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Werden Filme wirklich länger – und sind ausufernde Laufzeiten schlecht?

Werden Kinofilme wirklich immer länger – und ist das schlecht?
Werden Filme wirklich immer länger – und ist das schlimm? Copyright  Sony Pictures Releasing International - Warner Bros. - 20th Century Studios - Disney - Canva
Copyright Sony Pictures Releasing International - Warner Bros. - 20th Century Studios - Disney - Canva
Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Eine neue Studie zeigt: Unsere Aufmerksamkeitsspanne schrumpft, doch Kinofilme werden immer länger und dauern oft deutlich über zwei Stunden.

„Das war ein bisschen lang, oder?“

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Ein Satz, den man ständig hört, wenn man nach der Vorstellung aus dem Multiplex stolpert oder sich mit anderen Kinogängerinnen und Kinogängern unterhält.

Und wer unsere wöchentliche Reihe Film of the Week regelmäßig liest, kennt eine wiederkehrende Kritik: Viele Filme würden gewinnen, wenn man ihre Laufzeit um gut zwanzig Minuten kürzen würde. Nicht alle – aber doch eine ganze Reihe.

Ist das nur ein subjektiver Eindruck, genährt von unserer durch soziale Medien und endlose Kurzvideos geschrumpften Aufmerksamkeitsspanne? Oder steckt dahinter ein echtes Phänomen?

Die Zahlen liegen nun vor, und Sie bilden sich das nicht ein ... Neben unserer dahinbröselnden Konzentration werden Filme tatsächlich länger.

Forscher und Branchenanalyst Stephen Follows war kürzlich im The Town Podcast (Quelle auf Englisch) zu Gast und erklärte, er habe „die Laufzeiten von 36.431 Filmen“ ausgewertet, die zwischen 1980 und 2025 regulär im Kino liefen. Eine beachtliche Leistung. Und die Daten sprechen für sich.

„Die durchschnittliche Laufzeit hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert“, sagt Follows. „Sie pendelt sich seit den 1980er-Jahren bei etwa 100 bis 103 Minuten ein. Im Jahr 2024 lag der Durchschnitt bei 103,6 Minuten.“

Das ist allerdings der Schnitt über alle Filme hinweg. Betrachtet man nur „weite Kinostarts“, also großflächig gestartete Produktionen, kamen diese in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren im Mittel auf 106 Minuten. In diesem Jahrzehnt „ist dieser Wert auf 114 Minuten gestiegen.“

Sie haben richtig gelesen: Filme dauern heute im Schnitt rund zehn Minuten länger als noch vor zwanzig Jahren.

Der Anteil der großen Starts, die unter 90 Minuten bleiben, ist in den vergangenen vierzig Jahren deutlich geschrumpft.

„In den 1980er-Jahren liefen etwa 13 Prozent der weiten Kinostarts unter 90 Minuten. In den 2020er-Jahren sind es nur noch sieben Prozent.“

Laut seiner Studie (Quelle auf Englisch) fallen Filme mit Blockbuster-Budgets (ab 100 Millionen Dollar) oft noch länger aus, und Follows weist außerdem darauf hin, dass Werbung und Trailer vor dem eigentlichen Film inzwischen im Schnitt rund zwanzig bis dreißig Minuten dauern.

Indiana Jones and the Dial of Destiny - Mission: Impossible - The Final Reckoning - Project Hail Mary
Indiana Jones and the Dial of Destiny - Mission: Impossible - The Final Reckoning - Project Hail Mary Walt Disney Studios Motion Pictures - Paramount Pictures - Sony Pictures Releasing International

Welches Genre trägt daran den größten Anteil, fragen Sie? Actionfilme. Sie kommen inzwischen im Schnitt auf 128 Minuten – erstaunliche 25 Minuten mehr als noch vor ein paar Jahrzehnten.

Ein Blick auf die „Indiana Jones“-Reihe: Sie begann 1981 mit dem großartigen Raiders of the Lost Ark, der das Publikum 115 Minuten lang in Atem hielt. Einige Jahrzehnte später vergeudete das letzte Abenteuer, Indiana Jones and the Dial of Destiny von 2023, sein ganzes Potenzial über zähe 154 Minuten.

Ähnlich bei der ersten Mission: Impossible-Mission: Der Film von 1996 bot 110 mitreißende Minuten. Der angeblich finale Teil vom vergangenen Jahr, Mission: Impossible – The Final Reckoning, blähte das Franchise dann auf ermüdende 170 Minuten auf.

Und auch die James-Bond-Reihe bleibt nicht verschont. Sean Connerys Debüt als 007 in Dr. No von 1962 dauerte 109 Minuten, der bislang letzte Bond-Film, No Time To Die von 2021, ist mit 163 Minuten der längste der Seriengeschichte.

Und für den jüngsten Teil – Avatar: Fire And Ash – gibt es erst recht keine Entschuldigung: Er beansprucht 197 Minuten Ihres Lebens. Auch für die immer schwächeren MCU-Filme gibt es keine mildernden Umstände, die Beiträge der Multiverse Saga kommen im Schnitt auf 123 Minuten.

Aufgebläht sind längst nicht nur die Laufzeiten großer Reihen.

Der aktuelle Kassenschlager Project Hail Mary läuft 156 Minuten, und auch jüngere Oscargewinner wie One Battle After Another und Oppenheimer bringen es auf 162 beziehungsweise 180 Minuten.

Zugegeben: Bei beiden ist keine Minute verschenkt. Aber ohne vorherigen Toilettengang ging es vor Filmbeginn nicht.

Avatar: Fire And Ash
Avatar: Fire And Ash 20th Century Studios

Follows räumt ein, dass es keine einfache Antwort darauf gibt, warum die Laufzeiten immer weiter wachsen.

Er nennt jedoch einige mögliche Gründe. Studios wollen Filme zunehmend als große Ereignisse inszenieren. Kinos müssen zudem „einen Premiumticketpreis rechtfertigen, und vielleicht fühlt sich ein längerer Film nach mehr Gegenwert an“.

Wir empfehlen einen Blick auf Follows’vollständige Auswertung (Quelle auf Englisch) – mit hübschen Grafiken –, die zu einer alten Frage führt: Sollten Kinos die Pause in der Mitte des Films wieder einführen?

Was meinen Sie? Sind immer längere Filme eine gute oder eine schlechte Entwicklung? Und ohne eine direkte Gleichung von Länge und Qualität aufzumachen (hinten bitte einmal tief durchatmen): Deutet die Lust auf ausgedehnte Filme darauf hin, dass das heutige Publikum sich wieder nach Kinobesuchen sehnt, die bedeutsamer wirken?

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