Eine neue Studie zeigt: Kinofilme werden immer länger und dauern oft deutlich über zwei Stunden. Dabei nimmt unsere Spanne der Aufmerksamkeit doch eigentlich ab.
"Das war ein bisschen lang, oder?"
Ein Satz, den man ständig hört, wenn man nach der Vorstellung aus dem Multiplex stolpert oder sich mit anderen Kinogängerinnen und Kinogängern unterhält.
Und wer unsere wöchentliche Reihe Film of the Week regelmäßig liest, kennt eine wiederkehrende Kritik: Vielen Filmen täte es gut, wenn man ihre Laufzeit um gut 20 Minuten kürzen würde. Nicht alle – aber doch eine ganze Menge Filme.
Ist das nur ein subjektiver Eindruck, genährt von unserer durch soziale Medien und endlose Kurzvideos geschrumpften Aufmerksamkeitsspanne? Oder steckt dahinter ein echtes Phänomen?
Die Zahlen liegen nun vor, und der Eindruck beruht nicht nur auf Einbildung. Neben unserer dahinbröselnden Konzentration werden Filme tatsächlich länger.
Forscher und Branchenanalyst Stephen Follows war kürzlich im The Town Podcast zu Gast und erklärte, er habe "die Laufzeiten von 36.431 Filmen" ausgewertet, die zwischen 1980 und 2025 regulär im Kino liefen. Die Daten sprechen für sich.
"Die durchschnittliche Laufzeit hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert", sagt Follows. "Sie pendelt sich seit den 1980er-Jahren bei etwa 100 bis 103 Minuten ein. Im Jahr 2024 lag der Durchschnitt bei 103,6 Minuten."
Kinofilme dauern heute tatsächlich länger
Das ist allerdings der Schnitt über alle Filme hinweg. Betrachtet man nur "große Kinostarts" - sogenannte "wide theatrical releases" - kamen diese in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren durchschnittlich auf 106 Minuten. In diesem Jahrzehnt "ist dieser Wert auf 114 Minuten gestiegen."
Sie haben richtig gelesen: Filme dauern heute im Schnitt rund zehn Minuten länger als noch vor 20 Jahren.
Der Anteil der großen Starts, die unter 90 Minuten bleiben, ist in den vergangenen 40 Jahren deutlich geschrumpft.
"In den 1980er-Jahren liefen etwa 13 Prozent der weiten Kinostarts unter 90 Minuten. In den 2020er-Jahren sind es nur noch sieben Prozent.“
Laut seiner Studie fallen Filme mit Blockbuster-Budgets (ab 100 Millionen Dollar) oft noch länger aus, und Follows weist außerdem darauf hin, dass Werbung und Trailer vor dem eigentlichen Film inzwischen im Schnitt rund 20 bis 30 Minuten dauern.
Welches Genre trägt daran den größten Anteil? Actionfilme. Sie kommen inzwischen im Schnitt auf 128 Minuten – erstaunliche 25 Minuten mehr als noch vor ein paar Jahrzehnten.
Ein Blick auf die "Indiana Jones"-Reihe macht das Phänomen deutlich: Sie begann 1981 mit dem großartigen Jäger des verlorenen Schatzes (Raiders of the Lost Ark), der das Publikum 115 Minuten lang in Atem hielt. Einige Jahrzehnte später vergeudete das letzte Abenteuer, Indiana Jones und das Rad des Schicksals (Indiana Jones and the Dial of Destiny) von 2023, sein ganzes Potenzial über zähe 154 Minuten.
Ähnlich bei "Mission: Impossible": Der Film von 1996 bot 110 mitreißende Minuten. Der angeblich finale Teil aus dem vergangenen Jahr, Mission: Impossible – The Final Reckoning, blähte das Geschehen auf ermüdende 170 Minuten auf.
Und auch James-Bond bleibt nicht verschont. Sean Connerys Debüt als 007 in Dr. No von 1962 dauerte 109 Minuten, der bislang letzte Bond-Film, Keine Zeit zu sterben (No Time To Die) von 2021, ist mit 163 Minuten der längste der 007-Seriengeschichte.
Und für den jüngsten Teil – Avatar: Fire And Ash (Avatar: Feuer und Asche) – gibt es erst recht keine Entschuldigung: Der Film beansprucht 197 Minuten des Lebens der Zuschauerinnen und Zuschauer. Auch für die immer schwächer werdenden MCU- oder Marvel Cinematic Universe-Filme gibt es keine mildernden Umstände, die Streifen der Multiverse Saga kommen im Schnitt auf 123 Minuten.
Aufgebläht sind aber längst nicht nur die Laufzeiten großer Reihen.
Der aktuelle Kassenschlager Der Astronaut - Project Hail Mary läuft 156 Minuten, und auch letzte Oscargewinner One Battle After Another oder zuvor Oppenheimer bringen es auf 162 beziehungsweise 180 Minuten.
Zugegeben: Bei diesen beiden ist keine Minute verschenkt.
Follows räumt ein, dass es keine einfache Antwort auf die Frage gibt, warum die Laufzeiten immer weiter wachsen.
Er nennt jedoch einige mögliche Gründe. Studios wollen Filme zunehmend als große Ereignisse inszenieren. Kinos müssen zudem "einen Premiumticketpreis rechtfertigen, und vielleicht fühlt sich ein längerer Film nach mehr Gegenwert an“.
Wir empfehlen einen Blick auf Follows’vollständige Auswertung – mit hübschen Grafiken –, die zu einer alten Frage führt: Sollten Kinos die Pause in der Mitte des Films wieder einführen?
Was meinen Sie? Sind immer längere Filme eine gute oder eine schlechte Entwicklung? Und ohne eine direkte Gleichung von Länge und Qualität aufzumachen (in den hinteren Reihen bitte einmal tief durchatmen): Deutet die Lust auf ausgedehnte Filme darauf hin, dass das heutige Publikum sich wieder nach Kinobesuchen sehnt, die bedeutsamer wirken?