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Rätsel um Nazi-Raub: Erotischer Mosaikfund aus römischer Zeit

Man brachte das Mosaik zurück ins Museum von Pompeji.
Mosaik wieder im Museum von Pompeji ausgestellt Copyright  Parco Archeologico di Pompei
Copyright Parco Archeologico di Pompei
Von Stefania De Michele
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der 2025 nach Pompeji zurückgebrachte erotische Mosaikfund, im Zweiten Weltkrieg geraubt, stammt laut neuen Recherchen aus einer römischen Villa in der Region Marken an der Adria.

Monatelang galt es als Fundstück aus dem Gebiet rund um den Vesuv. In Wirklichkeit verbarg das 2025 an den italienischen Staat zurückgegebene Mosaik mit erotischer Szene eine weitaus kompliziertere Geschichte. Nach Jahrzehnten in Deutschland kehrte das Werk nach Italien zurück und kam in die Obhut des Archäologischen Parks von Pompeji.

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Erst neue naturwissenschaftliche Analysen und eine interdisziplinäre Recherche zeigten, dass das Stück keinen direkten Bezug zu Pompeji hat. Das Mosaik stammt vielmehr aus einer römischen Villa in den Marken. (Die Marken sind eine Region im Osten Italiens an der Adria, mit der Hauptstadt Ancona.)

Die Geschichte entwickelte sich damit zu einem echten _"_Cold Case" der Archäologie, den Fachleute, Universitäten und Behörden gemeinsam lösen konnten.

Der Diebstahl im Zweiten Weltkrieg

Die Geschichte des Mosaiks beginnt in den dramatischsten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Nach Recherchen des Nucleo tutela patrimonio culturale dei Carabinieri , einer spezialisierten Einheit der italienischen Carabinieri, die sich auf den Schutz und die Rückführung von Kulturgut konzentriert, soll ein Wehrmachtshauptmann das Stück zwischen 1943 und 1944 in Italien entwendet haben.

Der Offizier war für die militärische Nachschubkette zuständig. Während des Kriegs gelangte er in den Besitz des Mosaiks und brachte es nach Deutschland. Später schenkte er es einem befreundeten deutschen Privatsammler. Generationenlang blieb das Werk in dessen Familie, bis die Erben beschlossen, es im Juli 2025 an den italienischen Staat zurückzugeben.

Nach Pompeji zurückgebrachtes Mosaik
Nach Pompeji zurückgebrachtes Mosaik Parco Archeologico di Pompeii

Warum das Mosaik zunächst Pompeji zugerechnet wurde

Als das Mosaik nach Italien zurückkam, wusste niemand genau, wo es ursprünglich gelegen hatte. Das Kulturministerium stellte es deshalb zunächst vorübergehend dem Archäologischen Park von Pompeji zur Verfügung.

Die Entscheidung war naheliegend: Mosaiken mit ähnlicher Technik, ähnlichem Stil und vergleichbaren Motiven sind aus dem Vesuvgebiet gut bekannt. Doch ausgerechnet die vom Park angestoßenen Untersuchungen stellten diese Zuordnung infrage. Archäometrische Analysen zusammen mit dem Fachbereich Wissenschaften und Technologien der Universität del Sannio deuteten auf eine Werkstatt im Latium hin, deren Arbeiten überregional verbreitet waren.

Entdeckung: "Mosaik stammt aus den Marken"

Der entscheidende Hinweis kam fast zufällig. Bei der Präsentation des Mosaiks im Jahr 2025 erkannte die aus den Marken stammende Archäologin Giulia D’Angelo Details, die sie an einen ganz bestimmten Fundzusammenhang erinnerten.

Nach weiteren Überprüfungen konnten Fachleute das Stück einer römischen Villa in Rocca di Morro zuordnen, einem Ortsteil der Gemeinde Folignano in der Provinz Ascoli Piceno. Das Mosaik ist dort bereits Ende des achtzehnten Jahrhunderts beschrieben worden – ein Hinweis darauf, dass es der lokalen Forschung lange vor seinem Verschwinden bekannt war.

Ein weiteres wichtiges Puzzlestück lieferte eine historische Quelle aus dem neunzehnten Jahrhundert. Der aus Ascoli stammende Maler und Archäologe Giulio Gabrielli (1832–1910) zeichnete das Mosaik in ein handschriftliches Notizbuch, das um 1868 datiert und heute in der Stadtbibliothek von Ascoli Piceno aufbewahrt wird.

Neben der Skizze notierte Gabrielli, das Stück sei auf einem Gut der Familie Malaspina in Rocca di Morro gefunden worden. Er deutete die Szene als Begegnung eines Mannes, der einer halbnackten Frau einen Geldbeutel reicht, und schlug den sprechenden Titel "Abschied einer Hetäre" vor.

Das wiederentdeckte Mosaik
Das wiederentdeckte Mosaik Parco archeologico di Pompei

Ein "Cold Case" der Archäologie, gelöst durch Forschung

Der Fall zeigt, dass die Rückgabe eines geraubten Objekts nur der erste Schritt beim Schutz des kulturellen Erbes ist. Nach der Rückkehr des Werks nach Italien brauchte es wissenschaftliche Analysen, archäologische Vergleiche und Archivforschung, um dem Mosaik seine wirkliche Geschichte zurückzugeben.

Das Zusammenspiel der Kulturgut-Einheit der Carabinieri, der Fachleute im Kulturministerium, des Archäologischen Parks von Pompeji und der beteiligten Universitäten machte es möglich, das Stück wieder an seinen ursprünglichen Kontext anzubinden: eine römische Villa in den Marken.

Neuer historischer Wert für die Region Marken

Das Mosaik ist weiterhin in Pompeji zu sehen. Die Klärung seiner Herkunft eröffnet jedoch neue Perspektiven für die Aufwertung des Fundorts Rocca di Morro. Der Fund bildet ein wichtiges Stück Lokalgeschichte und wirft neues Licht auf die römische Kunstproduktion, in der spezialisierte Werkstätten aus dem Latium qualitätsvolle Mosaiken in viele Regionen der Halbinsel lieferten.

Nach einer mehr als achtzig Jahre währenden Odyssee durch Krieg, private Sammlungen und archäologische Ermittlungen hat das erotische Mosaik seine wahre historische Identität zurückerlangt. Eine Geschichte, die zeigt, wie hinter jedem Fundobjekt ein komplexer Weg aus Erinnerung, Forschung und kultureller Rückgabe stehen kann.

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