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Pinot Noir schon im Mittelalter: Jeanne d’Arc könnte unsere Traube gekostet haben

ARCHIV: Studierende der Oregon State University zeigen Pinot-noir-Trauben im Uni-Weinberg nahe Alpine, Oregon, am Freitag, dem 8.09.23.
ARCHIV: Studierende der Oregon State University zeigen Pinot-noir-Trauben im universitätseigenen Weinberg bei Alpine, Oregon, am achten September 2023. Copyright  Andrew Selsky/Copyright 2023 The AP. All rights reserved
Copyright Andrew Selsky/Copyright 2023 The AP. All rights reserved
Von Célia Gueuti
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Ein sechshundert Jahre alter Traubenkern aus der Toilette eines mittelalterlichen französischen Hospitals ist genetisch identisch mit heutigen Pinot-noir-Trauben, teilten Forschende am Dienstag mit.

Er steckt in den berühmten Champagnern und in den Weinen der Côte d'Or. Der Pinot Noir gilt als eine der prägenden Rebsorten Frankreichs – und ist dort offenbar schon länger heimisch, als bislang vermutet.

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Eine Genomstudie von Traubenkernen aus verschiedenen archäologischen Fundorten hat genau diese Rebsorte nachgewiesen – in einer mittelalterlichen Müllgrube in Valenciennes im Norden Frankreichs, und zwar mit nahezu identischem genetischem Profil wie heute.

Ob die Menschen im fünfzehnten Jahrhundert in Valenciennes Pinot Noir als Saft, Wein oder Tafeltraube nutzten, wissen die Forschenden nicht. Die Ergebnisse der Sequenzierung begeistern sie trotzdem – noch bevor Historikerinnen und Historiker Schriftquellen zur Verbreitung der Rebsorten ausgewertet haben.

„Das fünfzehnte Jahrhundert markiert das Ende des Hundertjährigen Kriegs, es ist die Zeit von Jeanne d'Arc. In gewisser Weise heißt das, sie hätte dieselbe Traube probieren können wie wir.“, erläutert der Paläogenetiker Ludovic Orlando, Mitautor der in „Nature Communications“ veröffentlichten Studie, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Forschenden zeigen außerdem, dass sich der Pinot Noir in den vergangenen 600 Jahren kaum verändert hat. Winzerinnen und Winzer bewahrten ihn mithilfe der klonalen Vermehrung, etwa durch Stecklinge. So blieben die typischen Eigenschaften der Rebsorte erhalten.

Diese Eigenschaften sind weiterhin gefragt, nach Einschätzung der Winzerin Lorraine Oddo sogar mehr denn je. „Heute besinnen wir uns, vor allem in den südlichen Regionen, wieder auf diese uralten Rebsorten“, erklärt sie. „Einige Rebsorten sind etwas in Vergessenheit geraten, und wir führen derzeit eine umfassende Studie durch, um diese alten Sorten aufzuspüren. Sie liefern uns zahlreiche Erkenntnisse über den Klimawandel, insbesondere über Rebsorten, die künftig widerstandsfähiger sein dürften.“

Französischer Wein: Geschichte im Erbgut der Reben

Die Studie umfasst 54 Traubenkerne, die von der Bronzezeit bis ins Mittelalter datieren. Sie erlaubt einen ersten Stammbaum verschiedener französischer Kulturreben und zeichnet zudem eine Karte des Stecklingsaustauschs im Mittelmeerraum.

Der Weinhandel Frankreichs im Mittelmeerraum ist gut belegt. Zahlreiche gefundene Amphoren zeigen enge Kontakte zu den antiken Griechen und Etruskern. Die Analyse der Traubenkern-DNA macht nun deutlich, dass Winzerinnen und Winzer Rebsorten über große Distanzen austauschten – unter anderem mit Spanien, dem Balkan, dem Kaukasus und dem Nahen Osten.

Nach der Studie reicht die Verbreitung domestizierter Weinreben sogar noch weiter zurück. „Die vegetative Vermehrung, belegt durch genetisch identische Klone, die seit Jahrhunderten an verschiedenen Fundorten auftreten, setzt etwa in der Mitte der Eisenzeit ein und wird zu einer tragenden Säule des Weinbaus“, heißt es in dem Artikel.

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