu dem, was die Scream-Filme früher so lustvoll sezierten. In diesem Fall müssten künftige Scream-Marathons wohl mit den Jahren 1996 bis 2022 datiert werden.

Scream 7 läuft jetzt in den Kinos.

Cutter • Amber Louise Bryce

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