Einsatzkräfte öffneten die Wohnung gewaltsam, nachdem Hinweise auf eine mögliche Lebensgefahr eingegangen waren. Nun ermitteln auch Cyber-Spezialisten.
Nach Angaben der Staatlichen Feuerwehr gingen am Sonnabendabend Hinweise auf einen möglichen Brand und eine Lebensgefahr in einer Wohnung ein, die in Verbindung mit Polens Präsidenten Karol Nawrocki steht. Die Einsatzkräfte erreichten die Anrufer nicht mehr, deshalb entschieden sie sich für ein sofortiges Eingreifen.
Die Feuerwehr schilderte: „Nach Eintreffen am Einsatzort und einer ersten Lageerkundung entschied der Einsatzleiter, die Wohnung gewaltsam zu öffnen. Bei der Durchsuchung stellten wir weder eine Brandgefahr noch verletzte Personen fest. Die Wohnung war leer.“
Auch die Polizei war vor Ort. Sie bestätigte, dass keine Gefahr bestand, und sicherte die Wohnung, bis die Bewohner zurückkamen.
Die Ermittler haben inzwischen umfangreiche operative Maßnahmen eingeleitet. Daran beteiligen sich Spezialisten des Zentralbüros zur Bekämpfung der Cyberkriminalität, die unter anderem IT- und Telekommunikationsdaten auswerten und mit Netzbetreibern zusammenarbeiten.
Die Polizei in Pommern erklärte: „Die Maßnahmen umfassen unter anderem die Sicherung von Beweismitteln, die Analyse von IT- und Telefondaten (...) sowie den Informationsaustausch mit anderen Diensten und Institutionen.“
Die Sprecherin des Innenministeriums, Karolina Gałecka, stellte später klar, dass die betroffene Wohnung nicht vom Staatsschutzdienst bewacht wird. Sie gehört einem Familienmitglied des Präsidenten, nicht direkt dem Staatsoberhaupt.
Ministerpräsident Tusk greift ein
Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat daraufhin am Sonntag eine rasche Festnahme der Verantwortlichen hinter den falschen Meldungen über die Brandgefahr gefordert. Er betonte, der Staat müsse auf solche Provokationen entschlossen reagieren, sie binden Einsatzkräfte und können Menschen tatsächlich in Gefahr bringen.
Bei einem Treffen im Regierungszentrum für Sicherheit in Warschau besprach der Regierungschef die Lage mit Ministern und Vertretern der Dienste. Daran nahmen unter anderem Innenminister Marcin Kierwiński, Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz, Digitalisierungsminister Krzysztof Gawkowski und der für die Geheimdienste zuständige Minister Tomasz Siemoniak teil.
Tusk erklärte außerdem, er habe in der Nacht Kontakt zu Präsident Karol Nawrocki gehalten. Man sei sich einig, den Vorfall nicht politisch auszuschlachten. Vorrang habe die Sicherheit und ein reibungsloses Arbeiten der Einsatzkräfte.
Nicht der erste Vorfall
Der Vorfall steht für ein größeres Problem mit falschen Alarmen. Die Behörden registrierten zuvor bereits ähnliche Meldungen – von angeblich deponierten Sprengsätzen bis zu vermeintlichen Lebensgefahren. In einem dieser Fälle nahmen sie einen 53-Jährigen Mann fest, der nach bisherigen Erkenntnissen selbst Opfer eines Datendiebstahls und eines gehackten E-Mail-Kontos geworden sein könnte.
Die Einsatzkräfte erinnern zudem daran, dass selbst scheinbar „harmlose Scherze“ schwerwiegende Folgen haben können. Ministerpräsident Tusk sagte dazu: „Der überwältigende Teil dieser Falschalarmierungen sind dumme Witze, sehr oft von Minderjährigen.“ Das erschwere die Identifizierung der Verursacher und belaste das Rettungssystem zusätzlich.
In den vergangenen Tagen kam es auch an anderen Orten zu ähnlichen Einsätzen, unter anderem an einer Immobilie mit Bezug zum Vorsitzenden der Partei Recht und Gerechtigkeit, Jarosław Kaczyński. Auch dort bestätigten sich die Meldungen nicht.